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Auf einer Podiumsdiskussionen im Theater der Jungen Welt setzte sich ein Rasenballisten-Vertreter auch kritisch mit Äußerungen von Ralf Rangnick auseinander. (Foto: TdJW)

Auf einer Podiumsdiskussionen im Theater der Jungen Welt setzte sich ein Rasenballisten-Vertreter auch kritisch mit Äußerungen von Ralf Rangnick auseinander. (Foto: TdJW)

„Ganz schwach”: Rasenballisten kritisieren unpolitischen Kurs von RB Leipzig

Ein führendes Mitglied der RB-Fangruppierung Rasenballisten hat öffentlich die politische (Nicht-)Haltung der Klubführung von RB Leipzig und die jüngsten Aussagen von Ralf Rangnick kritisiert. Von Ullrich Kroemer.

Bei einer von den Rasenballisten und dem Theater der Jungen Welt (TdJW) organisierten Diskussion auf der Theaterbühne hat sich Podiumsgast Nikolas D., ein Vertreter der ultraaffinen Leipziger Fangruppierung, für mehr politische und gesellschaftliche Haltung bei RB Leipzig ausgesprochen.

Aktuelle Aussagen von Sportdirektor Ralf Rangnick, wonach Fußball „eine unpolitische Rolle einnehmen” müsse, nannte D. „ganz, ganz schwach. Es ist auch bei uns im Stadion nicht selbstverständlich, dass es einen antidiskriminierenden und antirassistischen Konsens gibt”, sagte er. Vielmehr gebe es auch bei RB Leipzig Probleme mit teils gewaltbereitem Klientel vom rechten Rand der Gesellschaft. „Die sind ernst zu nehmen”, betonte D. Damit sich die Situation nicht erschwere, müssten alle mitarbeiten. „Auch der Verein und andere Institutionen sind gefordert, dagegen etwas zu unternehmen”, so der Rasenballsport-Fan.

„Mühsamer Kampf für Werte” mit RB Leipzig

Doch in der Kommunikation mit der Leipziger Klubführung sei es „ein mühsamer Kampf, immer wieder zu betonen, wie wichtig diese Werte sind”, kritisierte Nikolas D.: „Bei RB hat man häufig das Gefühl, dass sich der Klub eine ganz weiße Weste anziehen will, die von keiner Seite befleckt werden soll. Man möchte gar niemandem auf den Schlips treten.”

Als ein Beispiel nannte er, dass RB Leipzig 2015 keine Banner gegen den Leipziger Pegida-Ableger Legida genehmigte, gegen den damals etwa 45.000 Leipziger demonstrierten. „Als wir 2015 ein ganz klares Signal gegen Legida senden wollten, hat der Verein unsere Spruchbänder verboten”, so D. Es gebe „mittlerweile eine unendlich lange Liste an Repressionen und Verboten, die der Verein uns da entgegenschmettert”. Auch Äußerungen, die mit der Stadionordnung konform gehen, dürften teils nicht gezeigt werden.

Aussagen wie die aktuelle von Rangnick stürzten das durch die Arbeit der Rasenballisten aufgebaute „Kartenhaus sehr oft ein”. Doch der Rasenballisten-Sprecher betonte: „Wir bauen das jedes Mal wieder auf, und werden das auch weiterhin tun.”

Rasenballisten spenden Einnahmen für Initiative Chemnitz nazifrei

Während RB Leipzig zu gesellschaftlichen Zäsuren, wie sie sich in diesen Wochen ein paar Kilometer weiter in Chemnitz ereigenen, schweigt, beziehen die Rasenballisten Position. „Die Vorfälle in Chemnitz machen uns wütend, betroffen und sehr traurig. Da wir Netzwerke haben und Menschen erreichen können, ist es für uns logisch, dass wir uns äußern. Denn das was dort gerade passiert, ist definitiv nicht richtig”, sagte D.

Um zu helfen, spendet die Gruppierung die kompletten Einnahmen ihres Fanstands beim Spiel gegen Hannover 96 an diesem Samstag, an die Initiative Chemnitz nazifrei. „Das ist für uns eine Möglichkeit, ein Signal zu senden und klar Stellung zu beziehen”, erklärte D.

Auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung hatte der Verein im Frühjahr mitgeteilt: „RB Leipzig tritt rassistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie anderen diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen. Diese Haltung wird durch diverse Projekte und Engagements zum Ausdruck gebracht.“ Kurz zuvor war ein Testspiel gegen den Regionalligisten SV Babelsberg 03 abgesagt worden, das unter Flagge der Babelsberger Kampagne „Nazis raus aus den Stadien” stehen sollte. Aus „terminlichen und organisatorischen Gründen”, wie es offiziell hieß.