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RB Leipzig zweifelt nicht an Berichten von Polizei und Sicherheitsdienst

Ein Ordner im Einsatz in der Red Bull-Arena. Foto: imago

Nach den vermeintlichen Übergriffen des Leipziger Ordnungsdienstes auf Fans des Hamburger SV, hatte die in die Kritik geratene Sicherheitsfirma nun Stellung bezogen. Jetzt gab auch RB Leipzig ein Statement zu den widersprüchlichen Vorgängen ab.

RB Leipzig sieht keinen Grund zu Zweifeln

Auch die eigenen Anhänger hatten RB Leipzig aufgefordert, sich zu den Vorfällen zu äußern. Eine Aufklärung der Situation und der widersprüchlichen Sichtweisen sei nötig, um friedliche Atmosphäre zu garantieren. „Wer mit familienfreundlichen und gewaltfreien Fußball wirbt, muss sich auch um das Wohl seiner Gäste kümmern.“

Jetzt gab RB Leipzig zum Thema bekannt, nach einer Überprüfung zunächst Polizei und Sicherheitsdienst Glauben zu schenken. Dennoch werde man das Thema weiter behandeln, teilte ein RB-Sprecher mit.

„Nach den bisherigen Fakten und Überprüfungen gibt es auch aus unserer Sicht daher keinen Grund für Zweifel an den Ergebnissen der Polizei und der Schilderung des externen Sicherheitsdienstes. Sollte sich an dieser Sachlage nach weiteren Überprüfungen noch einmal etwas ändern, gehen wir dem selbstverständlich nach.“

Sicherheitsdienst von RB Leipzig weist Vorwürfe des HSV-Fanprojekt zurück

Das Unternehmen PEAS, welches den Ordnungsdienst in der Red Bull-Arena stellt, wies zuvor die Vorwürfe zurück, die das Hamburger Fanprojekt am Montag veröffentlichte. Demnach seien HSV-Fans im Anschluss an das Bundesliga-Spiel bei RB Leipzig durch vermummte Ordner zielgerichtete angegriffen worden.

Am Mittwochabend veröffentlichten die Leipziger und das Sicherheitsunternehmen nun eine ausführliche Stellungnahme, in der viel mehr von Angriffen durch HSV-Fans auf den Ordnungsdienst die Rede ist. Fünf Ordner seien nach den Vorfällen ärztlich versorgt worden. Die Hamburger hätten sich gegen die Personalienaufnahme zweier Fans, denen Pyrotechnik-Missbrauch vorgeworfen wird, zur Wehr gesetzt. Auch den Vorwurf der Vermummung weißt PEAS zurück, die eingesetzten Ordner hätten lediglich Schals und Mützen gegen die kalten Temperaturen getragen.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

Unsere Firma verrichtete am 11.02.2017 den Ordnungsdienst im Gästeblock der Red Bull Arena beim Spiel RB Leipzig gegen den Hamburger SV.

Während des Spielverlaufs wurde im Oberrang des Gästeblocks Pyrotechnik gezündet. Die Täter konnten durch das Überwachungskamerasystem des Stadions klar identifiziert werden. Dieser Vorfall war Thema der Sicherheitsberatung in der Halbzeitpause des Spiels. Zu dieser Sicherheitsberatung waren auch der Sicherheitsbeauftragte des HSV, die Fanbetreuung des HSV und das Fanprojekt des HSV anwesend, welche sich geschlossen für die gute Arbeit des Ordnungsdienstes und das freundliche und deeskalierende Auftreten bedankt haben.

In Übereinkunft mit allen Teilnehmern dieser Beratung wurde entschieden, die Personalien der Täter aufzunehmen und die Personen anschließend der Polizei zur Identitätsfeststellung zu übergeben.

Um Eskalationen zu vermeiden, sollte dies im Abgang beim Verlassen des Stadions geschehen und nicht durch einen Eingriff während des Spiels. Nach Abpfiff des Spiels verließen die Täter in einer Personengruppe von etwa 80 bis 100 Leuten den Gästeblock.

