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Timo Werner behutsam zurück: Der Stellenwert richtiger Regeneration

Timo Werners Rückkehr ist ein Paradebeispiel für den Stellenwert der Regeneration im Spitzensport. „Wir haben versucht, ihn behutsam aufzubauen und ihm immer wieder mehr Spielzeit zu geben“, sagt sein Vereinstrainer Ralph Hasenhüttl.

Kleine Schritte für Timo Werner

Werner musste wegen einer Halswirbelblockade zunächst beim Training pausieren und seine Teilnahme an den letzten WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft vor vier Wochen absagen. Dann bekam er zum Kurzeinsätze gegen den FC Bayern und lief überraschend auch gegen Porto nicht von Beginn an auf. In kleinen Schritten wurde er unter ärztlicher Betreuung wieder herangeführt, jetzt ist der Angreifer rechtzeitig vor den Testländerspielen in England am Freitag und gegen Frankreich am kommenden Dienstag wieder voll belastbar.

Drei Tage Zeit „absolutes Minimum“

Nicht nur beim Bundesliga-Zweiten in Leipzig geben medizinische und leistungsdiagnostische Ergebnisse auch Ausschlag über die Einsatzpläne der Profis. Diese Parameter sind im modernen Fußball nicht mehr wegzudenken. Im Mittelpunkt steht die optimale Leistung. Erst recht in den Englischen Wochen, die für die Nationalspieler auch in der Ligapause praktisch weitergehen. „Drei Tage sind das absolute Minimum, um sich nach einem Fußballspiel physisch komplett zu regenerieren“, sagt Prof. Dr. Tim Meyer.

Spitzensportler unter Druck

Der 50 Jahre alte Arzt betreut seit 2001 die deutsche Nationalmannschaft. Die nötige Zeit bekommt nicht jeder Profi, in anderen Sportarten ist es teilweise noch schwieriger. „Ich glaube nicht, dass Fußballer prinzipiell länger brauchen, um sich zu regenerieren. Der Organismus funktioniert nicht anders als beispielsweise bei Handballern“, sagt Meyer. Er hält die Spielpläne bei einer Handball-WM auch nicht für geeignet für eine ausreichende Regeneration. „Mit einem anderen Rhythmus könnten die Handballer vermutlich besser spielen“, sagt Meyer.

Oliver Roggisch, Teammanager der Handball-Nationalmannschaft weiß: „Den Spielern ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben, wird im Handball extrem schwierig. Es ist fast schon gang und gäbe, dass die Spitzenclubs im Rhythmus Samstag-Mittwoch-Samstag spielen.“ Im Fußball ist dies in den englischen Wochen auch der Fall. Da werden auch Charterflüge mal kurzfristig wegen eines Geheimtrainings um ein paar Stunden verschoben, wie jüngst von Werners Club RB Leipzig vor dem Champions-League-Spiel beim FC Porto (1:3).

Immer geht es darum, in den entscheidenden Momenten die optimale Leistung zu bringen, sei es bei Werner auf dem Rasen oder bei Dirk Nowitzki auf dem Parkett der NBA. Dort wurden die Back-to-Back-Spiele – Partien an aufeinanderfolgenden Abenden gesenkt: Vier Spiele an fünf Abenden sind nun verboten. Nowitzki muss mit den Dallas Mavericks dennoch in dieser Saison 15 Mal an aufeinanderfolgenden Abenden antreten. „Über die Jahre werden deine Muskeln ein wenig steifer, wenn du morgens anfängst“, sagt er.

Ernährung für die Regeneration wichtig

Eine angemessene Ernährung und Schlaf sind laut Nationalmannschafts-Arzt Meyer von allen Regenerationsmaßnahmen die wichtigsten. Auch wenn nicht alle Bundesligisten einem so strengen Diätplan folgen wie Borussia Dortmund unter Thomas Tuchel, Cheeseburger sind vor eine Spiel total tabu. Das war zu Nowitzkis Anfängen in der NBA noch Gang und Gäbe. Bei RB Leipzig versteht es sich von selbst, auch die Ernährung optimal zu steuern. Red Bull wird dabei kaum auf dem Speiseplan stehen.

Hasenhüttl hofft auf Werner-Tore

Nicht zuletzt brauchte Werner aber auch Ruhe für den Kopf. „Ein Spiel in der Champions League oder mit der Nationalmannschaft ist schon eine mentale Extrembelastung“, sagte Werners Vereinstrainer Hasenhüttl, als sein Torjäger pausieren musste. „Und wenn ein Stürmer viele Tore schießt und dadurch einen positiven Stress erzeugt, ist das schön für den Stürmer, unterm Strich aber eine enorme Belastung“, sagte der RB-Coach. Wenn die Länderspielpause vorbei ist, hofft er auf Werner bei 100 Prozent. Erst im letzten Duell gegen Hannover 96 hatte er wieder den Siegtreffer erzielt.

(dpa|RBlive)


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