Seite neu laden

„Qualitätsverlust im Mittelfeld”: Kapitän Orban eröffnet Personaldiskussion

„Mehr Spieler mit Qualität auf dem Feld haben, die Lösungen nach vorn haben": Willi Orban gegen Wolfsburgs Youngster Elvis Rexhbecaj (Foto: imago).

„Mehr Spieler mit Qualität auf dem Feld haben, die Lösungen nach vorn haben“: Willi Orban gegen Wolfsburgs Youngster Elvis Rexhbecaj (Foto: imago).

Der Erfolg bei RB Leipzig in den vergangenen Spielen beruhte auch auf der Tatsache, dass der kleine Kader so homogen funktionierte und Ausfälle scheinbar mühelos kompensiert wurden. Das gelang beim 0:1 gegen Wolfsburg nicht, wie Kapitän Willi Orban überraschend klar äußerte und damit eine Qualitätsdebatte eröffnete. Von Ullrich Kroemer.

RB Leipzig lebt in dieser Saison auch von der Erzählung, dass es im kleinen 17-Mann-Kader – Emil Forsberg ist ja derzeit nicht einsatzfähig – kaum Niveauunterschiede gebe. Mantrahaft beschworen Trainer Ralf Rangnick & Co., dass im Team genug Qualität stecke, um Ausfälle nahezu gleichwertig zu ersetzen und ohne Qualitätsverlust rotieren zu können.

Das funktioniert im Sturm und in der Abwehrreihe tatsächlich erstaunlich gut. In Berlin etwa blühten Matheus Cunha und Bruma auf. In der Defensivreihe kann Rangnick je nach Stärken und Schwächen des Gegners beliebig rotieren.

Orban: „Müssen Qualitätsverlust ansprechen”

Im zentralen Mittelfeld aber gelingt das nicht so einfach. Das war bereits in Glasgow zu sehen, als Kevin Kampl und Diego Demme in der ersten Hälfte geschont wurden und Stefan Ilsanker im Aufbauspiel überfordert war. Und es war auch gegen Wolfsburg nicht zu übersehen, dass Ballsicherheit, Spielwitz und Antreiberqualitäten der verletzten Kevin Kampl und Marcel Sabitzer fehlten und diesmal nicht kompensiert werden konnten.

Das sah auch Kapitän Willi Orban so, der nach Abpfiff überraschend deutlich wurde: „Man hat gemerkt, dass uns spielerisch ein paar Akteure gefehlt haben. Dass wir einen Qualitätsverlust im Mittelfeld hatten und die Bälle sehr schnell verloren haben, müssen wir ansprechen.” Die, die gefehlt haben, seien „nicht irgendwelche Spieler”, sondern welche, „die uns gerade in solchen Spielen guttun”.

Rangnick: „Mit dem Personal schwer, das Spiel noch zu drehen”

Und auch Trainer Ralf Rangnick bemerkte spitz: „In dem Moment, in dem wir in Rückstand geraten sind, war mir klar, dass es mit dem Personal schwer wird, das Spiel noch zu drehen.” Nicht gerade ein Gütesiegel für seine Spieler – weder für die auf der Bank, noch für die auf dem Feld. „Wir hätten heute mehr Passsicherheit und Kreativität im Spiel gebraucht”, sagte Rangnick. Das klang doch deutlich anders als zuletzt.

So gingen RB gegen Wolfsburg Ballsicherheit ebenso ab wie die Aggressivität und Synchronität im Pressing, wodurch kaum Balleroberungen und kein einziger echter Gegenstoß zustande kamen. Orban hofft nun vor dem Prestigeduell gegen Salzburg, „schnell wieder alle Mann an Bord zu kriegen, dass wir wieder mehr Spieler mit Qualitäten auf dem Feld haben, die Lösungen nach vorn haben.”

Gulacsi: „Lag nicht an der Qualität, sondern an der Aufmerksamkeit”

Keeper Peter Gulacsi mochte sich trotz seiner deutlichen Worte an die Vorderleute der Personaldiskussion nicht anschließen. „Das lag nicht an der Qualität, die wir auf dem Platz hatten, sondern an der Aufmerksamkeit der gesamten Mannschaft”, sagte der Torhüter.

Denn das Gegentor resultierte schließlich nicht aus der mangelnden Kreativität im Mittelfeld, sondern aus dem Fehlpass von Marcel Halstenberg sowie der Schlafmützigkeit der zur Restfeldverteidigung eingeteilten Spieler sowie der komplett aufgerückten Abwehrreihe nach eigener Ecke.