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Nagelsmann-Deal mit RB Leipzig ist ein Novum in der Bundesliga

RB Leipzig hat mit Julian Nagelsmann einen der begehrtesten Trainer Europas verpflichten können und für diese Wunschlösung Ralf Rangnick zum Übergangstrainer gemacht. Eine solch langfristige Planung wurde zuvor noch nie offen kommuniziert.

Julian Nagelsmann: Klarheit statt „lame duck“

Als das letzte Mal ein Bundesligatrainer unter viel Getöse in ein letztes Vertragsjahr ging, ohne zu verlängern, hieß der Trainer Pep Guardiola und der Verein FC Bayern München. Dass Julian Nagelsmann in Hoffenheim keine „lame duck“ zu werden droht, liegt auch an einem Novum. Im Gegensatz zu Guardiolas Zukunft vor drei Jahren ist die von Nagelsmann längst geklärt, bohrende Nachfragen werden niemanden ablenken.

Keine Fragen zugelassen

Und seitens RB Leipzig wird man diese auch von vornherein nicht beantworten. „Julian Nagelsmann hat noch ein Jahr Vertrag in Hoffenheim. Es gebührt dem Respekt, dass wir keine Fragen zu seiner Person beantworten, bis er bei uns Trainer ist“, stellte Oliver Mintzlaff am Montag klar. Noch nie hatte ein Trainer der Bundesliga ein Jahr vor Amtsantritt seinen neuen Verein bekannt gegeben. Huub Stevens (zur Hertha) und Jürgen Klinsmann (zu den Bayern) hatten jeweils ein halbes Jahr vorab Klarheit geschaffen. Erich Ribbeck verkündete sein Ausscheiden bei Bayer Leverkusen zwar zum Saisonstart, aber hatte keinen neuen Club. Und gewann am Ende 1988 den UEFA-Cup.

Ralf Rangnick: „RB Leipzig ist hochinteressant geworden für solche Trainer“

Zu dieser Konstellation führte zum einen die Überzeugungskraft von Ralf Rangnick und der gute Kontakt zu Nagelsmann, den der RB-Sportdirektor noch in Hoffenheim kennenlernte. Und nicht zuletzt zählt Nagelsmann fachlich zu den Besten in Europa. „Wir kriegen einen der interessantesten und spannendsten Trainer in Europa. Dass einige andere es versucht haben zeigt: Wir sind für solche Trainer ein hochinteressanter Club geworden“, führte Rangnick nicht ohne Stolz aus. Als seinen Nachfolger wollte er niemanden anderen, auch wenn es nicht ganz einfach war, ihn zu bekommen. „Wir haben einige Wochen mit ihm Gespräche geführt, aber uns nie mit einem anderen Trainer beschäftigt“, so Rangnick über die 1a-Lösung, über die so lange spekuliert worden war.

Bekommt Nagelsmann die Champions League?

Dem will der Trainer und Sportdirektor in Doppelfunktion natürlich eine Mannschaft im internationalen Geschäft übergeben. „Klar ist, wir wollen so viel wie möglich aus der Saison holen.“ Das wird nicht ohne weiteres passieren, es wartet eine lange Saison mit der Europa-League-Qualifikation. Gut, dass der neue alte RB-Coach dabei auf besondere Erfahrungen verweisen kann: In seiner ersten Amtszeit bei Schalke musste er bereits durch Europa touren. Sogar mit Station auch beim FK Liepaja. „Wir haben es gut gemeistert damals“, erinnert er sich, „waren im DFB-Pokalfinale und am Ende Vizemeister in der Liga.“

Für die kommende Saison gelten daher auch wieder neue Ansprüche: „Wir würden schon lieber Champions League spielen als Europa-League-Quali, ist doch logisch. Wenn man ehrlich ist, war es nicht so, dass wir nach dem letzten Spieltag gesagt haben: ‚Wow, was für eine Saison!'“ Auf dem Papier beste Voraussetzungen, dass er seinem Nachfolger das Feld bestellen kann. Zumal Jesse Marsch möglichst auch über die Saison hinaus im Trainerstab verbleiben soll.