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Rauschende RB-Party in Berlin – Leipziger solidarisieren sich mit Hertha-Ultras

„Gegen Kollektivstrafen”: Das einzige Hertha-Banner beim Spiel gegen RB Leipzig (Foto: dpa).

„Gegen Kollektivstrafen”: Das einzige Hertha-Banner beim Spiel gegen RB Leipzig (Foto: dpa).

Die knapp 5000 mitgereisten Leipziger Fans hatten das Berliner Olympiastadion beim 3:0 (1:0)-Erfolg von RB Leipzig bei Hertha BSC fest in ihrer Hand. Das lag jedoch nicht nur am begeisternden Support der Gästefans, sondern auch am Stimmungsboykott der Hertha-Fans, der dem Bannerverbot folgte. Kurioserweise solidarisierten sich einige Leipziger Anhänger mit den Hertha-Ultras. Von Ullrich Kroemer, Berlin.

Der Gästeblock war noch voll besetzt und die UFFTA der Leipziger Anhänger dröhnte nach Abpfiff durchs sonst schon fast leere Berliner Olympiastadion. Gemeinsam mit den Anhängern tollten Leipzigs Spieler auf der blauen Tartanbahn umher. Nach 4:1- und 6:2-Erfolgen in den vorherigen Spielzeiten konnten die Gäste auch bei der dritten Auflage der Leipziger Partyreihe in der Hauptstadt ausgelassen feiern.

Und auch zuvor während der 90 Minuten war der RB-Support großartig. Das kam noch stärker als ohnehin schon zur Geltung, weil die Hertha-Ultras zum Stimmungsboykott aufgerufen hatten. Zwar gab es vereinzelt Sprechchöre, die angestimmt wurden. Doch teilweise war es gespenstisch still auf den Rängen der Herthaner. So richtig laut wurde es nur einmal kurzzeitig nach 65 Minuten, als die Berliner eine Drangphase hatten.

„Gegen Kollektivstrafen”

Nicht nur akustisch, sondern auch optisch bot die Ostkurve ein tristes und befremdendes Bild. Bis auf ein einziges Banner hing kein einziges Plakat – auch keine Fanclub-Banner und Zaunsfahnen – im Stadion. Auf der einzigen „Tapete”, die die Hertha-Ultras ins Stadion geschmuggelt hatten, stand: „Gegen Kollektivstrafen”.

Die fehlende Unterstützung war die Antwort der Hertha-Fans auf das kurzfristig vom Verein verhängte Bannerverbot. Am Donnerstag hatte der Verein als Reaktion auf die Krawalle in Dortmund „bis auf Weiteres” alle Blockbanner und Transparente verboten. Nur Zaunsfahnen der Fanclubs waren erlaubt, wurden aber von den Anhängern ebenfalls nicht aufgehangen. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht einfach für Support sorgen und unseren Protest trotzdem zum Ausdruck bringen können. Deshalb wird es heute von unserer Seite aus keine organisierte Stimmung geben“, hatte der Förderkreis Ostkurve vor der Partie veröffentlicht.

Umstrittene Leipziger Solidaritäts-Plakate

Beim Verfolgerduell in Berlin nun waren es interessanterweise einige aktive Leipziger Fans, die sich mit den Hertha-Ultras solidarisierten. Auch den Leipzigern war es gelungen, mehrere Transparente mit ins Stadion zu bringen. „Cops knüppeln, Fans büßen – gegen Polizeigewalt”, stand auf einem. Und auf einem anderen: „Täter in Uniform.” Ob den Hertha-Fans nun ausgerechnet von den sonst so gern geschmähten Leipzigern lieb ist, darf bezweifelt werden. Auch innerhalb der RB-Fanszene sorgt das für kontroverse Diskussionen.