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Deutliches Klub-Statement gegen Rassismus – RBL lud 250 Asylbewerber ein

Beim 6:0 am vergangenen Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg haben auch 250 Geflüchtete im Stadion mitgefeiert. RB Leipzig empfing nicht nur Kinder und deren Familien, sondern verbindet das nun mit einem deutlichen Statement gegen Rassismus, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit. Von Ullrich Kroemer.

RB hatte in Zusammenarbeit mit Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian und dessen Dezernat Familien, die in Leipzig als Asylsuchende leben, zum Spiel eingeladen. Das teilte der Klub auf RBLive-Anfrage mit. „Regelmäßig stellen wir Freikarten für Einrichtungen zur Verfügung, die Flüchtlinge betreuen”, sagt ein RB-Sprecher.

Der Bundesligist gebe zudem auch anderen Familien mit Kindern, „die sich den Eintritt zu unseren Spielen nicht oder nicht regelmäßig leisten können, immer wieder die Gelegenheit”, Spiele zu besuchen. „Wir wollten den Kindern eine Freude machen”, so ein Vereinssprecher zur Idee der Aktion.

RB Leipzig organisiert Trainer-Ausbildung für Geflüchtete mit

Die Initiative ist Teil des von der DFL-Stiftung organisierten Projekts „Willkommen im Fußball”, in dem RB seit 2015 Netzwerkorganisator ist. „In dem Projekt haben wir am Anfang versucht, Vereine zu gewinnen, in denen Geflüchtete mittrainieren durften oder Platzzeiten bekommen haben”, so der Klub. Mit den Fördergeldern dafür unterstützt das Bündnis, in dem auch andere Leipziger Vereine und Verbände Mitglied sind, engagierte Vereine mit Toren, Bälle und Trikots.

Bis Sommer 2017 leitete Klub-Repräsentant Perry Bräutigam einmal wöchentlich eine Trainingseinheit für unbegleitete, minderjährige Geflüchtete. Inzwischen liegt der Schwerpunkt auf der Trainerausbildung von Geflüchteten. „Mittlerweile haben wir einen eigenen Fördertopf für die Trainerlehrgänge bekommen”, betont ein RB-Sprecher.

RB Leipzig „tritt rassistischen, radikalen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entgegen”

Darüberhinaus verband Rasenballsport die Einladung der 250 Geflüchteten auch mit einem allgemeinen Statement zur politischen und gesellschaftlichen Haltung des Klubs. „RB Leipzig ist weltanschaulich, parteipolitisch und religiös neutral”, schreibt der Verein auf RBLive-Anfrage. „Der Club tritt rassistischen, radikalen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen und anderen diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen. Diese in den Statuten verankerte Haltung ist maßgeblich für jeden Anhänger des Clubs und wird durch unsere gelebten Werte sowie diverse Projekte und Engagements entsprechend zum Ausdruck gebracht.” So deutlich hatte sich RB zuvor nicht positioniert. Ein klares Signal auch an Fans, die diese Werte nicht teilen.

Vor einem Monat hatten Aussagen von Sportdirektor Ralf Rangnick, der für einen unpolitischen Fußball plädierte, hohe Wellen geschlagen. „Fußball muss versuchen, sich aus politischen Positionen herauszuhalten. Fußball sollte sich weiterhin dieser Funktion bewusst bleiben; dazu gehört, eine unpolitische Rolle einzunehmen”, hatte Rangnick gesagt. Und zur Frage, ob er sich vorstellen könne, dass sein neu gewähltes Kapitäns-Quartett mit einer Regenbogen-farbenen Binde als Zeichen für Vielfalt auflaufen werde, hatte der 60-Jährige geantwortet: „Wir lassen uns nicht vor jeden Karren spannen.”

Fahrlässige Formulierung

Eine zumindest unbedachte, wenn nicht fahrlässige Formulierung, da sich die gewaltbereite und teils von (Ex-)Mitgliedern mit offensichtlich rechtsextremen Gedankengut durchsetzten Leipziger Fan-Gruppierung L.E. United (LEU) genau der gleichen Wortwahl bedient. Ein Sprecher der Gruppe hatte der MZ gesagt: „Einer unserer Grundsätze ist, dass Politik in unserer Kurve und unserer Gruppe nichts zu suchen hat. Wir wollen uns von niemandem vor den Karren spannen lassen – weder von Links, noch von Rechts.”

Erst vor wenigen Tagen hatte LEU bei einer Versammlung in Räumlichkeiten am Stadion, die RB Leipzig gehören und vom Fanverband genutzt werden, als schwarz gekleideter Mob mit dem Banner „Fuck politics!!!” posiert.

Rasenballisten warnen vor rechtem und gewaltbereitem Klientel im Stadion: „Die sind ernst zu nehmen”

Aktiven Fans wie den Rasenballisten, die seit Jahren gegen Rassismus eintreten, war RB Leipzigs Engagement gegen Rechts bislang zu wenig. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema im Theater der Jungen Welt, an der RB nicht teilnehmen mochte, hatte Nikolas D., einer der Sprecher der Gruppe, betont: „Es ist auch bei uns im Stadion nicht selbstverständlich, dass es einen antidiskriminierenden und antirassistischen Konsens gibt.”

Vielmehr gebe es auch bei RB Leipzig Probleme mit teils gewaltbereitem Klientel vom rechten Rand der Gesellschaft. „Die sind ernst zu nehmen”, betonte D. Doch unterstützt fühlten sich die Rasenballisten von RB bei ihrem Engagement bislang zu wenig. Damit sich die Situation nicht erschwere, müssten alle mitarbeiten. „Auch der Verein und andere Institutionen sind gefordert, dagegen etwas zu unternehmen”, hatte der Vertreter der Rasenballisten gefordert. Eine klare Positionierung ist da ein erster Schritt.