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Dietrich Mateschitz ist „Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist“

Dietrich Mateschitz. Foto: imago

Dietrich Mateschitz. Foto: imago

Häufig sind sie nicht die Interviews mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Zum 30-jährigen Jubiläum seiner Firma ist es aber mal wieder so weit. Dabei zeigt er sich bei neue.at vor allem kritisch gegenüber aktuellen politischen Entscheidern und dem derzeitigen „Meinungsdiktat“. Mateschitz sieht sich dabei selbst als „Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist“.

Proteste gegen RB Leipzig als „Klassenkampf“

Im Großteil des Interviews geht es um Fragen von Politik, Wirtschaft und allgemeinem Weltgeschehen. Aber auch der Fußball bekommt einen Platz. Und auch hier zeigt sich Dietrich Mateschitz meinungsstark. Proteste gegen RB Leipzig seien vor allem eine Sache von „Hardcore-Fans, Hooligans oder Ultras, die den Fußball generell und Red Bull insbesondere fürs Ausleben ihrer Konflikt- und Gewaltbereitschaft missbrauchen.“ Dabei handele es sich um eine Art „Klassenkampf“.

Diese Form der Proteste „registriere ich, und damit ist es getan. Es kränkt mich nicht.“ Einen kleinen Seitenhieb offenbar auf Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erlaubt sich der Red-Bull-Chef dann aber doch. „Dass sich der eine oder andere Präsident bemüßigt fühlt, für solche Dinge Sympathie und Zustimmung zu signalisieren, ist vielleicht nicht besonders durchdacht, vor allem wenn er sich die eigene Finanzierung anschaut.“

Erfolg als eigentliche Ursache für Kritik

Red Bull setze im Sport in vielen Bereichen von Formel 1 bis zu Eishockey „neue Standards“. Auch in Leipzig sei man erfolgreich. „Was beim Fußball zählt, sind sportlicher Erfolg, Fairness im Umgang mit dem Gegner und die überwältigende Stimmung in einem ausverkauften Stadion. Das haben wir unbestritten erreicht.“

In diesem Erfolg sieht Dietrich Mateschitz die Ursache für Anfeindungen. „Ich glaube fast, unser eigentliches Verbrechen besteht nicht darin, dass wir Fußball spielen, sondern darin, dass wir Erfolg haben.“ Dabei sei ein Vergleich zwischen Leipzig und München wie der zwischen einem „Rekrutenbataillon“ und „römischen Söldnern in ihrer vorletzten Schlacht“.

Dietrich Mateschitz sieht RB-Kritiker in der Minderheit

Zudem handele es sich bei den RB-Kritikern um eine deutliche Minderheit. „Eine gesamtdeutsche Befragung hat uns unter die beliebtesten Fußballklubs Deutschlands gewählt. Es steht also wieder eine vernachlässigbare Minderheit einer überwältigenden Mehrheit gegenüber.“

In Salzburg gab es zudem in der Vergangenheit Kritik daran, dass die besten Fußballer den Verein Richtung Leipzig verlassen, die Österreicher also zu einem Ausbildungsverein werden. Auch hier sieht Mateschitz keine Probleme. „Die Leute haben längst verstanden, dass unser Konzept in Kombination mit der Nachwuchsakademie das einzig Richtige und Mögliche für die österreichische Liga ist. So bekommen wir junge Talente zur Ausbildung ins Land, die sonst nie kommen würden. Und wenn sie für unsere Liga zu gut werden, gehen sie eben, ob nach Leipzig oder woandershin, spielt keine Rolle.“

Österreichs Fußball profitiert von Ausbildungsklub Red Bull Salzburg

Davon profitiere auch der Fußball in Österreich generell. „Noch nie hat eine österreichische U19-Mannschaft im Finale des Youth Cups gespielt und Klubs wie Paris St-Germain, Manchester City oder Atletico Madrid eliminiert. Und auch noch nie hat ein österreichischer Verein in eineinhalb Jahren über hundert Millionen Transfererlöse erzielt.“

Red Bull Salzburg wird mit seiner Nachwuchsmannschaft am 21.04.2017 im Halbfinale der Youth League gegen den FC Barcelona antreten. Im Viertelfinale hatte man in Salzburg vor mehr als 5.000 Zuschauern, mehr als in so manchem Ligaspiel der Profis, Atletico Madrid mit 2:1 besiegt.