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Unbedenklich vs. Grauzone: Sportjuristen zur RBL-SCP-Kooperation

Die Kooperation zwischen RB Leipzig und dem SC Paderborn sorgt für einigen Wirbel und unterschiedliche Ansichten. (Foto: imago images / Picture Point)

Die Kooperation zwischen RB Leipzig und dem SC Paderborn sorgt für einigen Wirbel und unterschiedliche Ansichten. (Foto: imago images / Picture Point)

Für einigen Wirbel hat die angekündigte Kooperation zwischen RB Leipzig und dem SC Paderborn gesorgt. Auf der einen Seite kritisieren Fans des SCP, dass eine solche Kooperation „auf kurz oder lang einen Verlust der eigenen Identität und der Reputation“ mit sich bringt. Laut Westfalen-Blatt gibt es aber auch Fanstimmen, die eine Kooperation befürworten. Auf der anderen Seite ist es ein Novum, dass zwei Bundesligisten sich über eine partnerschaftliche Vereinbarung miteinander verknüpfen.

Grauzone vs. juristisch unbedenklich

Von seiten juristischer Experten gibt es unterschiedliche Einschätzungen zur Kooperation der beiden Klubs. Der Sportjurist Paul Lambertz schätzt ein: „Wir bewegen uns hier in einer Grauzone der DFL-Satzung.” Das Regelwerk schreibt vor, dass Lizenzvereine und Kapitalgesellschaften weder unmittelbar noch mittelbar an anderen Kapitalgesellschaften der Lizenzligen beteiligt sein dürfen. „Ob damit nur eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung oder auch die jetzt bekannt gewordene Zusammenarbeit zwischen zwei Bundesligisten gemeint ist, ergibt sich für mich nicht eindeutig aus dem Regelwerk”, sagt Lambertz.

Sinn und Zweck der Regel sei, den sportlichen Wettbewerb zu schützen und entsprechend absprechende Vereinbarungen zu vermeiden. „Je größer und umfassender die Zusammenarbeit zwischen den beiden Klubs sein wird, desto größer die Gefahr, dass damit gegen die DFL-Satzung verstoßen wird”, so der Düsseldorfer Fachanwalt.

Sein Kollege Johannes Arnhold, Experte in juristischen Angelegenheiten rund um RB Leipzig, hingegen bewertet, dass selbst eine Einflussnahme „niemals eine justiziable Größe für den Satzungsgeber DFL sein” könne. „Hierfür ist aus juristischer Sicht einzig eine Mehrfachbeteiligung als Anteilseigner ein Bewertungskriterium. Und die liegt bei einer Kooperation nicht vor.“

Kritische Stimmen zur Kooperation aus dem Fußball, Handball und Basketball

Als ungewöhnlich wird eine Kooperation zwischen zwei Vereinen derselben Liga in anderen Sportarten angesehen. In der Handball- und Basketball-Bundesliga hält man solche Modelle laut General-Anzeiger für „schwer vorstellbar“. Man befürchte bei solchen Kooperationen einen negativen Einfluss auf einen fairen Wettbewerb.

Auch Alex Wehrle, Geschäftsführer beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln sieht im Kicker eine Gefahr der Wettbewerbsverzerrung. „Wir sprechen hier immerhin von zwei Klubs aus derselben Liga. Was ist, wenn am letzten Spieltag einer von zwei Klubs sein Ziel erreicht hat, und der andere braucht noch einen Punkt, und beide spielen gegeneinander? Hier werden ohne Not Angriffsflächen geschaffen.“

Austausch von Knowhow und Leihe von Talenten als Teil der Kooperation zwischen RB Leipzig und dem SC Paderborn

Verantwortliche des SC Paderborn haben in den letzten Tagen mehrfach betont, dass die Unabhängigkeit in den Entscheidungen des Vereins unangetastet bleiben wird. Inhalt der Kooperation soll der Austausch von Knowhow im sportlichen Bereich (Training, Hospitationen) sein. Auch Hilfe für das so erstmals in der Bundesliga arbeitende, „komplett neue Management-Team“ (Mintzlaff) des SCP ist angedacht. Denkbar sind künftig auch Leihen von Talenten aus Red-Bull-Standorten wie New York oder Bragantino.

Diesbezüglich müsse die Initiative aber immer vom SC Paderborn kommen, erklärt Markus Krösche bisheriger Geschäftsführer Sport beim SCP und künftiger Sportdirektor bei RB Leipzig. „Nur wenn der Verein einen Spieler haben möchte, wird RB aktiv“, führt er in einem Interview mit dem Westfalen-Blatt aus.

(RBlive/ ukr/ mki)