Seite neu laden
Dr. Robert Percy Marshall unterstützt den großen Trainerstab bei RB Leipzig. Foto: imago

Dr. Robert Percy Marshall unterstützt den großen Trainerstab bei RB Leipzig. Foto: imago

Vollzeit-Ärzte bei Profivereinen: RB Leipzig in der Vorreiter-Rolle

Nur bei wenigen anderen Vereinen hat die medizinische Abteilung ein so hohen Stellenwert wie bei RB Leipzig. Die Sportschau erläutert daran beispielhaft den Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit von Fußballprofis.

‚Laufen bis zum Umfallen‘ war gestern

Vor zwanzig Jahren war Ralf Rangnick Trainer beim SSV Ulm und der Fußball hatte aus heutiger Sicht kaum den Zusatz „Profi“ verdient. Das Thema Gesundheit war im Trainingsalltag außen vor. „Damals war Rolf Baumann einfach so lange mit den Jungs laufen, bis sie nicht mehr konnten“, erinnert sich Rangnick heute. Mittlerweile hat er viel dazugelernt. Ein ganzer Stab ist damit beschäftigt, sich rund um die Uhr um die Gesundheit der RB-Profis zu kümmern – von den Physiotherapeuten bis zur Leistungsdiagnostik. Zum Beispiel überlässt RB auch in Sachen Zahnmedizin nichts dem Zufall.

Der wesentliche Unterschied zu vielen anderen Proficlubs ist, dass Ralf Rangnick auf einen hauptamtlichen Mannschaftsarzt setzt. In der Regel unterhalten die angestellten Ärzte auch ihre eigene Praxis. Dr. Percy Marshall ist seit dem Sommer bei RB und sagt: „Wenn man als Arzt in verschiedenen Bereichen eingesetzt wird, kann dies dazu führen, den Fokus zu verlieren. Man tanzt auf zu vielen Hochzeiten.“ Eine solche Doppelbelastung führe zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten, sagt Ralf Doyscher, der heute ausschließlich für Borussia Mönchengladbach arbeitet.

RB Leipzig & Co. vermeiden Doppelbelastung bei Ärzten

Dabei brauchen Proficlubs Ärzte, die die Auswirkungen der Doppelbelastung bei den Spielern minimieren. „Wir haben im ersten Champions-League-Jahr gemerkt, dass dies besser ist. Gerade wenn man international spielt, braucht man aus meiner Sicht einen hauptamtlichen Arzt“, so Ralf Rangnick. Mit Vollzeit-Docs ist die medizinische Versorgung umfangreicher. Vor allem aber ist das Vertrauensverhältnis enger, die Ärzte sind ’näher dran‘ am Spieler. Das wirkt sich einer britischen Studie in 36 Profivereinen zufolge direkte auf die Verletzungsrate aus.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Es sei wichtig, „dass man als Arzt auch den Nicht-Leistungssportler und Otto-Normal-Patienten sieht, um einen offenen Blick zu haben für andere Erkrankungen und medizinische Entwicklungen“, erklärt Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer gegenüber dem Kicker. Außerdem sei die Abhängigkeit der Mediziner vom Profigeschäft schädlich, nicht nur bei Themen wie Doping. Das ärztliche Handeln solle generell nicht am sportlichen Erfolg hängen, lautet die Sicht des Sportmediziners.