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0:1 in Salzburg: Leipzig verliert auch zweites RB-Duell

Robuster Einsatz von Leipzigs Dayot Upamecano gegen Fredrik Gulbrandsen.

Robuster Einsatz von Leipzigs Dayot Upamecano gegen Fredrik Gulbrandsen. Foto: imago

Nach dem 2:3 im Hinspiel hat RB Leipzig auch das zweite „Red-Bull-Duell“ verloren. Am Donnerstag unterlag der Bundesligist mit 0:1 beim FC Salzburg und muss in der Europa League um das Weiterkommen zittern. Aus Salzburg berichtet Ullrich Kroemer

Salzburger Festspiele im Dezember: Auch das Europa-League-Rückspiel zwischen Salzburg und Leipzig hat der österreichische Red-Bull-Ableger für sich entschieden. Gegen verletzungsgeschwächte Leipziger gewannen die Hausherren das brisante Prestigeduell hoch verdient mit 1:0 (0:0). Salzburg feierte durch den fünften Erfolg im fünften Gruppenspiel euphorisch den Einzug in die K.o.-Phase, während die Leipziger vor dem abschließenden Spieltag auf den dritten Tabellenrang hinter Celtic Glasgow abrutschten und nun auf Schützenhilfe aus Salzburg angewiesen sind.

Salzburg setzt Leipzig von Beginn an unter Druck

Dass die Salzburger von der ersten Minute an marschieren würde – nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen –, zeigte sich bereits vor Anpfiff. Ein Trachten-Blasorchester spielte den sogenannten Rainermarsch, den Regimentsmarsch des K.u.k.-Infanterieregiments des Erzherzogs Rainer; so etwas wie die heimliche Salzburger Hymne. In dem Lied geht es um Vaterland, Feinde, Mut und Ehre. Die Salzburger unter den knapp 30.000 Fans im ausverkauften Stadion sangen allesamt euphorisch mit. Damit war die Bedeutung, die dieses Duell für die Gastgeber hat, schon ganz gut abgesteckt.

Das Team von Trainer Marco Rose begann so präsent, bissig, heiß wie beim 3:2-Auswärtssieg im Hinspiel. RB Leipzig agierte mit einer Fünfer-Abwehrkette, Konrad Laimer im defensiven Mittelfeld sowie Bruma und Cunha als Kreativspielern, die das verletzte Quartett ersetzen sollten. So war RB noch nie aufgelaufen – und dementsprechend unrund und fahrig wirkte das auch.

Pfiffe und Schmähungen für RB Leipzig in Salzburg

Die Salzburger waren gedanklich und somit auch auf dem Feld schneller. Stefan Ilsanker & Co. konnten die Salzburger anfangs nur mit Fouls stoppen. Die Heimfans pfiffen und skandierten „Scheiß RB Leipzig”. Die größte Chance hatten die Gastgeber, als Munas Dabbur auf Fredrik Gulbrandsen lupfte, der volley abzog (20.). Leipzigs Europapokal-Torhüter Yvon Mvogo hielt den zu ungenau platzierten Ball.

Es dauerte etwa 25 Minuten, ehe Rasenballsport etwas mehr Ballkontrolle bekam. Der Einsatzwillen war insbesondere der Leipziger Hintermannschaft nicht abzusprechen. Doch die Gäste spielten unruhig und leisteten sich viele Stockfehler, waren meist einen Tick später am Ball als die Rose-Elf. Der Spielaufbau funktionierte nicht wie gewohnt, oft waren die gerade eroberten Bälle schneller wieder weg als RB gucken konnte. Zudem wirkten die Laufwege von Augustin und seinen Stürmerkollegen nicht eingespielt.

Nur Timo Werner hat eine klare Torchance für RB Leipzig

Wenn mal was ging für die Leipziger, dann über die Flügel, wo Nordi Mukiele und Marcelo Saracchi versuchten, Wirbel zu entfachen. Nicht zufällig entstand de größte Leipziger Gelegenheit in der ersten Hälfte auch über Rechtsaußen. Salzburgs Innenverteidiger André Ramalho, der sich intensive Gefechte mit Timo Werner lieferte, war ausgerutscht, sodass der Torjäger freie Bahn hatte, aber knapp rechts neben den Kasten von FCS-Keeper Alexander Walke verzog (44.). Eine hundertprozentige Torchance und der einzige echte Torschuss von RBL, den Werner ruhig hätte verwandeln dürfen. Der einzige Lichtblick in einer sonst düsteren ersten Hälfte aus Sicht der Leipziger.

Deren Anhang war mit knapp 2500 Fans unter anderem mit einem Sonderzug nach Salzburg gereist und hatten mit einem stimmungsvollen und friedlichen Fanmarsch zum Stadion sowie einer Auswärtschoreografie auf den Rängen samt Pyronebel (!) für Aufsehen gesorgt.

Gulbrandsen mit dem Siegtor für den FC Salzburg

Unterstützung hatte RB also genau wie in Glasgow genug. Doch viel mehr als leidenschaftliches Verteidigen hatte Leipzig nicht zu bieten. Spielerisch war Salzburg überlegen und reifer und drückte auch in der zweiten Hälfte mit Chancen durch Gulbrandsen (55.) und Hannes Wolf (61.). Dauerstress für Leipzig.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis Salzburg die Führung erzielte. Bei einem direkten Pass aus dem Mittelfeld war die RB-Abwehr nicht auf dem Posten, sodass Andreas Ulmer unbedrängt auf den euphorisch gefeierten Norweger Gulbrandsen flanken konnte, der freistehend das 1:0 erzielte (74.). Werners Außenristschuss in Richtung Dreiangel kurz darauf parierte Walke hervorragend (77.). „Gegen Salzburg kann man mal verlier’n”, skandierten die Fans.

Spielstatistik: FC Salzburg – RB Leipzig 1:0 (0:0)

Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Pongracic, Ulmer – Schlager, Wolf (87. Daka), Samassékou, Junuzovic – Dabbur (90.+2 Prevljak), Gulbrandsen (76. Minamino)
Leipzig: Mvogo – Ilsanker, Orban, Upamecano – Mukiele (70. Klostermann), Laimer, Bruma, Saracchi (78. Halstenberg) – Matheus Cunha, Werner, Augustin (62. Poulsen)
Schiedsrichter: Orel Grinfeld (Israel)
Zuschauer: 29.520 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Gulbrandsen (74.)
Gelbe Karten: Lainer (1), Schlager (3) / Ilsanker (2), Bruma (1), Matheus Cunha (1)