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4:2 in Leverkusen: Werner, Forsberg und Cunha drehen wilde Partie

Drehen das Spiel in Leverkusen: Werner (r.) und Forsberg. Foto: Imago/Hübner

Als Tobias Welz abpfiff, schien die Partie verloren. Es war der Halbzeitpfiff, Leipzig lag gegen Bayer Leverkusen nach zwei Toren von Kai Havertz ( 11., 23.) 1:2 zurück und wirkte trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs durch Marcel Sabitzer (17.) in dieser ersten Halbzeit so hilflos, dass kaum Hoffnung bestand, wenigstens mit einem Punkt aus dem Rheinland heimzufahren. Und dann kamen weitere 45 Minuten – und die Sachsen erhoben sich aus ihrem offenen Grab. Timo Werner, Emil Forsberg und Matheus Cunha drehten die Partie. Als Welz wieder abpfiff, stand es 4:2 für RB.

Kaum zu glauben! Schon am Morgen standen die Zeichen auf ein verdammt schweres Spiel beim Tabellensiebten. Toptorschütze Yussuf Poulsen (15 Treffer) erwachte aus dem Schlaf – schweißgebadet – und informierte umgehend seinen Trainer: Es geht nicht, die Erkältung ist zu heftig.

Klostermann und Forsberg in der RB-Startelf

Ralf Rangnick musste deshalb umstellen, er nahm Sabitzer in den Sturm, stellte Amadou Haidara ins Mittelfeld und tauschte auch Diego Demme gegen Konrad Laimer auf der Position vor der Viererkette. Lukas Klostermann kehrte zudem in die Startelf zurück so wie auch Emil Forsberg. Beide hatten unter der Woche im Pokal gegen Augsburg gefehlt.

Das Ziel war, Bayer Leverkusen keine Angriffsflächen zu bieten, die noch radikaler pressen und umschalten als die Sachsen. Die Gefahr in Konter zu laufen war groß und erwies sich in der ersten Hälfte als etwas, mit dem der Tabellendritte nicht klarkam. Gepaart mit hoher Ballsicherheit ließen die Gastgeber ihre Besucher immer wieder ins Leere laufen. Nach der ersten Gelegenheit des Spiels durch Werner, der einen Konter weit neben das Tor setzte (8.), konterte Bayer in der 10. Minute über Kevin Volland, dem Willi Orban im Strafraum auf den rechten Fuß trat. Der Bayer-Stürmer fiel, Welz pfiff Strafstoß, Havertz verwandelte eiskalt (11.).

Leipzig wackelte, Sabitzer aber brachte die Gäste kurzzeitig mit einem Freistoßtor in die Ecke von Keeper Lukas Hradecky zurück. Sechs Minuten später zirkelte Havertz einen Eckballabpraller ins lange Eck zur erneuten Führung der Leverkusener, die Volland in der 26. Minute hätte ausbauen können, wäre nicht Peter Gulacsi mit seinem Fuß zur Stelle gewesen.

Werner und Forsberg drehen die Partie

So hilflos wirkte RB lange nicht mehr in dieser Spielzeit. Die Sachsen bekamen keinen Zugriff auf die Partie und retteten sich mit Ach und Krach in die Kabine, in der Ralf Rangnick zwei Wechsel vornahm: Nordi Mukiele ersetzte Klostermann, Matheus Cunha kam für Haidara.

Zusätzlich stellte der RB-Coach auf einer Dreier – bzw. Fünferkette um. Attacke war jetzt die Devise – was Bayer Raum für Konter gab, in den sechs Minuten nach dem Wiederanpfiff Leon Bailey stieß. Der Jamaikaner entwischte der Leipziger Hintermannschaft und wuchtete den Ball aus zwei Metern ins kurze Eck unters Tordach. Leipzig schien erledigt, der Videoschiedsrichter aber meldete sich aus Köln. Welz schaute sich die Szene an – und erkannte Bailey Abseitsstellung vor dem Treffer.

Der Videoschiedsrichter hilft RB Leipzig

Aufatmen! Leipzig blieb im Spiel und zeigte endlich seine Qualitäten. Bayer geriet jetzt immer mehr in Bedrängnis, minütlich nahm der Druck der Sachsen zu. Ab der 64. Minute wurde er zu groß. Erst traf Werner per Flachschuss ins lange Eck (64.), kurz darauf entscheid Weiz nach Videostudium auf Handelfmeter, nachdem Mitchell Weiser der Ball an die Fingerspitzen gesprungen war. Eine bedenkliche Entscheidung gegen den Leverkusener, die Forsberg zum 3:2 nutzte.

Spiel gedreht! Aber es blieb eine Partie auf der Messerschneide. Lucas Alario hatte in der 75. Minute die große Möglichkeit zum 3:3. Er kam unbedrängt zum Kopfball, setzte ihn aber am langen Pfosten vorbei.

Wie es oft kommt: Treffen die einen nicht, tun es die anderen. Leipzig in diesem Fall, und wie! Cunha drehte sich bei einem Konter mit einer Rouletta, einer Piourette, die der Franzose Zinedine Zidane erfunden hat, um Weiser und lupfte den Ball anschließend über Hradecky ins Tor. 4:2 – der Schlusspunkt unter einer Partie, die RB in der ersten Halbzeit klar verloren zu haben schien und in der zweiten mit einer bemerkenswerten Leistungssteigerung drehte. (RBlive/mhe)