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Mit Pomp und Substanzverlust: die Aussagen der Trainer und Kapitäne zum Pokalfinale

Von der PK berichten Martin Henkel und Ullrich Kroemer

Pompöser Rummel: Kovac, Neuer, der Pokal, Orban und Rangnick. Foto: Imago/Huebner

Viel zu tun hat der Deutsche Fußballbund das Jahr über nicht. Umso mehr Zeit bleibt für den einzigen großen Event des Spieljahres: das DFB-Pokalfinale. Entsprechend pompös fiel die Pressekonferenz vor der Partie zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern aus. FCB-Coach Niko Kovac war anwesend, sein Kollege Ralf Rangnick und die beiden Kapitäne Manuel Neuer und Willi Orban.

Neuer: „Wir wollen das Double“

Das tête-à-tête konnte dem Aufwand aber nur schwer standhalten. Neuer ist bekannt für Aussagen, die man ohne Substanzverlust auf ein paar Buchstaben eindampfen kann. Das war seine Spitzenaussage zum Spiel: „Ein Pokalfinale ist immer besonders, gerade in dieser Stadt, diesem Stadion. Wir wollen die Saison perfekt machen und das Double gewinnen.“

Willi Orban mühte sich immerhin, aber der Abwehrchef der Leipziger ist neu auf dem Parkett. „Für uns Spieler ist es das erste Mal im Finale, deshalb ist es eine besondere Situation“, sagte er in Neuer-Duktus, was aber auch an der Frage lag. Was soll er vier Wochen nach der Final-Qualifikation noch sagen, was er nicht schon gesagt hat zur Bedeutung der Partie? Immerhin ließ er durchblicken, dass er noch entspannt sei, „aber man spürt langsam, dass der Trubel losgeht.“

Mehr war da schon von den Trainern zu erfahren, die sind ja mit jeweils zwei Finals – Rangnick mit Schalke, Kovac mit Frankfurt – Endspiel-Routiniers. Aber Kovac hatte erst einmal Mühe, die Fragen der Bayern-Reporter nach seiner Zukunft abzuwehren. „Das ist hier keine Kovac-PK“, sagte er, „sondern eine Final-PK. Es wäre unangebracht, jetzt über meine Zukunft zu sprechen.“

Der Schlüsselaspekt: „unser Spiel gegen den Ball“

Vorm Gegner hat er großen Respekt. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis Leipzig so erfolgreich wie in dieser Saison sein würde. Ich weiß aus meiner Zeit in Salzburg, wie gut dieser Klub strukturiert ist.“ Leipzig sei der „schwerste Gegner, den wir in diesem Finale hätten bekommen können. Die letzten beiden Endspiele mit der Eintracht haben gezeigt, dass es im Finale keinen Favoriten gibt.“ Kovac verlor das erste gegen Dortmund 1:2, das zweite gewann er gegen seinen jetzigen Klub 3:1. „Das Spiel ist offen. Man braucht also auch das Quäntchen Glück.“

Rangnick hatte zuvor auch die Bayern als „schwerstmöglichen Gegner“ bezeichnet. Der Trainer erinnerte nochmal an die Spiele, mit denen RB gegen Viktoria Köln, Hoffenheim, Wolfsburg, Augsburg und Hamburg ins Finale einzog: „Wir hatten ausnahmslos schwere Gegner. Das alles gemeistert zu haben, spricht für die Jungs. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir auch in einem Finale eine Topleistung abrufen können.“

Den Schlüsselaspekt dafür benannte er mit: „unser Spiel gegen den Ball“. Das sei die wichtigste Maßnahme gegen den nominell besser besetzten Gegner. Das habe das 0:0 im vorletzten Saisonspiel gegeneinander gezeigt. „In der Partie haben wir wenige Chancen zugelassen“, so Rangnick, “ aber auch wenige kreiert“. Sprich: „Wir müssen besser umschalten.“

Das bestätigte ihm Willi Orban, der nach seinem Eingangsstatement nicht mehr zu Wort kam. Bevor die Reporterschar auseinander ging, forderte der PK-Leiter deshalb eine zweite Frage an den RB-Kapitän ein. Bekam er, es war eine nach der fehlenden Endspielerfahrung. Orban antwortete: „Wir werden den Bayern eine unheimliche Kompaktheit, Dynamik und Speed entgegensetzen und viel Mut. Uns erwartet ein Spiel auf Augenhöhe. Kleinigkeiten werden es entscheiden. Wir müssen das Momentum auf unsere Seite ziehen.“