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Geplatzte Kooperation: Peinliche Pleite für beide Klubs

Ein Kommentar von Ullrich Kroemer
Belasteter Start: Markus Krösche beginnt bei RB Leipzig als Nachfolger von Ralf Rangnick mit der Hypothek der geplatzten Kooperation (Foto: imago/Revierfoto).

Belasteter Start: Markus Krösche beginnt bei RB Leipzig als Nachfolger von Ralf Rangnick mit der Hypothek der geplatzten Kooperation (Foto: imago/Revierfoto).

Die erste Pleite haben RB Leipzig und Aufsteiger SC Paderborn bereits hinnehmen müssen, obwohl die Bundesliga noch im Sommerschlaf ruht. Dass die Vereine ihre geplante Kooperation nun zurücknahmen, ist eine krachende Niederlage und peinliche Pleite für beide Klubs. Für Paderborn, weil die Ostwestfalen nach öffentlichem Druck aus der Anhängerschaft und der Fußball-Öffentlichkeit klein beigeben mussten.

Und für Leipzig, weil die Klublenker in ihrem Expansionsbestreben immer entlang rechtlicher und sportethischer Grauzonen ausgebremst wurden. Ein massiver Imageverlust für die Kurzzeit-Partner. Und die Quittung für die unbedachte und unsensible Kommunikation der Kooperationsvereinbarung, die der Öffentlichkeit im Zuge des Abgangs von Ralf Rangnick untergejubelt wurde.

Wenig Sensibilität bei den Entscheidern

Es herrschte offenbar überhaupt kein Bewusstsein bei den Entscheidern beider Vereine dafür, dass eine solche, in der Bundesliga bisher einmalige Verbindung auf massive Kritik stoßen würde. Dass sich Vereine austauschen, ist normal. Leihgeschäfte unter Bundesliga-Konkurrenten ebenso. Aber dass Paderborn als weitere Zwischenstation für Talente im weltumspannenden Red-Bull-Netzwerk fungiert, wäre eine neue Qualität gewesen, die der Fairness im sportlichen Wettbewerb nicht zuträglich gewesen wäre.

Bundesliga-Klubs sind heute auch mittelständische Wirtschaftsunternehmen. Das heißt jedoch nicht, dass sie auch in allen Bereichen geführt werden können wie ein solches. Anders als in der freien Wirtschaft hat der Sport bedingt durch das direkte sportliche Aufeinandertreffen eigene Regeln, die es zu schützen gilt. Dass sich zwei Klubs innerhalb eines Wettbewerbs durch besondere Vereinbarungen Vorteile verschaffen, ist nicht vorgesehen.

„Superkapitalist” RB Leipzig verspielt mühsam aufgebaute Akzeptanz

Durch den massiven Gegenwind, durch den Paderborn einknickte, bekam RBL vorgeführt, dass es auch für den „Superkapitalisten” (Sportphilosoph Gunter Gebauer) unter den deutschen Klubs Grenzen gibt. Durch den unüberlegten Vorstoß hat Rasenballsport in den vergangenen Jahren – auch durch die Teilnahme am DFB-Pokalfinale – aufgebaute Akzeptanz verspielt und Ressentiments bestätigt.