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Sanduhr-Frust bei Augustin & Co: Das lange Warten auf die nächste Chance

Zeit, die nie vergeht: Nordi Mukiele und Jean-Kévin Augustin (Foto: imago).

Zeit, die nie vergeht: Nordi Mukiele und Jean-Kévin Augustin (Foto: imago).

Manchmal sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Profifußballern genügt bisweilen ein Emoji, um ihre Gefühlslage treffend zu beschreiben. Die Leipziger Bankdrücker Nordi Mukiele und Jean-Kévin Augustin posteten in diesen Tagen via Twitter Sanduhren. Soll heißen: Die Zeit bis zum nächsten Einsatz vergeht einfach nicht. Augustin stellte noch einen voll aufgeladenen Akku daneben. Das muss als Aussage genügen, öffentlich gesprochen habe beide seit Monaten nicht.

Eine Situation, die zu Frust führen kann und damit die Geschlossenheit des Kaders gefährdet. In der vergangenen Saison war es unter Trainer Ralph Hasenhüttl zum Problem geworden, dass einige im Team abgehängt waren – chancenlos, einen Einsatz zu bekommen. So weit soll es in dieser Spielzeit nicht kommen.


Doch das französische Duo Augustin/Mukiele etwa spielt in der Bundesliga seit Monaten keine bedeutende Rolle mehr. Mukiele saß in zwölf der letzten 14 Spiele nur auf der Bank, kam zuletzt in Nürnberg nur für eine Minute ins Spiel, um Zeit von der (Sand-)Uhr zu nehmen. Dabei hatte er bei seinem einzigen, längeren Ligaeinsatz seit November gegen Eintracht Frankfurt eine starke Partie absolviert.

Augustin saß in drei der vergangenen vier Matches komplett auf der Bank, durfte lediglich gegen Hoffenheim für eine Viertelstunde aufs Spielfeld. In den sieben Spielen der Rückrunde hatte der 21-jährige Mittelstürmer gerade einmal 26 Einsatzminuten.

Ralf Rangnick: „Nicht viel Grund, etwas zu verändern”

In der Hinserie hatte RB Leipzig die Ersatzspieler noch in der Europa League bei Laune halten können, als Rangnick regelmäßig sieben bis neun frische Kräfte brachte. Doch die Rotation ist seit dem blamablen Aus beendet, Rangnick setzt seither auf eine Stammelf mit maximal zwei, drei variablen Positionen. „Dass es nach dem Aus in der Euro League keinen Grund mehr gibt, weiter zu rotieren, war klar”, sagte Rangnick nun. Und: „Wenn ich mir unsere Abwehr anschaue, oder wie die Mannschaft gegen den Ball spielt, gibt es nicht so viel Grund, irgendetwas zu verändern.”

Auch in Partien wie in Nürnberg oder gegen den FC Augsburg an diesem Samstag (15.30 Uhr) setzt Rangnick auf seine eingespielte Formation. Für Experimente ist das große Ziel Champions-League-Qualifikation zu wichtig. „Die Spiele sind nicht dazu da, um Chancen zu vergeben. Diese Chancen muss ein Spieler sich komplett verdienen”, sagte Rangnick in Richtung seiner Ersatzspieler.

Zwar sei Augustin – Spitzname „Jika” – „auf einen besseren Weg, er ist im Kommen”, hat Rangnick beobachtet. Doch das genügt noch nicht, um an Yussuf Poulsen, Timo Werner und Cunha vorbeizukommen. „Wenn er schon wieder der Jika wäre, den wir hier schon gesehen haben, dann hätte er vielleicht in Nürnberg schon von Beginn an gespielt”, gab Rangnick zu Bedenken.

So ließ der Chefcoach im Zweifel lieber Marcel Sabitzer als hängenden Stürmer auflaufen, als auf den im Herbst in Ungnade gefallenen Franzosen zu setzen. Seit Monaten ist Augustin ein Schatten seiner selbst, verunsichert in seinen Aktionen und ohne Vertrauen des Trainers. Für die Begegnung gegen die unbequemen Augsburger deutete Rangnick immerhin die Option an, ihn einzuwechseln. Auch, weil Yussuf Poulsen wegen einer verhärteten Wade auszufallen droht.

Rangnick: „Man sollte sich gut überlegen, ob man krank ausfällt”

Den Dänen nannte Rangnick übrigens als „Musterbeispiel” dafür, sich in den Kader zu kämpfen. Ebenso wie Konrad Laimer oder Tyler Adams. „Die Spieler wissen, dass wir sehr aufmerksam hinschauen im Training. Wenn sich einer richtig anbietet, wird der Tag kommen, an dem er seine Chance kriegt”, betonte der 60-Jährige, der auch Einzelgespräche mit den Reservisten führt. Die Tür zur Stammformation ist also offen, wenngleich nur einen Spalt.

Das gilt nicht nur für Augustin, Mukiele, den Uruguayer Marcelo Saracchi und Stefan Ilsanker, sondern auch für Bruma und Emil Forsberg. Angesprochen auf den zuletzt erkrankten Bruma sagte Rangnick: „Man sollte sich im Moment gut überlegen, ob man krankheitsbedingt ausfällt. Auch wenn sich das keiner aussucht.” Mit Blick auf die professionelle Einstellung seiner Athleten sagte Rangnick: „Die Spieler wissen genau genau, dass es hilfreich ist, gesund zu sein und keine Trainingseinheit zu verpassen.”

Star auf der Bank: Emil Forsberg fällt es „schwer, das zu akzeptieren”

Und auch Star Emil Forsberg muss sich derzeit hadernd hinten anstellen. „Emil braucht jetzt in erster Linie Spiele”, weiß Rangnick, schränkt allerdings ein: „Wir haben aber keine Partien, in denen er wir ihn einfach mal spielen lassen, solange es andere auf der Position gut machen.” Was das „Durchsetzungsvermögen angeht, am Gegner vorbeizuziehen, gegen den Ball aggressiv bei Balleroberungen dabei zu sein” habe der Schwede aktuell Nachteile hinter Konrad Laimer oder Cunha. „Es fällt ihm schwer, das zu akzeptieren”, hat Rangnick beobachtet. Immerhin: Sanduhren hat Forsberg noch nicht getwittert.

Einsatzzeiten der Reservisten in der Bundesliga-Rückrunde (von möglichen 630 Minuten):

Marcelo Saracchi: kein Einsatz

Jean-Kévin Augustin: 26 Minuten

Bruma: 32 Minuten

Nordi Mukiele: 91 Minuten

Emil Forsberg: 108 Minuten

Stefan Ilsanker: 151 Minuten

Videokommentar: So schätzt RBlive-Autor Matthias Kießling die Situation ein: