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Krude Trainer-Spekulationen: Die Fakten zur Hasenhüttl-Debatte

Nach den drei jüngsten Schießbuden-Auftritten von RB Leipzig steht Trainer Ralph Hasenhüttl sowohl bei Teilen der Fans als auch medial in der Kritik. Die Bild-Zeitung geht mit der Schlagzeile „Hasenhüttl droht Leipzig-Aus” massiv in die Offensive. RBLive ordnet die Schlagzeilen und Gerüchte auf Basis der Zitate und Abläufe ein.

Die Bild-Zeitung kommt auf drei Szenarien, nach denen Hasenhüttl entweder zum Saisonende gehen müsse, noch ein Jahr Gnadenfrist bekomme oder selbst hinschmeißen werde. Offenbar reine Spekulation ohne Faktenbasis.

Ralf Rangnick: „Gespräche unmittelbar nach Saisonende aufnehmen”

Aufhänger für die Story ist die Aussage von Sportdirektor Ralf Rangnick, der am Samstag nach dem 2:5 gegen Hoffenheim verkündete, dass die Vertragsgespräche vorerst verschoben seien und „unmittelbar” nach Saisonende wieder aufgenommen würden. Mit Hasenhüttl ebenso wie mit Timo Werner und anderen Spielern sowie Angestellten aus dem Trainerteam.

O-Ton Rangnick in der Mixed Zone direkt nach dem Spiel: „Wir haben vereinbart beziehungsweise dem Trainer gesagt, dass wir die komplette Konzentration für die letzten drei Spiele brauchen. Das gilt auch für die Spieler, Timo Werner oder den ein oder anderen. Wir werden jetzt bis zum Saisonende keine Vertragsgespräche führen, sondern die Gespräche unmittelbar nach Saisonende aufnehmen und die Saison insgesamt auswerten.”

Defensivverhalten von RB Leipzig in der Kritik

Freilich äußerte Rangnick auch Kritik am Defensivverhalten und zwischen den Zeilen auch am Trainer. Angesprochen darauf, ob die Mannschaft die Taktik nicht umsetzen könne oder ob die Taktik die falsche sei, antwortete Rangnick ausweichend. „Wir können nur das analysieren, was wir jetzt von außen betrachtet sehen. Ich bin in solchen Situationen ein Freund davon, bei den Zahlen zu bleiben”, sagte Rangnick.

„14 Gegentore in drei wichtigen Spielen – da brauchst du noch nicht einmal Fußballfachmann zu sein, um zu sehen, wo der Hebel anzusetzen ist.” Nämlich am Defensivverhalten, RBLive berichtete am Sonntag darüber. Hasenhüttl steht als Fußballlehrer hingegen eher dafür, sein Heil in der Offensive zu suchen. Doch das ging zuletzt oft schief.

Ralph Hasenhüttl: „Das fühlt sich nicht gut an”

Bei der Pressekonferenz kurz darauf bejahte Hasenhüttl dann die Frage, ob sich die aktuelle Pleitenserie negativ auf die Vertragsgespräche auswirken könne: „Ja, das müssen sie ja”, sagte der 50-Jährige bitter lächelnd. Und: „Das ist auch für mich neu, in vier Spielen 15 Tore zu kassieren. Das habe ich auch noch nicht erlebt. Das ist nicht schön und fühlt sich nicht gut an. Aber ich kann versprechen, auch das Problem werden wir angehen, und wie so viele in diesem Jahr versuchen, auch das Problem zu lösen.”

Sicher hat auch Hasenhüttl in den vergangenen Monaten nicht jede Entscheidung richtig getroffen. Auch die Mitteldeutsche Zeitung hatte den Trainer in konkreten Dingen kritisiert, was intern für Verstimmungen sorgte. Doch noch nach den Siegen gegen Bayern München und Hannover standen die Zeichen Anfang April eindeutig auf Vertragsverlängerung. Hasenhüttl gab nach monatelangem Zaudern das Signal, in Leipzig bleiben und die Mannschaft weiter formen zu wollen, was auch Rangnick wohlwollend zur Kenntnis nahm.

Das hörte sich dann auch am Sonntagnachmittag wieder so an. Dem Kicker gegenüber klang Hasenhüttl zuversichtlich, dass die ungünstige Schwächephase keine langfristigen Auswirkungen hat. „Ich spüre innerhalb des Vereins sehr viel Vertrauen, man sollte unsere Arbeit nicht über die letzten zwei Wochen definieren, sondern über die letzten zwei Jahre“, so der RB-Coach. Er habe dem Verein signalisiert, dass er bleiben will. „Daran hat sich nichts geändert. Der Verein muss entscheiden, in welche Richtung es gehen soll.“

Rangnick über Hasenhüttl: „100-prozentig zufrieden”

Nach dem 3:2 in Hannover hatte Rangnick gesagt: „Wir sind mit seiner Arbeit 100-prozentig zufrieden.“ Und zur Vertragsverlängerung: „Da gibt es Punkte, die besprochen werden müssen. Wie ist der weitere Weg? Wie steht es um den aktuellen Kader? Da hängt das eine oder andere auch davon ab, wie wir am Saisonende abschneiden.“

In den Verhandlungen wird es natürlich auch um die grundsätzliche Ausrichtung und taktische Einstellung der Mannschaft gehen sowie Hasenhüttls Bereitschaft zu Kompromissen und zur Reflektion. Und natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass die beiden Alpha-Tiere Hasenhüttl und Rangnick nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Doch Stand jetzt – vorausgesetzt, der Trainer stoppt die Gegentoreflut in den letzten drei Spielen – ist das Ergebnis der Gespräche völlig offen. Auch in Anbetracht von Hasenhüttls Leistungen in den vergangenen knapp zwei Jahren eher mit einer Tendenz zur Verlängerung des Kontrakts. Die Schlagzeile „Hasenhüttl droht Leipzig-Aus” klingt angesichts der Faktenlage reichlich verwegen.