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Erbfolgestreit in der Wallachei: Wer ist RB Leipzigs Gegner wirklich?

„Große Liebe“: Craiova gegen den FC Bayern. Foto: Imago.

Offiziell spielt RB Leipzig Donnerstag frühen Abend (18.30 Uhr) gegen den rumänischen Club Sportiv Universitatea Craiova. Stimmt das aber auch?

Am Kopf kratzen muss man sich ja eigentlich nicht. Es steht doch überall. Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde für die Europa League in der Red Bull Arena: RB gegen Craiova. Klar soweit.

Im Viertelfinale gegen die Bayern

Nur, sind das auch die Rumänen, die in der Vergangenheit vier Meisterschaften gewannen, sechs Mal Pokalsieger wurden, bis dato 16 Mal im Europapokal vertreten waren, einmal davon sogar im Halbfinale des Uefa Cups standen (1982/1983) und ein Jahr zuvor im Pokal der Landesmeister erst im Viertelfinale am FC Bayern scheiterten? Nein, sagte Ende Juni ein Berufungsgericht in Temeswar, sind sie nicht!

Wer aber dann? Dem Namen nach gleichen die Gegner der Sachsen dem CS U Craiova, gegründet 1948 von Studenten und Professoren, bis auf den letzten Buchstaben. Aber mit dem Ende des Ostblocks ging auch in Rumäniens Fußball einiges den Bach runter, so auch mit dem CS U, weshalb unklar ist, wer eigentlich das Erbe des früheren Klubs verwaltet. Der Club Sportiv, neugegründet 2013? Oder der Fotbal Club Craiova 1948 SA, der in direkter Nachfolge den Platz in der 1. Liga einnahm, als der CS U 1991 verblich.

Bis 2011 schlug sich der FC U als Erbe wacker, dann aber nahm auch ihn die rumänische Wirklichkeit von der Bildfläche. Ein Rechtsstreit um die Ansprüche des entlassenen Trainers Victor Piturca focht der Club zivilrechtlich aus. Der rumänische Fußballverband bestand allerdings darauf, selbst dafür zuständig zu sein. Die Funktionäre des FC U zeigten sich dickköpfig, der Verband mächtig, er entzog den Widerständlern kurzerhand die Lizenz.

Wiederausferstehung 2013

Die Erbfrage war damit zwar einwandfrei gelöst, weil es keinen mehr gab, der sie stellte. 2013 aber erhob sich der CS U aus seinem Grab, und auch der FC U erzwang seine Wiedergeburt vor Gerichten, was freilich von kurzer Dauer war, weil er Insolvenz anmelden musste. Doch mit dem FC U Craiova 1948 entstand im Handumdrehen ein Nachfolger.

Seitdem gibt es zwei Vereine in der größten Stadt der „kleinen Wallachei“, die die Geschichte des einen Vorgängers für sich beanspruchen. Sie streiten heftig, ziehen vor Gerichte und beharken sich, wo sie nur können. Auch Craiovas Fans, vormals zusammen stolz, nicht aus Bukarest zu sein und trotzdem großen Fußball aufführen zu können, sind heillos zerstritten.

Es kann aber nur einen Erben geben. Rumäniens Ligaverband hat deshalb entschieden: Das ist der CSU, der spielt immerhin recht erfolgreich in der 1. Liga, der FCU hingegen nur in Liga III. Um zu vermeiden, dass den FClern nach der Entsscheidung nicht die Messer in in den Taschen aufgingen, überließ man ihnen allerdings den Pokalsieg von 1993. Den hatten sie ja schließlich rechtschaffend selbst gewonnen.

Heilloser Erbfolgestreit

Nur ist es zwischen Großzügigkeit und Demütigung ein schmaler Grat, weshalb der Erbfolgestreit mitnichten gelöst, sondern neu entflammt ist. Der Oberste Gerichtshof hat dem CSU den Nachlass der früheren Universitatea-Generationen zugesprochen. Das Berufungsgericht hob das Urteil nun wieder auf, legte das Erbe aber auch nicht dem FC U Craiova 1948 in die Hände, sondern wies daraufhin, dass die Ansprüche beim FC U Craiova SA lägen. Nur wäre der ja leider insolvent.

Es ist heillos! In Bezug auf das Spiel am Donnerstag allerdings dann doch leicht zu lösen. RB trifft Donnerstagabend auf den aktuell Zehnten der rumänischen Liga, der im Mai das Pokalfinale gegen Hermannstadt gewann und seinem Namen nach an die zwei Goldenen Generationen „Craiova Maxima“ (Achtziger Jahre) und „Große Liebe“ (Siebziger Jahre) erinnert. Ob er aber auch in direkter Erbfolge steht, muss sich erst noch zeigen.