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DFL-Geschäftsführer: „Mittelmäßigkeit darf nicht die neue Höchstleistung sein“

Christian Seifert gefällt das deutsche Abschneiden in Europa gar nicht. (Foto: imago/Jan Huebner)

Christian Seifert gefällt das deutsche Abschneiden in Europa gar nicht. (Foto: imago/Jan Huebner)

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat sich kritisch zum Abschneiden der deutschen Vereine in den internationalen Wettbewerben geäußert. „Die Ergebnisse in Champions und Europa League sind unbefriedigend. Mittelmäßigkeit darf nicht die neue  Höchstleistung sein“, sagte der Top-Funktionär der Deutschen Fußball Liga in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

In den Viertelfinals der beiden europäischen Wettbewerbe ist nur noch Pokalsieger Eintracht Frankfurt in der Europa League vertreten.  Meister FC Bayern München, Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 waren im Achtelfinale der Champions League an englischen Clubs gescheitert. RB Leipzig war schon in der Gruppenphase der Europa League gegen den FC Salzburg und Celtic Glasgow ausgeschieden.

Seifert sagte: „Wir sollten uns nicht immer nur am Geld der Premier League messen, das ist mir zu billig.“ Der 49-Jährige verwies darauf, dass die Bundesliga hinter Englands Top-Liga den zweithöchsten Umsatz aller Fußball-Ligen habe.

Europäische Super League weiter in der Planung?

Während die deutschen Vereine in Europa um Konkurrenzfähigkeit kämpfen, lassen Europas Spitzenclubs mit ihren Plänen für eine Super League nicht locker. Im Poker um eine erneute Reform der Champions League haben die Vertreter der European Club Association (ECA) um Juve-Boss Andrea Agnelli einen Vorschlag unterbreitet, der die bisherigen Spielpläne und damit auch viele Fan-Gewohnheiten schon bald gehörig durcheinanderwirbeln würde.

Schon jetzt gibt es massive Kritik aus den nationalen Ligen. „Alles, was die Werthaltigkeit der Bundesliga beschädigen könnte, findet überhaupt nicht meine Zustimmung. Dagegen müssen wir uns wehren“, forderte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters in BILD am Sonntag. DFL-Boss Christian Seifert hatte schon im Januar in der aufkommenden Debatte Europacup-Spiele am Wochenende als „rote Linie“ bezeichnet und vorsorglich juristische Schritte angekündigt.

Super League mit vier Achtergruppen und Auf- und Abstieg?

Bei ihrer Sitzung mit der UEFA am vergangenen Dienstag preschte die ECA-Spitze, in der auch der FC Bayern München Sitz und Stimme hat, nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur so weit vor, dass wohl noch in diesem Jahr das neue Königsklassen-Szenario beschlossen werden soll. Am Samstag hatte BILD ein mögliches Format veröffentlicht, wonach von 2024 an die Champions League in einem Drei-Ligen-System mit Auf- und Abstieg gespielt werden soll.

Entscheidende Änderung: Die Liga A würde mit vier Achtergruppen statt bislang acht Vierergruppen gespielt werden, ein Club-Europameister anschließend aus den je vier besten Teams jeder Gruppe im K.o.-System ermittelt werden. Der potenzielle Sprengstoff: Statt wie bisher in sechs Gruppenpspielen würde jedes Team schon vor dem Achtelfinale 14 Mal antreten müssen – das käme quasi einem Ligenbetrieb gleich. Europa League und die bereits beschlossene Europa League 2 würden quasi als nachrangige Wettbewerbe für die Clubs der europäischen Mittel- und Unterklasse unangetastet bleiben.

Im ohnehin pickepackevollen Fußball-Kalender wäre für die acht zusätzlichen Termine der Eliteliga kaum Platz – außer die nationalen Ligen geben flexibel Raum für eine weitere Spieltagzerstückelung. Klar ist: Die erhofften Mega-Erlöse fließen ohnehin nur, wenn der asiatische TV-Markt mit lukrativen Sendeplätzen am Wochenende zur frühen europäischen Nachmittagszeit bedient werden kann.

Spielt der FC Bayern ein doppeltes Spiel?

Unklar ist die Rolle des FC Bayern. Der Bundesliga-Branchenführer sollte von den Anführern der Fraktion Nimmersatt von Real Madrid bereits vor Jahren für eine Super League gewonnen werden, die im Gegensatz zu den jetzigen Plänen eine Spaltung von der UEFA bedeutet hätte. Auch zuletzt bestritten die Münchner ein Spiel an mehreren Fronten: Die Bundesliga nie infrage stellen, aber alle Expansionspläne wie die gerade erst beschlossene neue Club-WM von FIFA-Chef Gianni Infantino oder die ECA-Strategie nach mehr Champions-League-Millionen immer unterstützen.

Die Strategie der Spitzenclubs im Machtkampf mit der UEFA und deren zunehmend hilflos wirkenden Chef Aleksander Ceferin ist eindeutig. Jedes Risiko, dass man auch nur ein Jahr die Champions League verpassen könnte, muss ausgeschaltet werden. Der De-facto-Ligenbetrieb im angedachten Format würde aus der höchsten Königsklassen-Stufe schnell einen geschlossenen Zirkel der ohnehin Superreichen machen, die in den an Bedeutung verlierenden nationalen Ligen noch mehr Dominanz hätten.

„Die Tabellen sind schon jetzt in vielen Ligen zementiert, die Meister jedes Jahr dieselben, auch in der Bundesliga. So wird der Fußball endgültig an die Wand gefahren“, sagte der Generalsekretär des Verbunds der europäischen Fußball-Ligen (EPFL), Georg Pangl, der BILD. In der kommenden Woche trifft sich die EPFL-Spitze zum Krisengespräch mit Ceferin.

(dpa/ RBlive)