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Kommentar: Zu-Null-Serie gibt Rangnicks Philosophie Recht

Perfekt gegrätscht: Stefan Ilsanker gegen Hoffenheims Ishak Belfodil (Foto: imago).

Perfekt gegrätscht: Stefan Ilsanker gegen Hoffenheims Ishak Belfodil (Foto: imago).

RB Leipzig galt zum Ende der vergangenen Saison und ganz zu Beginn dieser Spielzeit einmal als Schießbude der Liga. Inzwischen ist die Schießbude wieder so verrammelt wie in der Saison 2016/17. Das bestätigt Trainer Ralf Rangnick auf seinem Kurs. Von Ullrich Kroemer.

Stefan Ilsanker stand am Mittwochabend sinnbildlich für den Pokal-Triumph von RB Leipzig gegen Hoffenheim. Der Routinier ballte nach einer gelungenen Grätsche in höchster Not am eigenen Strafraum die Becker-Faust. „Timo Werner lebt dafür, dass er den Ball ins Netz drischt. Und ich lebe dafür, dass wir hinten zu Null spielen”, sagte der Routinier im Leipziger Kader. Und überhaupt: Dieses Zu-Null-Spielen werde langsam „zum Trend in Leipzig”, bemerkte Ilsanker nicht ohne Stolz.

Fürwahr, lediglich drei Gegentore in den vergangenen neun Spielen, davon zuletzt fünf Partien ganz ohne Gegentreffer, kann hierzulande kein anderes Spitzenteam vorweisen und dürfte auch europaweit ganz vorn dabei sein.

RB Leipzig beeindruckt mit Fünferkette

Beeindruckend gegen Hoffenheim war, wie gut RB in der Dreier- beziehungsweise Fünferkette harmonierte. Die Abstimmung zwischen Dayot Upamecano, Ibrahima Konaté und Stefan Ilsanker, aber auch Diego Demme, der sich immer wieder Bälle von hinten holte und das Spiel aufbaute, war perfekt.

Trainer Ralf Rangnick hatte bereits bei seinem Amtsantritt im Juli angekündigt, auch auf Fünferketten in der Defensive zu setzen. Dass er der Mannschaft dieses Abwehrsystem nun so stabil beigebracht hat, dass sie ohne Qualitätsverlust variabel je nach Gegner mal in einer Vierer-Abwehrformation, mal in Fünferreihe aufläuft, ist bemerkenswert.

Zudem hat Rangnick derzeit alle Innenverteidiger in Topform gebracht. Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté erledigen ihre Sache ebenso zuverlässig wie Willi Orban und eben Ilsanker. Das war noch vor einigen Wochen ganz anders gewesen. Eigentlich war Nordi Mukiele verpflichtet worden, um die Innenverteidigung zu stärken. Doch den dynamischen Franzosen kann Rangnick derzeit komplett als Rechtsverteidiger einplanen.

Rangnick betont Unterschied zur Hasenhüttl-Philosophie

Nach jedem Spiels aufs Neue betont Rangnick, dass die „Mentalität im Spiel gegen den Ball” der Schlüssel zur aktuellen Serie sei. Rangnick wiederholt das auch deswegen so häufig, weil er auf den Unterschied zur vergangenen Saison hinweisen will, als Ralph Hasenhüttl das Team mit Ballbesitzfußball zum Erfolg führen wollte. Das war als nächster Entwicklungsschritt zwar nachvollziehbar, funktionierte aber nicht, weil RB zu viele Gegentore kassierte. Die aktuelle Zu-Null-Serie gibt nun Rangnick Recht – selbst wenn das Team wie gegen Augsburg und Schalke in der Offensive mal kein Tor erzielt.

Kommen nun auch noch Timo Werner und Jean-Kévin Augustin richtig in Fahrt, die beide noch nicht hundertprozentig ihren Stürmer-Rhythmus gefunden haben, müssen sich die Gegner vor RB wieder fürchten wie in der Bundesliga-Premieren-Saison 2016/17.