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Überraschungskapitän: Warum Kaiser beim Abschied die Binde trug

Das 4:1 (2:0) von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg war der emotionale Heimspiel-Abschied von Dominik Kaiser. Doch Kaisers 171. Einsatz im RB-Trikot war nicht nur Folklore. Deswegen ernannte Ralph Hasenhüttl ihn sogar zum Kapitän – kurzfristig.

Am Ende des emotionalen Abends trug Dominik Kaiser ein Torwarttrikot, was ihm Ersatzkeeper Yvon Mvogo zugesteckt hatte. Seine eigenes hatte er wohl irgendwo in der Menge einem Fan überlassen. Die beiden hünenhaften Innenverteidiger Ibrahima Konaté und Dayot Upamecano hatten den 1,71 Meter kleinen Kaiser vor dem Fanblock auf Händen getragen.

Zuvor bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss war Kaiser mit Sprechchören gefeiert worden. Alle Mitspieler – auch Torhüter Peter Gulacsi kam aus seinem Kasten gelaufen – drückten den langjährigen Kapitän bei seinem letzten Bundesliga-Heimspiel noch auf dem Spielfeld. Trainer Ralph Hasenhüttl verdrückte ob der Reaktion der Fans und der Spieler sogar ein paar Tränen am Spielfeldrand.

Doch Kaisers 171. Einsatz für RB war nicht nur Folklore. „Er war dabei ein belebender Faktor für uns, was die Mentalität angeht”, erklärte der Chefcoach. „Er bringt sehr viel positive Energie in die Mannschaft, weil er ein sehr gutes Standing im Stadion hat. Ich ziehe alle Hüte vor ihm, die ich habe.”

Hasenhüttl: Kapitänsbinde als „Zeichen des Respekts”

Deswegen war es Hasenhüttl wichtig, dem scheidenden 29-Jährigen nach fast sechs Jahren im RB-Trikot zum Abschluss noch einmal die Kapitänsbinde zu geben. Das entschied Hasenhüttl erst kurz vor Anpfiff, auf dem Spielberichtsbogen war bereits Diego Demme als Spielführer eingetragen. „Wir haben das in der Trainerkabine entschieden, aber da war die Aufstellung schon raus”, berichtete Hasenhüttl. Mit Zustimmung der Wolfsburger wurde das noch einmal geändert. „Ich habe ihn zum Kapitän gemacht, um ein Zeichen des Respekts zu setzen. Das hat er mit einer sehr guten Leistung als Führungspersönlichkeit zurückgezahlt”, lobte Hasenhüttl.

Kaiser selbst war gerührt und beeindruckt ob der emotionalen Verabschiedung: „Es hat einfach gutgetan, auf dem Feld zu stehen. So von den Kollegen verabschiedet zu werden, war etwas Besonderes.”

Dominik Kaiser: „Keine Glanzleistung, aber als Team gut”

Was sein Spiel und das der Mannschaft angeht, war Kaiser gewohnt realistisch: „Es war keine Glanzleistung heute. Aber wir haben als Team heute einen guten Job gemacht. Jeder einzelne hat seine Aufgaben nicht überragend, aber gut erfüllt.” Der Spielführer analysierte: „Wir haben uns diesmal von dem Rückschlag Anfang der zweiten Hälfte nicht beirren lassen, sondern mit klarem Kopf nach vorn gespielt und die Fehler von Wolfsburg eiskalt ausgenutzt.”

Keeper Peter Gulacsi sah Kaisers Leistung euphorischer und forderte einen weiteren Einsatz von Kaiser. Der Ungar sagte: „Was er heute geleistet hat, war überragend. Vielleicht war es nicht sein Abschiedsspiel heute. Wenn man so spielt, hat man auch nächste Woche die Chance, in der Startelf zu sein.”