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Augustin-Absage bei der Nationalelf: Frankreich schaltet die FIFA ein

Jean-Kevin Augustin vor zwei Jahren mit der französischen U21. Foto: imago

Jean-Kevin Augustin vor zwei Jahren mit der französischen U21. Foto: imago

Eigentlich sollte Jean-Kevin Augustin in der Länderspielwoche unterwegs sein zur französischen U21. Stattdessen blieb er in Leipzig, sehr zum Unbehagen seines Nationaltrainers. Von RB bekam er Unterstützung für seine Entscheidung. Der französische Verband will nun die FIFA einschalten

Jean-Kevin Augustin erscheint nicht bei der U21

Mit Sylvain Ripoll hatte „JK“ schon früher so seine Probleme. Nach einem Kabinendisput flog Augustin damals aus der Mannschaft und es brauchte ein paar Gespräche, ehe der hochveranlagte Kicker wieder in die U-21 zurückkehren durfte. Diesmal sagte der RB-Torjäger selbst ab und strich sich für die beiden Spiele gegen Bulgarien (7.9.) und Luxemburg (11.9.) mit Verweis auf muskuläre Ermüdungserscheinungen aus dem Kader. Auf Instagram ließ er seine Follower wissen, dass er sich am „Trainingszentrum der Roten Bullen“ befindet.

Lieber RB Leipzig mit Rangnick statt Nationalelf mit Ripoll?

„Das sind keine akzeptablen Entschuldigungen und sie passen nicht zum Spirit, den ich in der Mannschaft sehen will“, sagte daraufhin der französische U21-Coach. Und weiter: „Ich will nur mit denen arbeiten, die auch hier sein wollen.“

Ralf Rangnick steht auf der Seite von Jean-Kevin Augustin

Unterstützung bekommt Jean-Kevin Augustin allerdings von Ralf Rangnick. „Wir stehen voll hinter der Entscheidung von Augustin, die Maßnahme mit der französischen Nationalmannschaft abzusagen“, lässt der Trainer von RB Leipzig in einer Mitteilung wissen.

„Wenn sich ein Spieler nach den zahlreichen Spielen, die wir in dieser Saison bereits hatten, müde und verletzungsanfällig fühlt und es dann konsequent so entscheidet, ist das absolut nachvollziehbar und vernünftig“, ließ er ausrichten und stärkte damit seinem bisher treffsichersten Stürmer den Rücken.

Didier Deschamps versteht Augustin-Absage nicht

Eingemischt in den Streit um die Absage von Jean-Kevin Augustin hat sich auch Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps, der von U21-Trainer Sylvain Ripoll über den Vorfall informiert wurde. „Das ist eine unfassbare Situation. Zumal es ja schon mal einen Vorfall gab. Das ist unmöglich“, zeigte sich Deschamps wenig erfreut.

Jean-Kevin Augustin verwischt Eindruck einer leichtfertigen Absage

Jean-Kevin Augustin warb dabei via Instagram um Verständnis für seine Entscheidung. Die habe er in Absprache mit seinem Verein im Sinne seiner „körperlichen Unversehrtheit“ getroffen. Das sei eine Entscheidung gewesen, die er unter Berücksichtigung verschiedenster Parameter habe treffen müssen.

Eine Einladung zum Nationalteam schlage man nicht „leichter Hand aus, wie man bei den verwendeten Begriffen ‚verweigern‘ oder ‚ablehnen‘ denken könnte“, so der Stürmer. Er bedaure es, dass die besonderen Umstände dazu geführt hätten, die Ehre der Einladung nicht annehmen zu können.

 

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Französischer Verband will FIFA einschalten

Eine neue Runde im Streit zwischen dem französischen Verband und Jean-Kevin Augustin löste offenbar der Einsatz des Stürmers beim RB-Testspiel gegen Zaglebie Lubin aus. Laut Le Parisien hat der französische Fußballverband den Fall bereits am letzten Freitag der FIFA übergeben.

Er beruft sich dabei auf Regularien des Weltverbandes, wonach Vereine an Fifa- oder Uefa-Spieltagen ihre Profis an die Nationalteams abstellen müssen. Entsprechende Regularien gibt es aber nach RB-Auffassung nur für A-Nationalmannschaften. In Deutschland regelt ein Vertrag zwischen DFB und DFL, dass die Profiklubs ihre Spieler auch für Maßnahmen der Nachwuchsnationalmannschaften abzustellen. Entsprechende Passagen gibt es im internationalen Regelwerk nicht.

FIFA muss entscheiden, wie Abstellungen für U-Nationalmannschaften geregelt werden

Trotzdem wünscht sich der französische Fußballverband vom Disziplinarausschuss der FIFA die Klärung des Falls und verweist auf ein FIFA-Rundschreiben von 2015, durch das man sich in Recht sieht und der RB-Auffassung widerspricht. „Es ist inakzeptabel, dass ein ein sehr guter Spieler wie Jean-Kevin Augustin eine Nominierung ablehnen kann. Die FIFA muss reagieren oder das ist das Ende der Nachwuchsnationalmannschaften.“

Theoretisch möglich sind im Fall Augustin sowohl eine Geldstrafe als auch eine Spielsperre für den Verein. Das wird auch davon abhängen, welche Rechtsauffassung sich durchsetzt. Ob Augustin nach seiner Absage in der nächsten Länderspielpause erneut in die U21 Frankreichs berufen wird, ist noch unklar.