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Nach 0:0 gegen Ingolstadt: Genervter Hasenhüttl regt Regeländerung an

Au Backe: Ralph Hasenhüttl beim Gedanken an weitere Zugänge. Foto: Imago

Ralph Hasenhüttl war nach RB Leipzigs Nullnummer gegen den FC Ingolstadt sicht- und hörbar genervt. Mit gesenktem Blick lauschte der RB-Trainer den Ausführungen seines Kollegen Maik Walpurgis, ehe er zu einem Mix aus Kritik an der eigenen Chancenverwertung und Stilkritik an der Spielweise Gegners anhob.

„Es war kein schöner Nachmittag, eine Netto-Spielzeit von 25 Minuten in der ersten Hälfte ist mir einfach zu wenig”, kritisierte Hasenhüttl. „Es fällt dann verdammt schwer, in einen Rhythmus zu kommen. Umkämpftes Spiel hin oder her – das macht die ganze Sache nicht schön.”

Ingolstadt hatte immer wieder versucht, den Spielfluss der Leipziger durch zahlreiche Nickligkeiten, Fouls und lange Behandlungszeiten zu behindern – mit Erfolg. Der Tabellenzweite war sichtlich genervt vom Ingolstädter Spiel. Zwar hatte RB dennoch 15 Toraktionen. Doch zu oft verfehlten die Schüsse ihr Ziel, landeten neben oder über dem Tor oder wurden von den galligen Ingolstädtern abgefälscht. Der Vorletzte hielt dem Leipziger Druck selbst nach der Gelb-Roten Karte gegen Alfredo Morales (86.) noch stand.

Ingolstadts Rache am Ex-Hasenhüttl-Stil

Pikant an Hasenhüttls Spielverweigerung-Vorwurf an die Gäste: In der vergangenen Saison hatte der Österreicher so beim FCI selbst noch Erfolge gefeiert. „Vielleicht ist das die Rache dafür, dass ich selber früher auf diese Art und Weise versucht habe, mein Fell so teuer wie möglich zu verkaufen”, sagte der 49-Jährige und fügte hinzu: „Ich kann nur sagen, dass ich schon damals keine Befriedigung nach den Spielen empfunden habe.”

Regelvorschlag von Hasenhüttl: Nach Behandlungspause fünf Minuten Strafzeit

Hasenhüttl gestand zwar ein: „Die Regeln sind nun mal so: Wenn jemand verletzt ist und eine Behandlung braucht, dann dauert es halt, bis das Spiel weitergeht. Damit müssen wir leben.” Doch der ehrgeizige Fußballlehrer verband das mit einem Vorschlag zur Regeländerung: „Die einzige Möglichkeit wäre, dass ein Spieler, der behandelt wird, fünf Minuten draußen zuschauen muss. Dann bist du wenigstens fünf Minuten in Überzahl. Wer weiß, ob dann noch so viele Spieler liegenbleiben würde.” Hasenhüttl verriet, dass dieser Vorschlag bereits intern diskutiert worden sei. Dem Referee immerhin mochte der Coach keinen Vorwurf machen.

Walpurgis nahm sich die Einlassungen nicht zu Herzen und antwortete cool: „Dass das nicht schön aussieht und dass das nicht jedem gefällt, dafür habe ich vollstes Verständnis. Aber wir haben in den vergangenen Wochen immer Komplimente für unser Spiel bekommen, aber keine Punkte mitgenommen. Heute ging es für uns darum zu punkten.” Und mit Verweis auf die drei Chancen für die abstiegsbedrohten Niederbayern argumentierte er: „Wir haben uns den Punkt schließlich nicht komplett ermauert.”

Forsberg: „Es fehlte die Schärfe, der Drang”

Die Leipziger Akteure tröstete das nach der gefühlten Niederlage wenig. Selbstkritisch monierte der an diesem Nachmittag wenig gefährliche Genius Emil Forsberg: „Wir müssen uns nicht nur die Chancenverwertung vorwerfen. Es fehlte die Schärfe, der Drang.”

So hat Ingolstadt weiter Chancen auf den Klassenverbleib – und RB weiter beste Chancen auf die direkte Qualifikation für die Champions League. Mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel in Berlin sagte Hasenhüttl: „Wir hätten heute ein unglaublich großes Ziel verwirklichen können, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.”

Statistik

RB Leipzig – FC Ingolstadt 0:0

RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo (87. Burke), Ilsanker, Upamecano, Halstenberg (72. Schmitz) – Keita, Demme (C)- Sabitzer, Forsberg – Werner (67. Selke), Poulsen.
FC Ingolstadt 04: Hansen – M. Matip, Roger, Tisserand – Hadergjonaj, Morales, Suttner, Cohen, Kittel (75. Jung) – Leckie (37. Lex), Lezcano (87. Christiansen).
Tor(e): -; Gelbe Karten: Upamecano (3.), Ilsanker (7), Poulsen (4) / Lezcano (28.), Roger (5), Tisserand (9), Morales (4), Lex (3). Gelb-Rote Karte: Morales (86.). Zuschauer: 41.053 in der Red-Bull-Arena Leipzig; Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin).