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Julian Nagelsmann: Von Rangnick geprägt, vom Total-Pressing abgerückt

Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick beim Duell von Hoffenheim mit RB Leipzig. Foto: imago

Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick beim Duell von Hoffenheim mit RB Leipzig. Foto: imago

RB Leipzig ist am Mittwoch im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim gefordert. Der DFB zeichnet die Entwicklung des designierten Rangnick-Nachfolgers und seines ehemaligen Lehrers nach.

Leipzig empfängt den zukünftigen RB-Coach

Julian Nagelsmann gilt als eines der größten Trainertalente der Fußballwelt. Nicht nur fachlich, sondern auch als Führungspersönlichkeit. Auch schauspielerische Fähigkeiten seien gefordert, um eine Mannschaft mitzunehmen oder sie zu schützen. „Natürlich ist es so, dass du als Trainer auch mal in Situationen eine Rolle spielen musst, die du nicht zu einhundert Prozent bist. Wo alle zum Beispiel erwarten, dass du auf die Mannschaft haust, aber du haust auf sich selbst“, erklärt er im Interview auf der DFB-Webseite. Die Fähigkeit, gegenüber Team und Außenwelt den Ton anzugeben, hat er auch in der ewigen Diskussion über seinen frühzeitig feststehenden Wechsel bewiesen. „Zum 48. Mal“ hatte er erklärt, dass er nur auf Erfolg mit seinem aktuellen Arbeitgeber brennt.

Ralf Rangnick: „Unsere Gegner waren überfordert“

Das will er also auch am Mittwoch, wenn es darum geht, RB Leipzig im Pokal zu schlagen. Seine Fußballlehre war einmal eng mit der von Ralf Rangnick vernüpft. „Der Fußball damals, mit dem überfallartigen Pressing, im Moment des Ballgewinns mit sechs sieben Spieler in den gegnerischen Strafraum zu sprinten. Die Methodik hat auch unseren Nachwuchs geprägt, als ich zu Hoffenheim gekommen bin. Wir haben dann eine einheitliche Philosophie entwickelt“, erinnert sich Julian Nagelsmann an seinen fußballerischen Werdegang als Jugendtrainer.

Hoffenheim etablierte die Idee des hohen Pressings

Und Ralf Rangnick, der diese Art Fußball seit Jahren vorlebt und bei RB Leipzig zuletzt wieder mit Erfolg praktiziert, geriet auch in der Rückschau ins Schwärmen. „In den besten Zeiten war es schwierig, Mittel dagegen zu finden. Die Gegner haben gefragt: ‚Was bekommen die eigentlich zu essen, wir wussten nicht, wo uns der Kopf steht, waren überfordert.‘ Das war schon beeindruckend.“ Der TSG Hoffenheim ging unter Rangnick irgendwann die Luft aus. Schließlich war es Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp, das kurze Zeit später mit dem Pressingfußball zwei Mal die Bayern auch am Saisonende düpierte und 2012 sogar das Double holte.

Julian Nagelsmann spielt wieder mit mehr Ballbesitz

Vom bedingungslosen Teampressing ist Julian Nagelsmann mittlerweile abgerückt und fügte der Rangnickschen Abteilung Attacke spielerische Elemente hinzu. „Gerade was das Ästhetische angeht, arbeiten wir jetzt mit sehr viel Ballbesitz, interessantem Spielaufbau, kaum langen Bällen. Wir wollen den Zuschauern auswärts und bei Heimspielen etwas bieten.“ Natürlich nur, solange es Erfolg verspricht. Aber dass sich diese beiden Ansprüche vereinen lassen, bewies er mit Hoffenheims Kader mittlerweile oft genug. „Ich bin über die Jahre noch selbstsicherer geworden, weil ich gemerkt habe, dass die Dinge, die ich vermittle, auch funktionieren und zum Erfolg führen können“, so Nagelsmann im Kicker.

Wieviel Einfluss behält Ralf Rangnick auf Julian Nagelsmann?

Nach Leipzig kommt er nicht mehr als Jugendtrainer. Spannend ist daher, wie die Zusammenarbeit in Zukunft mit Ralf Rangnick aussieht. „Ich glaube, für ihn ist es spannend, in einem Team zu arbeiten, in dem auch er noch mal neuen Input erhalten kann. Das hat er in Hoffenheim natürlich auch bekommen, aber hier hat er mit mir zusätzlich auch noch einen Ex-Trainer, mit dem er sich austauschen kann“, zitiert der Kicker den aktuellen RB-Coach. Daraus lässt sich ablesen, dass sich Rangnick als Sportdirektor nicht nur für die Transferpolitik da sein will.

Nachdem Ralph Hasenhüttl und sein Trainerteam Geschichte waren, hatte Rangnick erklärt, den Spielstil seiner „Zöglinge“ zurechtzurücken. In der kommenden Saison wird es wieder Reibung geben, das ist aber auch so gewollt. Aber zunächst gastiert am Mittwoch die TSG Hoffenheim bei RB Leipzig. Nicht nur die beiden detailverliebten Fußballlehrer an der Seitenlinie freuen sich auf eine besondere Partie.