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Ralf Rangnick über sein pubertierendes Ex-Trainerteam und den Job des Nationaltrainers

Ralf Rangnick (Foto: imago).

Ralf Rangnick (Foto: imago).

Ralf Rangnick würde einen Posten als deutscher Nationaltrainer nicht grundsätzliche ausschließen. Das erklärt der Trainer von RB Leipzig im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Print).

„Ich glaube, es gibt keinen Trainer in Deutschland, der generell sagen würde: Dieser Job kommt für mich gar nicht infrage.“ Allerdings „stellt sich die Frage derzeit nicht“. Vielmehr stehe im Mittelpunkt, „mit Leipzig eine geile Saison zu spielen“.

Papa Ralf Rangnick redet mit pubertierendem Ex-Trainerteam

Nicht ganz so „geil“ war für Ralf Rangnick insgesamt die letzte Saison. Vor allem in Bezug auf die Entwicklung der Spielidee gab es zwischen Sportdirektor und ehemaligem Trainerteam unterschiedliche Ansichten. Darüber habe es auch „Gespräche“ gegeben.

„Ich konnte verstehen, dass der Trainerstab sagte: Ralf, vertraue uns! Zsolt Löw hatte mir mal erklärt: Du bist für uns alle wie der Papa, und wir sind jetzt die pubertierenden Kinder, die selber was ausprobieren und einen eigenen Weg finden wollen.“ Das habe er zugelassen, auch weil RB Leipzig zu dem Zeitpunkt des Gesprächs in der Bundesliga erfolgreich gewesen sei.

Als man in den folgenden 19 Spielen bis zum 32. Spieltag aber nur 21 Punkte holte, habe Rangnick noch mal mit Co-Trainer Zsolt Löw gesprochen und ihm erklärt: „Über ein paar Punkte sollten wir jetzt schon noch mal diskutieren. Ich habe gefragt: Habt ihr euch beim Pubertieren vielleicht doch ein paar blaue Augen geholt oder ein paar Zigaretten zu viel geraucht? (lacht) Sind wir nicht doch ein Stück zu weit vom Weg abgekommen?“

Ralf Rangnick will Spiel gegen den Ball, Standards und Kameradschaft stärken

Entsprechend gehe es nun unter dem neuen Trainer Ralf Rangnick darum, wieder mehr Tempo und Tiefgang in das Spiel zu bringen. „Ballbesitz als Selbstzweck kannst du vergessen! Wir sollten uns daran erinnern, was uns ausgezeichnet hat – vor allem im Spiel gegen den Ball.“ Auch Standards seien ein Bereich mit elementarem Verbesserungspotenzial.

Wichtig sei dabei für die kommende Saison auch, dass man wieder auf „Zusammenhalt“ und „Kameradschaft“ baut. „Diese junge Generation braucht manchmal Fürsorge und, kitschig gesagt, Liebe – aber sie braucht vor allem klare Ansagen. Und bei Fehlverhalten muss es auch mal scheppern und Konsequenzen geben“, macht Ralf Rangnick deutlich, dass er die Zügel fester anziehen will.

Bayern soll Sebastian Rudy herausrücken

Dass der RB-Macher nicht nur mit jungen Spielern arbeiten würde, zeigt das Interesse an Sebastian Rudy. Allerdings ist derzeit unklar, ob Rudy zu RB Leipzig will und inwiefern der Transfer für RB wirtschaftlich machbar ist. Die Bayern würden den Mittelfeldmann aufgrund des Überangebots im Mittelfeld auch ziehen lassen.

Als „kaum darstellbar“ sieht Ralf Rangnick den Transfer aufgrund seiner wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an. Allerdings hat er eine ungewöhnliche Idee für die Realisierung des Wechsels. „Sie können ja Uli Hoeneß gerne daran erinnern, was er uns empfohlen hat, und dass er uns den Spieler gerne geben darf“, verweist Rangnick „mit Augenzwinkern“ darauf, dass der Bayern-Manager einst erklärte, dass RB nicht nur mit jungen Spielern erfolgreich sein kann. Auch Karl-Heinz Rummenigge habe sich doch mehr Spannung in der deutschen Liga gewünscht und könnte dazu doch auch mit einer Wechselunterstützung beitragen.

RB Leipzig im Duell mit den Bayern nur mit geringen Chancen

Wenig Chancen sieht Rangnick für das direkte, sportliche Duell mit den Bayern. Nur in Ausnahmefällen sei es mal möglich mit dem Rekordmeister zu konkurrieren. Das liege einfach schon an den wirtschaftlichen Voraussetzungen. Generell müsse die Bundesliga aufpassen, nicht abgehängt zu werden.

„Wer mitmachen will im Konzert der Großen, darf nicht Lichtjahre von den Spielregeln des internationalen Marktes entfernt sein. Denn dann darfst du dich nicht darüber beklagen, wenn die Stars gehen“, sieht Rangnick ein Problem für die deutsche Liga.

Deshalb solle auch jeder Verein selbst entscheiden dürfen, ob er die 50+1-Regel erfüllt und wie er sich finanziert. „Wir wollen doch, glaube ich, als Land und als Liga grundsätzlich wettbewerbsfähig bleiben. Und womöglich würde das auch dazu führen, dass einzelne Vereine die Lücke zu den Bayern verkleinern könnten.“