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Die glorreichen Sieben: Rangnick und seine Adepten erobern die Liga.

Die Rangnickliga. (Grafik: RBlive)

Die Rangnickliga. (Grafik: RBlive)

Florian Kohfeldt gibt sich keinen Illusionen hin. RB Leipzig wird am Samstag nicht im Schongang an die Weser reisen, um sich im selben Modus dem Trainer von Werder Bremen und seinem Kader zu präsentieren. Obwohl der Tabellendritte abgeschlossen hat mit der Meisterschaft: Es gibt nichts mehr zu gewinnen. Auch nichts zu verlieren. „Die spielen Vollgas“, vermutete der Werder-Coach zu Wochenbeginn, der Trainerkollege ist „keiner ist, der Spiele herschenkt“.

Man kennt sich schließlich. So wie jedermann Ralf Rangnick kennt. Der 60-Jährige ist ein Urgestein des bundesdeutschen Fußballs. Seit 1983 ist er Trainer, weshalb sich bestimmt auch in Kohfeldts Vita irgendein Detail finden lässt, das ihn mit dem RB-Coach verbindet. Aber siehe da: Rangnick hat nie in Bremen gearbeitet – und Kohfeldt nie woanders. Die beiden kennen sich von genau einer Partie: dem Hinspiel in Leipzig im Dezember.

Sechs Trainer in der Bundesliga, die in der Vergangenheit mit Ralf Rangnick arbeiteten

Es ist  tatsächlich schon fast eine Seltenheit, dass sich in der Bundesliga noch Trainer finden, die nichts mit dem Leipziger Coach zu tun haben. TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der im Sommer nach Leipzig wechselt, und Schalkes Bald-Übungsleiter David Wagner haben unter Rangnick in Hoffenheim als Jugendtrainer gearbeitet. Das Gleiche gilt für Adi Hütter (Frankfurt) sowie die Neulinge für die kommende Spielzeit, Oliver Glasner (Wolfsburg) und Marco Rose (Gladbach), die Rangnick während seiner Zeit als Red-Bull-gesamtverantwortlicher Sportchef  in den Nachwuchsbereich von RB Salzburg geholt hat. Hütter gewann später 2014/2015 im Profibereich das Double.

Voriges Wochenende schließlich hat Zweitligaaufsteiger Köln den nächsten Rangnick-Adepten verpflichtet. Achim Beierlorzer war Co-Trainer in Leipzig während der Aufstiegssaison 2015/2016, zuvor hatte er für ein halbes Jahr selbst die Profis und zuvor die U-17  trainiert. Rangnick sagte dazu am Donnerstag: „Achim ist einer von vielen Trainern, die über RB Karriere gemacht haben.Ich glaube die Jahre bei uns, haben ihn sich noch mal weiter entwickeln kann. Und wenn man die vergangenen zwei Jahre bei Regensburg sich ansieht, dann kann man nur den Hut ziehen.“

Beierlorzer selbst gab in einem Interview mit dem Donaukurier Anfang Mai eine Erklärung für die Schwemme an Übungsleitern mit Rangnickscher Prägung in der ersten Liga. „Ich habe in Leipzig die ganze Bandbreite an Dingen miterlebt, die man im Fußball machen kann“, sagte Beierlorzer. „Wir hatten alles. Und wir hatten mit Ralf Rangnick einen Trainer, der jedes Steinchen nochmal umgedreht hat. Von ihm habe ich die Spielphilosophie bzw. deren Umsetzung“ übernommen. Sprich: seinen Überfallfußball mit Gegenpressing und schnellem Umschaltspiel, den er in Hoffenheim, Leipzig und Salzburg zum Leitmotiv par excellence erhoben hat.

Ralf Rangnick ist stilbildend für die Bundesliga

Emblematisch für den Erfolg, den man mit diesem Fußball haben kann, ist Leipzigs Aufstieg zur momentan dritten Kraft im deutschen Fußball. Drei Jahre hat sich die Konkurrenz angeschaut, wie sich die Sachsen mit ihrem Raubritterfußball zwei Mal für die Champions League qualifiziert haben, Vizemeister wurden und im Europa-League-Viertelfinale standen. Jetzt wollen sie es auch so haben: Deshalb ersetzt Rose den gar nicht mal schlecht arbeitenden Dieter Hecking in Gladbach, deshalb muss Bruno Labbadia für Glasner weichen, obwohl er den VfL auf Europapokalkurs gebracht hat. Und deshalb ist auch Wagner bald auf Schalke.

Der Neue ist zwei Jahre in Rangnicks Fußballschule gegangen. Seine Spielidee hat er deshalb nicht wie oft angenommen von Liverpools Trainer Jürgen Klopp übernommen, unter dem Wagner später bei Dortmund gearbeitet hat, sondern „von Ralf Rangnick“, wie er vor einer Weile in einem Interview mit dem Kicker verraten hat. „Das ist die Art des Fußballs, die ich geil finde“, so der 47-Jährige, von dem sich Jochen Schneider verspricht, dass er S04 aus dem Ligakeller holt. Der neue Schalker Sportvorstand weiß nämlich, was sich mit genau diesem Fußball alles bewerkstelligen lässt. Auch er ist ein Rangnick-Mann. Zwei Jahre lang war er dessen rechte Hand in Leipzig.