Seite neu laden
Geschlossene Einheit: RB Leipzigs Jubeltraube gegen Borussia Mönchengladbach (Foto: imago).

Geschlossene Einheit: RB Leipzigs Jubeltraube gegen Borussia Mönchengladbach (Foto: imago).

Kommentar: Spitzenteam mit Einschränkungen

Das 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach hat ebenso wie zuvor die Siege gegen Hoffenheim, Hertha oder Leverkusen gezeigt: Wenn alle Umstände stimmen, braucht RB Leipzig keinen Gegner zu fürchten.  Von Ullrich Kroemer.

Im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach zeigte RB Leipzig exemplarisch, warum die Mannschaft weiter zu Recht in der Spitzengruppe der Bundesliga dabei ist. Hauptgrund dafür ist die außergewöhnliche Defensivstabilität, die die Leipziger selbst oder gerade gegen spielerisch hoch veranlagte Teams wie Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim zeigen.

Grundlage dafür ist Ralf Rangnicks Taktik gegen den Ball, dem Gegner immer ein paar Prozent mehr Ballbesitz zu gewähren, um so Ballerverluste zu provozieren und blitzschnell umzuschalten. Dafür aber braucht RB seine Taktgeber im Mittelfeld, die offensiv und defensiv unverzichtbar sind.

So legte die Partie gegen die „Fohlen” einmal mehr das Potenzial frei, das Rangnicks Elf besitzt und das höchsten Ansprüchen genügt. Wenn RB so auftritt wie in diesem Sechs-Punkte-Spiel sind die Sachsen zweifelsohne ein Spitzenteam der Liga.

KAI ist zurück bei RB Leipzig

Doch Rangnick weiß selbst, dass dafür alle Umstände stimmen müssen. Leipzigs früherer Trainer Alexander Zorniger nannte den zwölften Mitspieler im RB-Spielsystem einst KAI – Kompakt, Alle, Immer. Zorniger bezog das auf den Gegenpressing-Fußball, der nur im Schwarm funktioniert. Das gilt nun im übertragenen Sinne auch für die aktuelle Rangnick-Elf. Wenn alle Schlüsselspieler zur Verfügung stehen, das Team wie gegen Mönchengladbach geschlossen, ohne Schwachstellen und mit voller Überzeugung das Spielsystem kompakt umsetzt und alle Spieler über 90 Minuten hinweg immer wachsam bleiben, ist RB kaum zu bezwingen. Dazu kommt der Lernfaktor aus den vergangenen beiden Spielzeiten, die der Mannschaft mentale Reife verliehen haben.

Doch die vorangangenen beiden Niederlagen deckten auch auf: Wenn Säulen wie Diego Demme, Kevin Kampl, Emil Forsberg und Marcel Sabitzer ausfallen – und dazu noch einige wie zuletzt Jean-Kévin Augustin oder Nordi Mukiele nicht ihre Leistung bringen –, kann das die Mannschaft noch nicht kompensieren. Dazu ist der Kader zu klein.

Ein Spitzenteam kann RB also gerade nur sein, wenn auch alle Umstände passen: Kader, Form, Taktik, Einsatzbereitschaft, Selbstvertrauen. Zu dem angestrebten Status als Topteam der Liga gehört auch volles Engagement gegen Gegner wie die kommenden beiden: Freiburg und Mainz. Leipzigs nächste Prüfungen auf dem Weg zur Spitzenmannschaft, bevor dann der FC Bayern München zum Verfolgerduell kurz vor Weihnachten wartet.