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Ex-DFL-Manager Rettig: „Unterschrift unter die Lizenz von RB Leipzig verweigert”

Der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) Andreas Rettig wollte RB Leipzig beim Aufstieg in die 2. Bundesliga die Lizenz verweigern. Wie der heutige Manager des FC St. Pauli der Frankfurter Rundschau sagte, habe er 2014 die Lizenz für RBL nicht unterschrieben.

„Ich hatte meine Unterschrift unter die Lizenz für RB Leipzig verweigert”, sagte der 54-Jährige. „Der Lizenzierungsausschuss hat dann anders entschieden.” Das ehrenamtliche Gremium, in dem Vertreter der Bundesligisten über die Lizenzen befinden, hat bei der Lizenzierung das letzte Wort. RB Leipzig hatte die 50+1-Regel de facto umgangen, indem auf Betreiben der Firma Red Bull hin ein Verein gegründet und vom Investor finanziert wurde. Dieser Fall war bis dato in den Statuten nicht vorgesehen gewesen. Eine Lücke im Regelwerk.

Rettig: „RB Leipzig als Umgehungstatbestand, um 50+1 auszuschalten”

Nun erklärte Rettig so klar wie nie zuvor: „Es ging um eine Güterabwägung: auf der einen Seite das Verbandsrecht, das den Fall RB Leipzig als möglichen Umgehungstatbestand interpretieren konnte, um die 50-plus-eins-Regel auszuschalten.”

Doch „auf der anderen Seite” habe es die Gefahr gegeben, argumentiert er weiter, „dass der Klub vor einem ordentlichen Gericht klagt. Hier hätte es dann zu einer für den Verband unter wirtschaftlichen, aber auch unter zeitlichen Gesichtspunkten zu einer nicht mit beherrschbaren Situation kommen können.”

Rettig will unabhängige Lizenzierungs-Instanz

Als Konsequenz aus der RB-Lizenzierung würde sich Rettig „eine unabhängigere Instanz im Lizenzierungsverfahren wünschen”. Er sagt: „Derzeit ist es so, dass die Entscheidungen von Klubvertretern getroffen werden, die mit anderen im Wettbewerb stehen. Ich finde das nicht richtig. Denn Mitglieder im Lizenzierungsausschuss haben einen Wettbewerbsvorteil. Wenn ich das auf einen anderen Wirtschaftsbereich übertrage, hieße das: Die Firma Bayer befindet darüber, ob die Firma Merck ein Präparat auf den Markt bringen darf.”

Rettig hängte seinen Job 2015 ein Jahr nach der Lizenzierung von Rasenballsport bei der DFL an den Nagel und wurde Manager des FC St. Pauli. Der gebürtige Leverkusener gilt als Verfechter der 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren im deutschen Fußball beschränkt. „Wenn wir die Schranken für einen ungehemmten Kapitalzufluss in den deutschen Profifußball öffnen, kann es dazu führen, dass wir gar nicht wissen, woher das Kapital denn eigentlich kommt”, sagte Rettig nun. „Das wäre ein klarer Angriff auf die Integrität des Sports. Es muss bekannt sein, aus welchen Kanälen das Geld kommt. Wer soll das kontrollieren?”


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