Seite neu laden

Wildes Spektakel gegen Bremen: Bruma trifft zum 3:2-Sieg

Aus dem Stadion berichten Ullrich Kroemer und Martin Henkel
Bärenstarker Bruma: Der Portugiese trofft zum 3:2 gegen Bremen (Foto: imago).

Bärenstarker Bruma: Der Portugiese trofft zum 3:2 gegen Bremen (Foto: imago).

RB Leipzig beendet die Hinserie auf Bundesliga-Tabellenplatz vier. Zum Jahresabschluss gegen Werder Bremen gewannen die Gastgeber in einem umkämpften Spiel mit einem 3:2 (2:0). Eine wilde Partie, die hin und her wogte, und in der sich RB mit großer Moral zurückkämpfte.

RB Leipzig war zu Beginn der Partie vor 40.455 Zuschauern anzumerken, dass das Spiel gegen München viel Kraft gekostet hatte. Trainer Ralf Rangnick hatte seine Elf mit nur zwei Änderungen in das letzte Spiel des Jahres geschickt: Marcel Sabitzer und Willi Orban waren zurück in die Startformation gerückt. Konrad Laimer rückte im 4-3-3-System überraschend auf die Position des linken Läufers, vor allem um die gefährlichen Vorstöße von Bremens Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie auszubremsen.

Die eigentlich spielstarken Gäste aus Bremen standen in der Anfangsphase deutlich tiefer als erwartet und lauerten auf Konter. RB wusste mit dem Ballbesitz wenig anzufangen, erspielte sich ebenso wenig Chancen und war gegen die Schnellen Außen der Werderaner – Milot Rashica und Johannes Eggestein – hinten anfällig.

Klostermann blockt hinten und trifft vorn

Nach einem ersten gefährlichen Schuss von Rashica, der sich auf der rechten Leipziger Abwehrseite gegen Klostermann durchgesetzt hattem, hätte Bremen in Führung gehen müssen. Marcel Halstenberg hatte einen langen Ball unterschätzt und Eggestein nach innen flanken lassen, wo Davy Klaassen einschussbereit an der Fünf-Meter-Linie stand. Klostermann rettete in höchster Not mit ganz langem Bein (14.) – eine Großtat des Rechtsverteidigers.

Höhenflug: Lukas Klostermann gegen Werder Bremen (Foto: imago).

Höhenflug: Lukas Klostermann gegen Werder Bremen (Foto: imago).

Kurz darauf stand der stille U21-Nationalspieler schon wieder im Fokus. Kevin Kampl steckte einen Ball zum 22-Jährigen aus Herdecke durch, der so kraftvoll wie selten in Richtung Strafraum zog, seinen Gegenspieler abschüttelte und so präzise und hart ins kurze Ecke abzog, dass Werder-Keeper Jiri Pavlenka keine Chance hatte und der Ball erst an die Unterkante der Querlatte und dann ins Tor sprang (22.). Ein Traumtor, bereits der zweite Saisontreffer des stark formverbesserten Flügelsprinters, der nach Problemen zu Saisonbeginn nun deutlich selbstbewusster agiert.

Werner nutzt Kruses Patzer

Durch Leipzigs Führung war das Konzept von Werder durcheinandergebracht. Sollten die Grün-Weißen weiter so tief stehen oder aggressiver auf den Ball gehen? Deultich zu sehen war das etwa, als sich Diego Demme und Willi Orban den Ball zwei, drei Mal hin- und herspielten, ohne dass Bremen eingriff. Durch Timo Werner, der einen Traumpass von Yussuf Poulsen nicht ganz sauber annahm und über das Tor schoss (31.) und den starken Ibrahima Konaté, der sich immer wieder mit nach vorn einschaltete und dessen Distanzschuss nur knapp über den Querbalken strich (35.).

Doch danach wurde wieder Bremen stärker, hatte durch Abwehrmann Sebastian Langkamp nach Ecken (38., 42.) und Max Kruse (39.) gute Chancen. Doch RB spürte, dass eine erneute Leistungssteigerung nötig ist und zog kurz vor Ende der ersten 45 Minuten das Tempo noch einmal an. Erst verzog Marcel Sabitzer nach Vorarbeit von Konaté knapp neben das Bremer Tor (43.). Dann reagierte Werner hellwach. Stürmer Kruse hatte sich hinten mit eingeschaltet, ließ den Abstoß von Torhüter Pavlenka aber technisch unsauber zurückprallen, sodass Werner dazwischenstieß, Pavlenka den Ball vom Fuß spitzelte und zum 2:0 traf (44.). Ein perfekter Matchverlauf nach mittelmäßiger Leistung von RB in der ersten Hälfte.

Bremen drückt, Kruse trifft

Bremen musste in der Halbzeit reagieren und agierte nach der Pause so, wie man die Gäste eigentlich schon von Beginn an erwartet hätte. Mit schnellem Kombinationsspiel und nun mit Dreierkette bereiteten sie RB jede Menge Probleme in der Abwehr, eine Powerplay-Phase der Elf von Trainer Florian Kohfeldt, aus der Bremen jedoch abermals zu wenig machte. Johannes Eggestein vergab zwei Mal (48., 50.).

Rangnick brachte Dayot Upamecano für Kevin Kampl ins Spiel (58.) und stellte angesichts des Bremer Drucks auf Fünferkette um. Die Präsenz des bulligen Franzosen tat der Stabilität des Leipziger Spiels gut. RB erlangte nun die Kontrolle zurück und wurde selbst wieder gefährlich. Poulsen nach Hereingabe von Werner (60.) und Konaté per Kopf (65.) hatten Gelegenheiten.

Bremen aber blieb hellwach. Kruse behauptete einen Ball im Mittelfeld, der zu Gebre Selassie durchkam und zurück zu Kruse gelangte. Der Ex-Nationalspieler zog aus der zweiten Reihe aus 15 Metern ab und erzielte den Anschlusstreffer (67.). Das Tor zählte, obwohl der eingewechselte Yuya Osako Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi die Sicht versperrte. Eine strittige Entscheidung. Doch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus entschied nach Kontakt mit dem Videoassistenten in Köln dennoch auf Tor.

Co-Produktion von Bremens Joker zum Ausgleich, Bruma schlägt zurück

In diesem Spiel, das zum Ende vogelwild war und hin und her wogte, war RB nun erneut indisponiert und merklich k.o.. Konaté und Orban konnten Osako nicht am Abspiel zu dem ebenfalls eingewechselten Joshua Sargant hindern, der völlig ungedeckt war und freistehend aus halbrechter Position zum Ausgleich traf (77.). Osako hatte kurz darauf gar die Chance zum Siegtreffer, schoss aber über den Kasten.

Die ausgelaugten Leipziger schienen geschlagen, steckten aber nicht auf und änderten mit Brumas Einwechslung erneut die Grunformation. Wie Rangnick am Freitag betont hatte, sei es die große Qualität des Kaders, sich immer wieder aufzurappeln. Halstenberg und Bruma untermauerten das. Der Linksverteidiger flankte zum eingewechselten Portugiesen, den die Bremer allein im Strafraum hatten stehen lassen. Bruma zog mittig ab, traf zum Endstand und riss sich das Trikot vom Leib, während das Stadion kochte (87.). Ein hoch emotionaler Moment zum Ende dieses Jahres, das RB mit 31 Punkten auf einem Champions-League-Platz und einem Erfolgserlebnis beendet