Seite neu laden
-

Sachsen Innenminister Markus Ulbig nimmt Vereine in die Pflicht

Sachsen Innenminister Markus Ulbig sieht die wachsende Zahl von Stunden, die die Polizei mit der Absicherung von Fußballspielen verbringt, mit Sorge. „Ich erwarte von allen, die im Fußball Verantwortung tragen, dass sie sich künftig noch deutlicher von gewaltbereiten ‚Fans‘ distanzieren und konsequent Maßnahmen ergreifen, um alle friedlichen Fans besser zu schützen“, erklärt er in der LVZ (Print).

7.100 Beamte bei 47 Einsätzen in Leipzig

Die Zahl der Polizeieinsätze bei Fußballspielen sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Waren es 2012 noch 150.000 Einsatzstunden, sind es 2016 bereits 171.000 Stunden gewesen.

Der Großteil der Polizeieinsätze werde dabei in Leipzig gefahren. 47 waren es 2016 dort, in Dresden nur 21. Während in Leipzig allerdings nur insgesamt 7.100 Beamte im Einsatz gewesen seien, waren es in Dresden 9.500. In Leipzig verteilen sich die Einsätze zudem auf auf vier verschiedene Vereine, nämlich RB (Profis und U23), Lok, Chemie und Inter.

Die hohe Zahl an Einsätzen in Leipzig verweist auf viele Spiele durch Bundesliga- bzw. Zweitligafußball und unerklassige Vereine mit hohem Zuschauerinteresse. Die vergleichsweise geringe Zahl an eingesetzten Polizisten zeigt, dass die Spiele allerdings nur selten eines überdurchschnittlichen Betreuungsaufwands bedurften.

Markus Ulbig will mehr Engagement der Vereine in Sicherheitsfragen

Markus Ulbig fordert angesichts der Zahlen in der LVZ weiter, dass „Hass und Gewalt gegen Fans, Ordner und Polizisten sowie massive Sachbeschädigungen und die Verwendung von Pyrotechnik konsequent verfolgt, Täter bestraft und Vereine spürbar sanktioniert werden müssen“. Auch die Verbände müssten ihren Teil zu „einer konsequenten Ahndung der Vorfälle“ beitragen.

Als Instrumentarium bei der Verfolgung von fußballbezogenen Taten macht Ulbig Videoüberwachung, die Reduzierung von Kartenkontingenten, Stadionverbote und eine Verbesserung bei der Organisation von Risikospielen aus. Auch müssten sich die Maßnahmen nicht nur auf den Stadionbereich, sondern auch auf die An- und Abreise von Fans beziehen.

Hermann Winkler: „Stadien sind ein Spiegelbild der Gesellschaft“

Sachsens Fußballpräsident Hermann Winkler hält dem auch in der LVZ entgegen. Der Fußball könne nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was außerhalb des Sports an Problemen existiert. „Die Stadien sind ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Für die Gewährleistung von Sicherheit sei zudem „unabhängig von der Kassenlage“ auch der Staat verantwortlich.

„Dank der Vereine und ihrer selbst finanzierten Sicherheitsdienste liefen 99,77 Prozent aller Spiele ruhig ab“, verweist Winkler auch auf das schon vorhandene Engagement auf Seiten der Klubs. Man wünsche sich bei dieser Arbeit mehr Unterstützung von Politik und Justiz. Dass letztere „zahnlos“ agiere, „das frustriert oft Verband, Vereine, friedliche Fans und auch die Polizei“.


Jetzt die RBLive-App herunterladen: