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Diego Demme orientiert sich an einer Mischung aus Gennaro Gattuso und Andrea Pirlo. Foto: imago

Das personifizierte Pressing bei RB Leipzig: Diego Demme orientiert sich an einer Mischung aus Gennaro Gattuso und Andrea Pirlo (Foto: imago).

Mit Pressing-Video: Rangnick setzt auf Leipzigs „Mehrkampf”-Qualitäten

Ralf Rangnick setzte vor dem Duell beim VfL Wolfsburg (Sa., 15.30 Uhr) auf die Macht der Bilder. RB Leipzigs Trainer schwor seine Spieler mit einer Videositzung auf den Jahres-Endspurt mit acht Partien in knapp vier Wochen ein. Von Ullrich Kroemer.

Der 60-Jährige ließ sein junges Videoanalysten-Trio um den aus Leverkusen gewechselten Lars Kornetka Szenen zusammenstellen, die exemplarisch für Leipzigs Erfolg seit dem Wendepunkt gegen Salzburg stehen. Nach der Länderspielpause sei es wichtig gewesen, „den Jungs klar vor Augen zu führen, weshalb wir dort stehen, wo wir jetzt stehen”, erklärte Rangnick. „Das hat viel mit Schwarmverhalten, mit Sprints, mit Zwei- oder besser Mehrkampfstärke zu tun, weil bei uns oft mehrere Spieler beteiligt sind, den Ball zu erobern.”

Rangnicks neue Vokabel „Mehrkampfstärke” umschreibt Leipzigs Überlegenheit treffend. Denn wenn die Aufteilung auf dem Feld stimmt, führen Leipzigs Spieler keine Duelle, sondern attackieren den Gegner immer mit zwei, drei Mann. Dadurch entsteht bei den Kontrahenten nicht selten der Eindruck, dass es zwei oder drei von diesen Diego Demmes auf dem Platz geben muss. Leipzigs letzter Gegner Leverkusen etwa reagierte entnervt.

Rangnick vs. Hasenhüttl: „Wir müssen unsere Art zu spielen fortsetzen”

Rangnick betonte das Erfolgsrezept auch deswegen noch einmal mit Nachdruck, weil sein Vorgänger Ralph Hasenhüttl vor einem Jahr in genau jener Phase vor Weihnachten von der RB-Philosophie abgerückt war. So sieht das zumindest Rangnick. Hasenhüttl hatte nach der Länderspielpause im November nur noch einen Bundesligasieg erzielt, weil er die Mannschaft zu radikal auf Ballbesitz-Fußball umschulen wollte. Unter anderem deswegen betrachtet Rangnick die aktuelle Phase nun als so wichtig. „Wir müssen unsere Art zu spielen fortsetzen”, mahnte der Fußballlehrer und fügte vielsagend hinzu: „Ich sehe keinen Grund, warum das plötzlich anders werden sollte, wenn wir selbst nicht unseren Weg verlassen.”

Rangnick betonte, dass sein Team in der Bundesliga die wenigsten Torschüsse und Chancen zugelassen habe und das bitteschön „Weihnachten und auch bis zum Sommer” so bleiben möge. Die Statistik stimmt zwar nicht ganz, denn laut den Daten des Fachmagazins Kicker und der Statistik-Plattform whoscored.com rangiert RB bei den zugelassenen Schüssen aufs Tor hinter dem FC Bayern und vor Borussia Dortmund auf Rang zwei. Doch auch wegen Spitzenplatzierungen bei gewonnenen Zwei- , pardon: Mehrkämpfen und erfolgreichen Kopfballduellen ist Rasenballsport mit nur neun Gegentoren der klare Defensiv-Spitzenreiter der Liga. Kein anderes Team hat nach elf Spieltagen eine einstellige Gegentorbilanz.

Rangnick: „Gucken, dass ein Rädchen ins andere greift”

Um nun schnell wieder in den Mehrkampf-Rhythmus zu kommen, schulte Rangnick im Training zunächst die Grundlagen, ehe er seine Mannschaft am Freitag mannschaftstaktisch konkret auf die Herausforderung in Wolfsburg vorbereitete. Die Automatismen seien zwar „teilweise schon in Fleisch und Blut übergegangen. Aber durch die Unterbrechungen und einige, die nicht trainieren konnten, muss man jetzt trotzdem gucken, dass ein Rädchen ins andere greift”, sagte Rangnick.

Taktisch dürfte das von VfL-Trainer Bruno Labbadia stärker herausgearbeitete Profil der Wolfsburger den Gästen ins Konzept passen. Mit knapp 55 Prozent Ballbesitz im Schnitt haben die „Wölfe“ das Spielgerät hinter Bayern und Dortmund am häufigsten in den eigenen Reihen. „Wir haben teilweise einen Quantensprung gemacht”, sagte Labbadia und warb nach nur einem Sieg aus den vergangenen neun Ligapartien für Geduld und Konsequenz: „Die Art und Weise, wie wir spielen wollen – mit Ballbesitz, dominant –, ist eine der schwierigsten. Aber wir akzeptieren es nicht, diesen Weg zu verlassen.” Klingt nach vielen Umschaltgelegenheiten für die Leipziger Mehrkampf-Spezialisten.

Zugelassene Schüsse aufs Tor (Quelle: kicker.de):

Bayern München 27

RB Leipzig 39

Borussia Dortmund 42

Eintracht Frankfurt 43

FSV Mainz 05 44

Schalke 04 47

VfL Wolfsburg 47

TSG Hoffenheim 52

1. FC Nürnberg 52

Borussia Mönchengladbach 53

Werder Bremen 53

Hertha BSC 59

SC Freiburg 60

Bayer Leverkusen 61

FC Augsburg 62

VfB Stuttgart 63

Fortuna Düsseldorf 65

Hannover 96 65