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Finale! RB schreibt mit Sieg in Hamburg Vereinsgeschichte

Aus dem Stadion berichtet Martin Henkel

Hamburgs Pierre Michel Lasogga ist im Kopfballduell gegen Leipzigs Ibrahima Konate chancenlos. Foto: imago/Contrast

Eine Choreo eröffnete am Dienstagabend im Volksparkstadion die Pokalhalbfinal-Partie zwischen dem HSV und RB Leipzig, die besonderen Support erforderte. „Vergesst die Angst, die mal war“, stand über die gesamte Nordkurve geschrieben, „Der Sieg ist unser, na klar!“ Was man eben alles so unternimmt, wenn nicht viel für einen Sieg spricht. Der HSV spielt in Liga zwei, RB eine Etage höher.

Es blieb ein frommer Wunsch, denn RB gewann die Partie durch zwei Tore von Yussuf Poulsen (12., 53.) und eines von Emil Forsberg (73.) 3:1 und steht damit erstmals in der Vereinsgeschichte in einem Pokalendspiel. Am 25. Mai treffen die Sachsen auf den Sieger der Partie zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen. Aber es war lange Zeit spannend – und mutig, was der Hamburger SV dem Tabellendritten entgegenstellte.

HSV kommt zurück, Jatta überrascht RB Leipzig

Der Zweitligist brauchte freilich ein paar Minuten, um sich von der Angst des Underdogs zu befreien. Bis zum 1:1 durch Bakery Jatta (24.) verlief die Partie wie nach dem Papier. RB dominierte den Zweiten des deutschen Fußball-Unterhauses vom Anstoß weg, erspielte sich im Minutentakt Chancen und ging in der 12. Minute verdient in Führung. Poulsen, der nach überstandener Angina neben Abwehrchef Willi Orban wieder in die Startelf stand, drückte eine Ecke von Marcel Halstenberg mit seiner Dänen-Stirn über die Linie.

Nichts deutete zu diesem Zeitpunkt auf eine ausgeglichene Partie hin. RB-Coach Ralf Rangnick hatte seine Edel-Elf auf dem Platz stehen, die die vergangenen 14 Spiele nicht mehr verloren und seine jüngsten acht Auswärtsspiele allesamt gewonnen hatte. Der neunte Sieg schien auch nur noch eine Formalität zu sein, denn RB ließ nicht locker und hatte nur vier Minuten später zwei Chancen am Stück, die Partie vorzeitig zu beenden. Sowohl Poulsen als auch Sabitzer trafen aus kurzer Distanz allerdings nur den Pfosten (16.).

Pausenpfiff rettete RB Leipzig vor einem Rückstand

Ein Fehler aber reichte, um das Spiel auf den Kopf zu stellen. Jatta stocherte Kevin Kampl in der 24. Minute einen Ball vom Fuß und schlenzte ihn umgehend auf RB-Torhüter Peter Gulacsi, der zu weit vor seinem Tor stand. Der Ungar  bekam den Ball nicht mehr um den Pfosten gelenkt.

Das Stadion tobte – und mit den jubelnden Fans bekamen die Hamburger plötzlich Mut wie zu besten Erstligazeiten. Fortan traten sie den Leipziger mächtig auf die Füße, gewannen mehr und mehr Zweikämpfe und schalteten geschickt um. Zwei Mal hatte Orel Mangala die Führung auf dem Fuß hatte. Zwei Mal vermasselte er es (33., 44.). Zum Glück für RB. Der Pausenpfiff rettete die Sachsen vor einem Rückstand.

Emil Forsberg sorgt in Hamburg für die Entscheidung

Wie die erste Hälfte zu Ende gegangen war, begann aber auch die zweite. RB versuchte es gepflegt, der HSV hielt mit Kampfgeist dagegen und konterte weiter fröhlich auf das Sachsen-Tor. Es brauchte Kampl und einen Geniestreich, um dem Spiel die Wende zu geben – ausgerechnet. Der Slowene lupfte in der 53. Minute einen Ball in den Hamburger Hinterhof auf Poulsen, der aus spitzem Winkel das 2:1 erzielte.

Jetzt erst waren die Zweitligaspieler erledigt. Der Mut der vergangenen Minuten verwandelte sich in Verzagtheit. Leipzig hatte fortan relativ leichtes Spiel –  und entschied die Partie in der 73. Minute endgültig. Forsberg, der zwei Minuten zuvor noch die Querlatte getroffen hatte, schoss den nächsten Ball von der Strafraumgrenze präzise neben den Pfosten.  Jubelnd rannte er vor den Block der 4400 mitgereisten Leipziger Fans, über dem vor Spielbeginn ebenfalls ein Banner gehangen hatte. Drauf stand: „Auf zum letzten Akt vor’m Finale!“ (RBLive)