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Ralf Rangnick: RB Leipzig „eine Art berufliches Lebenswerk“

Ralf Rangnick blickt zufrieden auf Karriere und seine bisherige Zeit bei RB Leipzig zurück. (Foto: imago images / Karina Hessland)

Ralf Rangnick blickt zufrieden auf Karriere und seine bisherige Zeit bei RB Leipzig zurück. (Foto: imago images / Karina Hessland)

Ralf Rangnick hat die sieben Jahre bei RB Leipzig schon jetzt „als eine Art berufliches Lebenswerk“ bezeichnet. Dies sagte der 60-Jährige dem Kicker (Print) in einem Beitrag zum zehnten Gründungstag des Vereins. Der Tabellendritte der Fußball-Bundesliga wurde am 19. Mai 2009 im Vereinsregister des Leipziger Amtsgerichts eingetragen. „Wenn ich auf sieben Jahre, die ich bei RB bin, zurückblicke, dann kommt mir das subjektiv deutlich länger vor“, meinte Rangnick.

Ralf Rangnick entdeckt die ballorientierte Raumdeckung

Noch viel länger her ist es, dass der heutige Trainer von RB Leipzig Anfang der 80er gegen Dynamo Kiew spielte und das Gefühl hatte, dass man gegen 13 oder 14 Akteure antreten würde. Darüber und über weitere Wege in seiner Karriere berichtet der RB-Trainer in einem Beitrag für „The Coaches‘ Voice„. „Kiew war das erste Team, gegen das ich antrat, das systematisch Pressing spielte.“ Zusammen mit Helmut Groß arbeitete Rangnick später beim VfB Stuttgart an der ballorientierten Raumdeckung und ließ sich vom AC Mailand unter Arrigo Sacchi inspirieren.

Rund um die Jahrtausendwende sei Deutschland in Bezug auf Taktik noch sehr rückständig gewesen. „Taktik ist was für schlechte Spieler“, soll Felix Magath damals gesagt haben. „Glücklicherweise hat sich das verändert. Eine Menge Mannschaften, gegen die wir spielen, spielen inzwischen mit Pressing. Viele Dinge die vor 10 bis 15 Jahren revolutionär waren, sind Standard geworden“, meint Ralf Rangnick.

Bei RB Leipzig wird der Kopf der Spieler weiterentwickelt

Auch in Bezug auf das Athletiktraining haben sich die Bedingungen komplett verändert. „Vor fünf Jahren hätte ich nie geglaubt, dass ein Athletiktrainer mir sagen kann, wie viele Meter und wie schnell meine Mannschaft im Training laufen soll.“ Genau das könnten diese aber, sodass man sich als Trainer bei der Belastungssteuerung nicht nur auf Gefühl verlassen muss.

Besonders wichtig sei in der Trainingsarbeit auch die Entwicklung der Verarbeitungsgeschwindigkeit im Kopf. „Wenn du die Geschwindigkeit des Spiels erhöhen willst, dann musst du schnellere Köpfe entwickeln und nicht schnellere Beine.“ Das schaffe man unter anderem im Soccerbot, in dem vergangene Spiele simuliert werden können. So ist es möglich, dass Spieler Schlüsselszenen aus früheren Partien noch mal durchspielen.

Ralf Rangnick sieht bei RB Leipzig eine „vernünftige Gruppe“, die er besser machen will

Zu seinen Spielern versucht Ralf Rangnick weiter eine besondere Beziehung zu haben. „Wenn du aufhörst, sie und ihre Ängste und Hoffnungen zu verstehen, dann muss du als Manager aufhören.“ Er sehe es als seine „Pflicht“, den Spielern dabei zu helfen, mit den Herausforderungen umzugehen, die aus dem Aufwachsen als Profi mit viel Geld resultieren. „Der Schlüssel ist, sie als Erwachsene zu behandeln, auch wenn einige immer noch Teenager sind oder sich verhalten, als wären sie in der Pubertät.“

„Im großen und ganzen“ stünden die Spieler bei RB Leipzig aber mit beiden Beinen auf dem Boden. „Es ist eine sehr vernünftige Gruppe.“ Der Job des Trainers sei es die Spieler zu verbessern. „Spieler folgen dir, wenn sie das Gefühl haben, dass du sie besser machst. Das ist meine größte, aufrichtigste Motivation.“

(RBlive/ mki/ mit dpa)