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„Wieder gefürchtet werden”: Rangnicks Ziele und Motive für den Trainerjob

Einen Satz hat Ralf Rangnick bei seiner Präsentation als Chefcoach für die kommende Saison zur Sicherheit gleich zweimal gesagt. „Wir wollen wieder für unser Spiel gefürchtet werden”, betonte Rangnick. Das darf man getrost als Leitmotiv für Rangnicks einjährige Amtzeit bei RB Leipzig betrachten. Von Ullrich Kroemer.

Zurück zur reinen Rangnick-Lehre

Auf konkrete Saisonziele mochte sich Rangnick bei der Pressekonferenz am Montagmittag, auf der er als neuer, alter Cheftrainer vorgestellt wurde, nicht festnageln lassen. „Der Weg ist das Ziel, dass wir uns in den relevanten Bereichen des Spiels weiterentwickeln”, sagte er. „Ob das am Ende zu Platz vier, fünf oder sechs langt, werden wir sehen.”

Zwar gab Rangnick zu: „Wir würden schon lieber Champions League spielen als Europa League. Ist doch logisch. Wenn man ehrlich ist, war es auch nicht so, dass wir nach dem letzten Spieltag gesagt haben. Wow, was für eine Saison.” Doch wichtiger als konkrete Saisonvorgaben ist es dem 60-Jährigen, dass die Mannschaft wieder zurück zum Rangnick-Fußball findet, der reinen Lehre.

Punkteschnitt von 1,9 angepeilt

Um die Ziele zu erreichen, so der künftige Chefcoach, müsse der Punkteschnitt dringend wieder angehoben werden. Der war in der vergangenen Saison von 1,97 auf 1,56 Zähler im Schnitt gesunken. „Wenn du nächstes Jahr Dritter werden willst, brauchst du wahrscheinlich eher 1,8 und 1,9 Punkte im Schnitt”, so der neue Trainer.

Dafür gab Rangnick als konkrete Zielstellungen aus, die Zahl der Gegentore zu minimieren, die Standards wieder effektiver zu machen – in der Verteidigung ebenso wie offensiv – und das Pressing-Gegenpressing-Spiel wieder zu forcieren. Auch taktische Umstellungen der Grundordnung prüft der Schwabe. „Ich möchte eine Dreierkette nicht ausschließen”, so der Sportdirektor und Chefcoach. „Wir müssen im Tagesgeschäft in all diesen Bereichen daran arbeiten, dass wir auch in diesen Bereichen eine Spitzenmannschaft werden”, sagte Rangnick.

„Gegen den Ball das Beste in Europa”

Dabei fühlt sich Rangnick auch vom Verlauf der Weltmeisterschaft bestätigt, bei der alle Teams mit viel Ballbesitz früh ausgeschieden sind. „Wir fühlen uns dazu aufgefordert, unsere Elemente wieder zu richtigen Waffen zu machen, dass wir in der kommenden Saison eine Mannschaft sind, die in diesen Bereichen auf sich aufmerksam macht.”

Rangnick zitierte er seinen künftigen Trainer Julian Nagelsmann. Der hatte nach dem 2:1-Erfolg der Leipziger in der Saison 2016/17 gesagt, dass Hoffenheim „gegen den Ball das Beste ist, was es in Europa gibt”. Rangnicks Kommentar dazu: „Das hat in der vergangenen Saison niemand über uns gesagt. Da wollen wir wieder hin.”

Rangnick: „Verantwortung gegenüber Klub, Spielern, Verantwortlichen, Fans”

Persönlich zeigte sich Rangnick hochmotiviert für die neue, alte Aufgabe. „Ich fühle mich top, auch energetisch richtig klasse. Ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht!“, sagte Rangnick und erklärte seine Amtsübernahme: „Das ist wie vor drei Jahren, es geht um Verantwortung gegenüber Klub, Spielern, Verantwortlichen und Fans.”

Wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag wirkte der Workaholic ausgeruht und tatendurstig. „Es wird immer wichtiger, sich komplett auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und die hervorzustellen. Darauf freue ich mich zu allererst, ebenso wie die Zusammenarbeit mit einem tollen Staff. Wenn wir die Aufgaben gut verteilen und jeder sich wichtig und wahrgenommen fühlt, dann haben wir viel geschafft.“