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Kommentar: Mit dieser Defensive ist RB Leipzig Dortmund-Jäger

Mit Auge: Torhüter Peter Gulacsi und Fünferketten-Abwehrchef Stefan Ilsanker (Foto: imago).

Mit Auge: Torhüter Peter Gulacsi und Fünferketten-Abwehrchef Stefan Ilsanker feiern die RB-Abwehr (Foto: imago).

RB Leipzig geht nach beindruckender Entwicklung in den vergangenen acht Wochen mit einer fantastischen Bilanz in die Länderspielpause. Mit dieser Qualität – vor allem in der Defensive – darf das Team sogar von mehr als der Champions-League-Qualifikation träumen. Von Ullrich Kroemer.

Ralf Rangnick vergleicht sein Team ungern mit anderen Mannschaften. Nach dem 3:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen sagte RB Leipzigs Trainer: „Mich interessiert in erster Linie die Entwicklung der Mannschaft im Vergleich zu sich selbst.”

Und die ist seit dem 2:3 gegen Salzburg vor siebeneinhalb Wochen phänomenal. Man kann es nur immer wieder wiederholen: Seit diesem Wendepunkt, nach dem sich das Team zusammengerauft und sich auf seine Defensivstärke konzentriert hat, hat Rangnicks Elf in zwölf Spielen nur fünf Gegentore bekommen und dabei acht Mal keinen Gegentreffer kassiert.

Der Erfolgs-Matchplan von RB Leipzig

Der Erfolgs-Matchplan lautet dabei meist: erst einmal gut – wie gegen Leverkusen auch mal etwas tiefer – stehen, den Gegner nerven und Bälle erobern und dann mit schnellem und kreativem Spiel offensiv zuschlagen; im besten Falle ein Tor in der ersten Hälfte erzielen und dann ein, zwei in den zweiten 45 Minuten nachlegen.

Kein Team in der Liga führt mehr Zweikämpfe (2329) und gewinnt so viele (1206) wie RB – hinter dem FC Bayern München die beste Zweikampfquote (51,78). Und offensiv gibt nur die TSG Hoffenheim mehr Schüsse aufs Tor ab als die Doppelpack-Spezialisten Timo Werner, Yussuf Poulsen & Co. (68).

Dazu kommen taktische Variabilität bei den derzeit bevorzugten 5-3-2- oder 4-3-3-Grundordnungen sowie exzellente Gegnerbeobachtung und nicht zu vergessen ein glänzendes Torhüter-Duo Peter Gulacsi und Yvon Mvogo; und auch Rangnicks Rotationssystem geht glänzend auf. Von den unmenschlichen Strapazen der Mehrfachbelastung, die in der vergangenen Saison Dauerthema bei RB war, spricht aktuell kaum einer.

Rangnick sieht noch nicht das Ende der Entwickung

Seit dem 1:4 in Dortmund zum Ligastart sind die Leipziger nun in der Bundesliga ungeschlagen. Das weckt Erinnerungen an die Konstanz der ersten Bundesligasaison, als Rasenballsport zu Beginn einen Dämpfer im Pokal gegen Dynamo Dresden hinnehmen musste und danach die ersten 13 Spieltage lang unbesiegt blieb.

Und tatsächlich ist RB – ganz im Rangnick’schen Sinne des Vergleichs mit sich selbst – wieder fast auf dem Niveau des Aufstiegsjahres. Auch damals hatten die Leipziger nur neun Gegentore nach elf Spieltagen gefangen und nur einen Treffer mehr erzielt als aktuell (22/23), aber fünf Punkte mehr auf dem Konto und Tabellenplatz eins inne.

In diese Richtung führt nun auch Leipzigs Weg in dieser Saison. „Wir werden von Woche zu Woche besser”, sagte Rangnick. Und: „Ich sehe derzeit nicht das absolute Ende der Fahnenstange. So wie wir heute gespielt haben, werden wir hoffentlich auch in den nächsten Wochen immer wieder spielen.”

Mit dem aktuellen Gegentore-Schnitt ist RB Titelkandidat

Das würde bedeuten, dass RB sogar als Titelkandidat infrage käme, was so natürlich keiner am Cottaweg ausspricht. Als Titelfavoriten hat Rangnick übrigens unter anderem wegen seiner „jugendlichen Qualität” den BVB auserkoren. „Sieben Punkte Vorsprung auf Bayern sind eine Ansage. Mit dem BVB ist dieses Jahr ganz vorn zu rechnen”, sagte der 60-Jährige. „Ob die anderen Vereine – inklusive uns – da vorn dran bleiben können, wird sich zeigen.”

Fakt ist nach einem Drittel der Saison: Ein Zweier-Punkteschnitt am Ende der Spielzeit genügte in den vergangenen Jahren immer zu einem Start in der Champions League. Mit einem Gegentore-Schnitt von 0,82 – in den vergangenen acht Bundesligaspielen hat RB sogar eine Tordifferenz von 17:2 (!) – wäre Rasenballsport sogar Titelanwärter.

Doch die Leipziger haben als warnendes Beispiel die vergangene Saison vor Augen. Vor einem Jahr hatte das Team von Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl ebenfalls 22 Punkte auf dem Konto, verspielte die gute Ausgangsposition jedoch durch zu viele Gegentreffer. Doch Rangnick ist das nur zu gut präsent. „Wir müssen schauen, dass wir im Training immer wieder an diesen Dingen arbeiten und alle Spieler emotional an Bord behalten”, warnte er. „Schlafmützigkeiten wie in Glasgow können wir uns nicht leisten.” Damit RB auch weiterhin in dieser Saison dem Vergleich mit sich selbst standhalten kann. Die Messlatte hat das Team aktuell selbst sehr hoch gelegt.