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Vorbericht: RB Leipzig braucht gegen Bayern München „Mut und Überzeugung“

Vorbericht von Matthias Kießling
Timo Werner jubel, Niklas Süle hadert. So würden es die Fans von RB Leipzig im DFB-Pokalfinale auch gern sehen. (imago images / ActionPictures)

Timo Werner jubel, Niklas Süle hadert. So würden es die Fans von RB Leipzig im DFB-Pokalfinale auch gern sehen. (imago images / ActionPictures)

Sieben Mal traten RB Leipzig und der FC Bayern München bisher gegeneinander an. Fünfmal behielt der FCB die Oberhand, einmal RBL. In der aktuellen Spielzeit konnten die Leipziger in zwei Spielen kein einziges Tor gegen die Elf von Niko Kovac erzielen, kassierten allerdings in 180 Minuten auch nur eins.

Im DFB-Pokalfinale wird RB Leipzig gegen die beste Mannschaft Deutschlands erneut gut verteidigen, aber auch irgendwann ein Tor erzielen müssen, will man am Ende des Spiels jubeln. Wie in der Liga sind zwei Teams zu erwarten, die sich nicht mit offenem Visier begegnen, sondern darauf bedacht sind, wenig zuzulassen.

Ballbesitzteam Bayern München trifft auf Umschaltteam RB Leipzig

Von der Herangehensweise her unterscheiden sich beide Mannschaften dabei deutlich. Bayern München agiert üblicherweise in einem 4-2-3-1 und mit viel Ballbesitz und guter Ballkontrolle. 62% Ballbesitz im Schnitt über die Bundesligasaison und eine Passquote von fast 88% verweisen darauf.

RB Leipzig auf der anderen Seite definiert sich vornehmlich über das Spiel gegen den Ball und Umschaltsituationen. Entsprechend hatte man im Schnitt der Bundesligasaison keine 50% Ballbesitz und mit rund 75% angekommenen Pässen die drittschlechteste Passquote der Liga. Verantwortlich dafür ist, dass man nach Ballgewinnen schnell ins vordere Drittel spielt und entsprechend Pässe dabei auch schneller schief gehen als bei den Bayern, die sich geordneter an den gegnerischen Strafraum heranspielen. Von der Formation her ist RB Leipzig in dieser Saison flexibel aufgestellt und kann mit einer Dreier- oder Viererkette, mit Raute oder 4-2-2-2 spielen.

Teamvergleich RB Leipzig gegen Bayern München

RB Leipzig braucht erneut eine sehr gute Defensivleistung

Vor allem die Flügelpärchen Gnabry/ Kimmich und Coman/ Alaba sind für die Spielweise der Bayern wichtig. Entsprechend wichtig ist die Absicherung der Außenbahnen. Da wird es auf RB-Seite auch darauf ankommen, dass die Außenverteidiger Halstenberg und Klostermann von den äußeren Mittelfeldspielern und den Sechsern Unterstützung bekommen. Aber auch im Zentrum muss man gegen Strippenzieher Thiago gut die Räume zustellen und im besten Fall die Offensivoption Lewandowski vom Spielfluss abschneiden. Im Ligaspiel klappte das zuletzt gut. Da hatte der polnische Stürmer der Bayern nur einen Torabschluss und der resultierte aus einem direkt geschossenen Freistoß. Auch Innenverteidiger Konaté hatte einen entscheidenden Anteil an Lewandowskis Wirkungslosigkeit.

In zwei Bundesligaspielen konnte RB Leipzig die Bayern durch gutes Verteidigen bei nur einem Tor halten. Jeweils nur zehn Torschüsse ließ RB gegen das offensivstärkste Team der Liga zu. Allerdings waren darunter auch jeweils zwei, drei Großchancen. In München machte Bayern eine der Großchancen, in Leipzig vergaben Gnabry und Ribery die größten Gelegenheiten.

Offensive von RB braucht Mut und Präzision

Offensiv waren die Bemühungen von RB Leipzig in beiden Spielen überschaubar. Jeweils nur ein paar Halbchancen konnte man sich erspielen. Aus dem Umkehrspiel heraus wurde man kaum gefährlich. Zuletzt in Leipzig verteidigte Bayern gerade die Umschaltsituationen durch aufmerksames und präzises Gegenpressing sehr gut. Keine vier Pässe konnte RB spielen, bis die Bayern mit einer Defensivaktion die Bemühungen unterbrachen. Nur in zwei, drei Situationen hatte RB im Mittelfeld im Umschalten überhaupt mal Raum vor sich und diese Situationen löste der FCB durch taktische Fouls.

„Wir brauchen vielleicht noch etwas mehr Mut. Und wenn wir den Ball haben, benötigen wir noch mehr Überzeugung, mehr Schärfe und Präzision“, hat Mittelfeldmann Emil Forsberg, auf den es in Umschaltsituationen entscheidend ankommen könnte, deshalb richtigerweise erkannt. Darauf verlassen kann, dass die Defensive hält und Peter Gulacsi einen guten Tag erwischt, sollte man sich nicht ausschließlich.

Mit einem sehr guten Tag zum ersten Titel in einem nationalen Wettbewerb

In jedem Fall muss RB die Passmaschine der Bayern im Pokalfinale schneller stoppen als zuletzt in der Bundesliga. Da durfte München im Schnitt 20 Pässe spielen, bevor ein RB-Spieler eingreifen konnte. Das dürfte für das Spiel nun in Berlin zu viel sein. Gewöhnlicherweise gilt, dass die Bayern auch irgendwann zu Chancen kommen, wenn sie in der Ballzirkulation nicht gestört werden.

Es muss im größten Spiel der Vereinsgeschichte für RB Leipzig viel passen, wenn man am Ende als Sieger vom Platz gehen will. Man muss die gewohnt ballsicheren Bayern vom Kombinieren abhalten. Man muss gute Ballgewinne haben. Und man muss im Umschalten schnell, präzise und vor dem gegnerischen Tor effizient sein. RB Leipzig braucht also einen sehr guten Tag, um den deutschen Meister zu bezwingen. Aber es geht auch um den ersten nationalen Titel. Geschenkt bekommt man den von den Bayern sicher nicht.