Um die identifizierten Personen festzusetzen und anschließend der Polizei zu übergeben, bildete das Ordnerpersonal eine Gasse. Hierbei kam es zu einem Solidarisierungseffekt der gesamten Personengruppe, die das Ordnerpersonal dann sowohl verbal und als auch tätlich in Form von Schlägen, Tritten, Bespucken und Bekippen mit Bier angriff und damit versuchte, die festgesetzten Personen loszueisen. Hierzu wurden auch die Bestandteile von Schwenkfahnen benutzt, welche aus etwa 1,50 Meter langen Rohren aus Aluminium-Guss bestanden. Eines dieser Rohre wurde auf den Boden geschlagen, so dass eine scharfe Schnitt- und Stichwaffe entstand.

Es wurden etwa 6 bis 8 Rohre verwendet, um mit diesen auf das Ordnerpersonal einzuschlagen bzw. einzustechen. Die Rohre wurden im Nachgang sichergestellt und als Beweismittel gesichert. Aufgrund dieser massiven Gewaltanwendung gegen unser Personal wurde als Reaktion vom Recht auf Notwehr Gebrauch gemacht. Unser Personal bezog nach Abklingen der Übergriffe Stellung auf dem oberen Wall, verhielt sich defensiv und deeskalierend – trotz der andauernden Verbalund Spuck-Attacken durch die oben genannte Gruppe, die sich weigerte, die Treppe vom oberen Wall in Richtung Gästeblock-Ausgang herunterzugehen.

Die Gruppe forderte, dass sie ihre Materialtasche, welche sich ihren Angaben zu Folge noch im Gästeblock befand, holen wollten, sonst würden sie das Stadion nicht verlassen. Um die Situation nicht wieder anzuheizen und erneut eskalieren zu lassen, wurde dies vom Ordnungsdienst gestattet und eine Person der Gruppe zurück in den Gästeblock gelassen, um diese Tasche zu holen. In der Zeit, als die Person die Tasche holte, entschied die Polizei, die Personengruppe von der Treppe in Richtung Stadionausgang zu drängen und setzte dies auch durch, ohne dass der Ordnungsdienst dort involviert war.

Bei den Vorfällen am 11.02.2017 wurden 5 Mitarbeiter des Ordnungsdienstes verletzt, insbesondere durch den Einsatz der Rohre. Alle 5 benötigten medizinische Hilfe. 2 Mitarbeitern wurden durch den Einsatz des abgebrochenen Rohres die Kleidung zerschnitten und somit zerstört. Unsere Mitarbeiter tragen während ihres Dienstes ausschließlich neutrale Kleidung oder Kleidung der Sicherheitsfirma. Niemand trägt Kleidung oder Accessoires anderer Vereine.

Unsere Mitarbeiter führen während des Dienstes keine Waffen in irgendeiner Form mit sich. Unsere Mitarbeiter sind nicht vermummt. Bei Temperaturen unter 0 Grad an diesem Tag haben sie in ihrem mehrstündigen Dienst aber natürlich zum Schutz vor Kälte Mütze, Schal und Handschuhe getragen.

Polizei Sachsen widerspricht den Vorwürfen

Am Sonntag kursierten die ersten Meldungen der Zwischenfälle. Daraufhin kündigte die Polizei Sachsen via Twitter Ermittlungen an und bestätigte eine Auseinandersetzung zwischen einzelnen Fans und Ordnern, bei dem ein Anhänger ärztlich behandelt werden musste. Am Dienstagabend ergänzte die Behörde ihre Schilderungen und widersprach dem Bericht des HSV-Fanprojekts. Vielmehr, so die sächsische Polizei, seien die Ordner durch Hamburger Fans mit Holzstangen angegriffen und verletzt worden. Zuvor seien die Identitäten zweier HSV-Fans festgestellt worden, beide werden verdächtigt, Pyrotechnik abgebrannt zu haben. Der bei den Auseinandersetzungen verletzte HSV-Fan habe Anzeige wegen Körperverletzung gestellt.