Seite neu laden

Leipzig will zurück nach Berlin – Forsberg: „War nicht unser letztes Finalspiel!”

Von Ullrich Kroemer, Berlin
Am Boden, doch Emil Forsberg stemmt sich schon wieder nach oben (Foto: imago/ULMER Pressefoto)

Am Boden, doch Emil Forsberg stemmt sich schon wieder nach oben (Foto: imago/ULMER Pressefoto)

Die Köpfe der Leipziger Spieler und Verantwortlichen hingen nach dem 0:3 (0:1) im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern tief nach unten. Auch Emil Forsberg war nach dem verlorenen Endspiel müde und ausgelaugt. Auch weil er die größte Chance für RB vergeben hatte, als er allein auf Manuel Neuer zugelaufen, aber am fantastisch aufgelegten Bayern-Keeper gescheitert war.

Emil Forsberg: „Gemerkt, dass die Bayern mehr Titel und Finals haben”

Gefasst und geduldig rekapitulierte Forsberg in den Stadionkatakomben: „Die zweite Ballmitnahme war ein bisschen zu lang, ich bin zu nah an Neuer herangekommen und habe versucht, neben ihn zu schießen. Er hat den Ball super gehalten, erst mit der Zehenspitze und dann der Hand.”

Doch der schwedische Führungsspieler übernahm auch in der Stunde der Niederlage Verantwortung und fand Kraft, den Blick bereits wieder nach vorn zu richten. „Das war unser erstes, aber definitiv nicht unser letztes Finalspiel”, sagte der 27-Jährige. „Man hat gemerkt, dass die Bayern mehr Erfahrung aus ein paar Finals und Titelerfolgen haben”, sagte Forsberg. „Wir brauchen diese Erfahrung für das nächste Mal, um zu wissen, was wir besser machen müssen.” Wenn es nach Forsberg geht, findet dieses nächste Mal bereits in der kommenden Saison statt: „Wir wollen wieder Pokalfinale spielen, wir versuchen nächstes Jahr alles, um wieder hierher zu kommen.”

Oliver Mintzlaff: „Wir sind kampfbereit für die kommende Saison”

Auch Geschäftsführer Mintzlaff hatte trotz der Enttäuschung bereits wieder das „Tempo „der Entwicklung” im Blick. Angriffslustig sagte der Klubboss: „Uns wird die Puste nicht ausgehen, wir sind kampfbereit für die kommende Saison, wollen wieder angreifen, weil uns das hier auch gefallen hat.”

RB Leipzig hatte in den vergangenen Tagen im Zentrum des öffentlichen Interesses gestanden, war medial dauerpräsent und hatte in Berlin eine groß angelegte Werbekampagne für den zehn Jahre jungen Klub veranstaltet. „Wenn man die letzten zwei Tage durch Berlin gelaufen ist, hat man gesehen, dass RB Leipzig in der Bundesliga angekommen ist”, sagte Mintzlaff. „Das ganze Drumherum war für unseren Verein unabhängig vom Ergebnis extremst wichtig. Wir merken, dass eine große Begeisterung entstanden ist.”

Ralf Rangnick: „Die Mannschaft wird nächstes Jahr noch stärker sein”

Noch ist Abstand zum FC Bayern deutlich zu erkennen gewesen. Die Münchner rissen beide Halbzeiten mit viel Wucht und individueller Klasse an sich, hatten in allen Statistiken die besseren Werte und gewannen dieses Finale trotz enger Spielphasen letztlich mit der Selbstverständlichkeit des Branchenprimus‘. Doch RB will sich in den kommenden Jahren peu á peu an die Münchner und auch Borussia Dortmund heranpirschen.

„Der Weg, den Abstand zu den Bayern verringern, geht nicht über finanzielle Dinge, sondern dass wir weiter auf schlaue Transfers setzen. Dass wir Spieler, die kaum einer kennt, über gute Trainerarbeit entwickeln”, sagte Rangnick. Passend dazu kündigte Mintzlaff weitere „junge, hochtalentierte Zugänge” an. „Die Mannschaft wird nächstes Jahr noch stärker sein”, sagte Rangnick.

Niko Kovac sieht RB Leipzig als Dauerrivalen für Bayern München

Teure Neuzugänge mit großen Namen sind also auch weiterhin nicht zu erwarten. Die nötige Erfahrung, Finalspiele wie jene gegen Bayern zu gewinnen, sollen die Akteure beisteuern, die schon drei, vier Jahre bei RB sind. Wie sagte Rangnick einmal? „Älter werden die Spieler bei uns von ganz allein.”

Gegner Bayern jedenfalls hat RB nicht erst seit dem Spiel am Samstagabend auf dem Schirm. „Mit dem BVB und Leipzig werden in Zukunft zwei Mannschaften mit dem FC Bayern um Titel kämpfen“, sagte FCB-Trainer Niko Kovac nachd er Partie voll des Lobes: „Da entsteht etwas!“