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RB Leipzig unter Julian Nagelsmann: „Mehr Struktur im Spiel“

Von Matthias Kießling
Julian Nagelsmann darf sich freuen, dass seine Ideen schon im ersten Bundesligaspiel zum Erfolg führten. (Foto: imago images / Bernd König)

Julian Nagelsmann darf sich freuen, dass seine Ideen schon im ersten Bundesligaspiel zum Erfolg führten. (Foto: imago images / Bernd König)

Zwei Auswärtsspiele, zwei Siege. Insbesondere das 4:0 bei Union Berlin war überraschend deutlich und souverän. So früh nach dem Trainerwechsel hin zu Julian Nagelsmann hatte man eigentlich noch nicht damit gerechnet, dass die im Detail neuen Abläufe bei RB Leipzig schon so gut funktionieren.

RB Leipzig knackt Union Berlin mit „Lockbällen auf die Sechs“

„Mehr Struktur im Spiel“ hat Kapitän Willi Orban seit dem Trainerwechsel als wichtigste Veränderung ausgemacht. Das betrifft vor allem auch die Möglichkeiten, einen defensiv agierenden Gegner zu bespielen. Im Spiel bei Union Berlin hatte RB Leipzig fast 62 Prozent Ballbesitz, eine Situation, in der man sich in der Vergangenheit oft schwer tat.

In der ersten Viertelstunde hatte RB in Berlin noch „Probleme hinter den Block“ aus Defensivspielern der Gastgeber zu kommen, wie Julian Nagelsmann nach dem Spiel eingestand. Beim 1:0 habe man es dann geschafft „mit ein paar Lockbällen auf die Sechs“ und dem Einleiten des Angriffes über die rechte Seite den Riegel zu knacken. Während Leipzig in der ersten Hälfte vor allem nach Ballgewinnen sehr gefährlich wurde, war man nach der Pause auch aus dem Ballbesitz heraus sehr gefährlich.

RB Leipzig spielt von hinten raus Fußball

Der Trainer zeige dem Team „unter der Woche, wir wir defensive Gegner knacken können“, erklärt Marcel Sabitzer, der in den ersten beiden Pflichtspielen der Saison schon drei Tore erzielt und drei Tore vorbereitet hat. „Wenn du dich an den Matchplan hältst, kann das auch funktionieren. Mir gefällt, wie der Trainer spielen lässt.“

Der Matchplan beinhaltet im Ballbesitz auch, dass „wir mehr Fußball von hinten raus spielen“, um sich dann dadurch auch vorn mehr Räume zu schaffen, wie Marcel Halstenberg erklärt. In Berlin beinhaltete das vor dem 1:0 die von Nagelsmann angesprochenen „Lockbälle“ in den Sechser-Raum, um den Gegner und dessen Defensivblock in Bewegung zu kriegen. Die anschließende Verlagerung nach Rechts sei laut Halstenberg geplant gewesen und habe dazu geführt, dass für ihn auf der linken Seite Platz für den Torabschluss entstand.

Ballbesitz unter Julian Nagelsmann als Mittel zur Raumkontrolle

„Wir wollen mehr flach und kontrollierter von hinten raus spielen“, hatte Trainer Julian Nagelsmann schon vor der Partie bei Union Berlin erklärt. Indem man den Gegner mit Ballbesitz lockt, könne man Räume kreieren, in die man spielen kann, aber auch gleichzeitig gute „Gegenpressingvoraussetzungen in der gegnerischen Hälfte schaffen“. Im Pokalspiel in Osnabrück hatte Leipzig vor allem nach der Pause noch zu viele lange Bälle geschlagen und damit die Kontrolle über das Spielfeld und die Spielgeschwindigkeit verloren.

„Es wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, bis die Jungs so mutig sind, das auch immer zu machen“, prognostizierte Nagelsmann in Bezug auf Ballbesitzstrukturen und die entsprechend vielleicht wichtigste Veränderung im RB-Spiel im Vergleich mit dem Auftreten unter Ralf Rangnick. Spiele wie jenes bei Union Berlin dürften das Vertrauen der Spieler in die Spielidee ihres Trainers in jedem Fall deutlich erhöhen. Marcel Sabitzer muss Julian Nagelsmann jedenfalls nicht mehr überzeugen.