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„Sinne schärfen“: So will Rangnick das „Glubb”-Bollwerk durchbrechen

Von Ullrich Kroemer
Torschütze im Hinspiel: Kevin Kampl (Foto: imago).

Torschütze im Hinspiel: Kevin Kampl (Foto: imago).

Rangnicks Psycho-Tricks: Böller in der Kabine und Eisenbiegen mit den Hälsen

Nein, Eisenstangen müssen die Spieler von RB Leipzig vor dem Duell gegen den 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr/Sky und bei RBlive.de im Ticker) nicht verbiegen. RB-Trainer Ralf Rangnick wurde vor dem Duell gegen den Tabellenletzten auf frühere Motivationstricks angesprochen und musste selbst darüber lachen, was er einst so alles angestellt hat, um seinen Teams Energie zu geben.

In Hannover hatte er damals einen Böller in der Kabine gezündet, damit seine Mannschaft von Beginn an wach ist. Und in Stuttgart legte er seinen Spielern Eisenstangen an die Hälse, die den Stahl derart eingespannt, auf wundersame tatsächlich verbogen. „So etwas mache ich jetzt mit Sicherheit nicht mehr mit Eisenbiegen und auch nicht mit Böllern in der Kabine. Das sind Dinge, über die muss ich inzwischen selbst schmunzeln. Was man halt als junger Trainer plötzlich so toll findet”, sagte Rangnick.

Rangnick: „Geht nicht um Motivation, sondern Inspiration”

Heute setzt er auf Videos, Fotos und Ansprachen, um die Spieler direkt vor der Partie abzuholen und „zu berühren und zu inspirieren”. Vor dem Auftritt beim „Glubb” sagte Rangnick: „Es geht gar nicht um Motivation, sondern um Inspiration, darum, die Sinne zu schärfen. Die Jungs müssen es vor jedem Spiel aufs Neue kaum erwarten können, den Platz zu betreten.”

Damit seine Spieler beim Schlusslicht nicht fatalerweise ein paar Prozent weniger abliefern, wie zuletzt in der ersten Hälfte nach dem Ausgleich beim VfB Stuttgart, erinnerte der 60-Jährige: „Jeder in unserer Mannschaft möchte im nächsten Jahr unbedingt wieder Champions League spielen. Die Jungs sind hungrig, sie wollen die bestmögliche Saison spielen.”

Taktik-Kritik an Borussia Dortmund und Konter auf Christian Mathenia

Gegen das Nürnberger Defensiv-Bollwerk muss Rangnick vor allem an Ballbesitzlösungen arbeiten, um die dichten Abwehrreihen zu durchdringen – bislang nicht gerade die Königsdisziplin der Leipziger. Einen Seitenhieb auf Borussia Dortmund, das vor 14 Tagen 0:0 in Nürnberg gespielt hatte, konnte sich Rangnick dennoch nicht verkneifen. „Bei allem Respekt vor der Leistung von Borussia Dortmund: Ob sie in diesem Spiel immer die richtigen Mittel gewählt haben, um zum Torerfolg zu kommen, weiß ich nicht. Wir wollen morgen gewinnen, und dafür braucht es die richtigen Lösungsansätze gegen einen sehr defensiven und kompakt spielenden Gegner.” Welche das sind, darauf ging Rangnick nicht näher ein.

Vielmehr konterte er die Aussage von Nürnbergs Keeper Christian Mathenia, der sich via Kicker zu der Aussage verstiegen hatte, dass Leipzigs Abwehr – die beste der Liga – „nicht sattelfest” sei. „Ich habe gelesen, dass er uns als defensiv anfällig und nicht stabil bezeichnet hat”, antwortete Rangnick. „Ist ja auch egal, wie er das sieht: Ich bin mit unserer defensiven Stabilität durchaus zufrieden, wenn ich mir anschaue, wie wenig wir in den letzten Monaten zugelassen haben.” Auch in Nürnberg sei die mantrahaft gepriesene, aber wirkungsvolle „Arbeit gegen den Ball” der Schlüssel. Und auch auf Wachsamkeit und gute Restfeldverteidigung in Kontersituationen wird es ankommen.

Mit neuem Bewusstsein gegen Nürnberg

Dass für RB Leipzig in Nürnberg bisher nicht viel zu holen war, ficht Rangnick nicht an. „Dass wir dort in der 2. Liga zweimal verloren haben, wissen wir. Aber diesmal kommen wir mit personell guter Besetzung und mit einem anderen Bewusstsein dorthin. Wir trauen uns schon zu, dass wir Lösungen finden, um dort zu gewinnen”, kündigte der Sportdirektor an. Auch ohne Eisenbiegen.