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Kevin Kampl: „Uns war bewusst, dass wir Druck hatten“

Kevin Kampl feierte mit RB Leipzig einen 3:2-Sieg über Hannover 96. Foto: imago

Kevin Kampl feierte mit RB Leipzig einen 3:2-Sieg über Hannover 96. Foto: imago

Am Sonntag saß Kevin Kampl als Gast im „Doppelpass“ bei Sport1. Nach dem Sieg gegen Hannover 96 äußerte er sich erleichtert zur Partie und dem Leistungsanstieg der Mannschaft.

Sieg gegen Hannover 96 mit wichtigen Punkten

Die RB-Abwehr sah auch gegen Hannover manchmal alt aus. Wie beim Ausgleich, als Willi Orban ins Leere grätscht und Stefan Ilsanker den Ball im Strafraum per Oberschenkel nicht geklärt bekam. „Den muss man einfach klären, manchmal fehlt die Entschlossenheit. Da haben wir Probleme, unser eigenes Tor zu verteidigen“, erkannte Kampl. Und forderte, einen großen Schritt zuzulegen. „Das brauchst du in der Bundesliga, die vermeintlich Kleinen legen auch zu“, so der 27-Jährige.

Kevin Kampl: Ein Punkt aus zwei Spielen war zuwenig

Aber am Ende funktionierte die Taktik am Wochenende. „Wir hatten bewusst weniger Ballbesitz und haben auf Konter gelauert. Genau so haben wir die drei Tore geschossen. Wir wussten, dass sie spielen wollen. Aber wir haben unser Pressing gespielt“, freute sich Kampl. Das Wichtigste sei der Sieg, da sind ihm die Gegentore nun auch egal. „Jeder hat gesehen, dass wir den absoluten Willen hatten. Uns war ja bewusst, dass wir Druck haben. Wir hatten einen Punkt geholt, das ist zu wenig für uns. Wir haben uns in der Kabine gefreut wie kleine Kinder.“

Kampl als Freistoßschütze?

Im Spiel von Hertha BSC gegen den VfL Wolfsbug gelang Duda ein freches Tor per Freistoß, indem er den Ball unter der Mauer durchsteckte. Nichts für Kevin Kampl, erklärte er. „Ich schlenze eher über die Mauer. Wenn du weißt, dass die hochspringt, sieht’s gut aus. Wenn nicht, kannst du aber auch in einen Konter laufen“, so Kampl über den Freistoß des Herthaners. Wer solche Freistöße tritt, sei schwer auszurechnen, der Torwart meist machtlos. Ob er selbst auch mal schießen würde? „Ralf Rangnick hätte sicher nichts gesagt, wenn ich das mal so probiere. Aber ich komme nicht in die Situation, weil Emil Forsberg übernimmt.“

RB Leipzig bekommt noch immer zu viele Gegentore

In der letzten Saison habe man vor allem bei Standards zu viele Gegentore bekommen. Das sei besser geworden, findet Kevin Kampl. Zu Beginn dieser Saison bekam die Mannschaft mehr Probleme mit der Restfeldverteidigung und lief in gegnerische Konter. Auch gegen Hannover bekam RB wieder zwei Gegentore. „Wir müssen lernen, abgezockter zu sein. Wir führen, schenken den Vorsprung aber wieder her und müssen dann anrennen“, ärgerte sich Kampl über den hohen Aufwand. Und weiter: „Wir haben enorm gute Fußballer, brutale Qualität. Aber wir müssen mal wieder zu Null spielen und dazu defensiv als Einheit auf dem Platz besser verteidigen.“

Rangnick vor ähnlichen Problemen wie Hasenhüttl

Wie im letzten Jahr ist es schwer, die Abläufe für das intensive Pressing in englischen Wochen gut einzustudieren. „Wenn wir die Zeit dazu haben, trainieren wir so etwas natürlich“, so Kampl über die Trainingsarbeit. Das war auch in der Länderspielpause nicht ganz einfach, denn er selbst war mit Slowenien unterwegs, wo er auch noch ordentlich was auf den Knöchel bekam. Und groß ist auch die Personaldecke nicht. „Das stimmt schon, wir haben sehr engen Kader für drei Wettbewerbe“, erkannte Kampl. Ob es einen Plan B gebe? „Ja. Für den Winter“, verwies er auf die zwei Zugänge, die Leipzig nach der Hinrunde präsentieren will.

Vizekapitän im zweiten Jahr: Kampl übernimmt Verantwortung

Er selbst hat innerhalb von nur einem Jahr eine wichtige Rolle eingenommen. Sowohl durch seine Position, als auch sein Alter. So bekam er jetzt auch das Amt als Vizekapitän. „Das bedeutet mir schon viel. Wenn die Mannschaft dich wählt, obwohl du ein Jahr nur da bist. Da merkst du, dass du eine Führungsperson auf und neben dem Platz bist.“ Und das erfülle er gerne, auch im Rückblick auf seine eigene Karriere. „Wir haben junge Spieler, die brauchen etwas Hilfe. Ich kenne das selber, wenn mir jemand Tipps gegeben hat. Ich hab nicht die ganz große Erfahrung, aber ein bisschen habe ich. Das versuche ich weiterzugeben.“

Kampl will bei RB bescheiden bleiben

Angesichts des sehr jungen und zugleich kleinen Kaders versuchte Kampl den Druck auf RB Leipzig gering zu halten. „Man muss sich fragen, wo wollen wir als Verein hin. Jeder sagt, dass wir oben mitspielen. Aber wir tun gut daran, bescheiden zu bleiben. Wir wissen das als Verein, das vermittelt uns auch der Trainer. Von außen kommt nur der Blick auf das Geld.“ Aber gibt es nicht auch im Verein durchaus höhere Ziele? „Wir wollen das ja auch alle, wollen nach oben, Champions League spielen“, so Kampl. Aber die Philosophie sei nun mal, auf junge Spieler zu bauen. Ralf Rangnick ist nun dran zu beweisen, dass sich das nicht widerspricht.