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Nagelsmann und die Bayern: Heimliche Romanze?

Von Martin Henkel

Top-attraktiv: Leipzigs Trainer Nagelsmann (l.) und Bayern-Coach Kovac. Foto: Imago/Montage

Julian Nagelsmann will heute noch zum Friseur. Das macht bei seinen ohnehin kurzen Haaren zwar keinen sonderlich großen Unterschied. Doch der Trainer von RB Leipzig verspricht sich von dem Schnitt, dass es ihm im Spiel gegen die Bayern am Samstag (18.30 Uhr) und dessen Trainer Nico Kovac „vielleicht hilft.“

„Nico kann den Titel gern behalten“

 

Man muss dazu wissen: Sein Counterpart an der Seitenlinie des deutschen Rekordmeisters wurde unlängst von Mitgliedern eines Seitensprungportals vor Nagelsmann zum attraktivsten Fußballtrainer der Bundesliga gewählt wurde. Nagelsmann gönnt ihm den Erfolg, trotzdem soll der Friseur für Samstag sein Bestes geben. Allerdings: „Nico kann den Titel gern behalten, wenn ich nach der Partie weiterhin vor ihm platziert bin“

Es ist für den 32 Jahre alten Nagelsmann das erste Mal, dass er in ein Spiel gegen die Bayern geht und in der Tabelle vor dem Abonnement-Meister der vergangenen Jahre steht. RB ist  nach drei Spielen und drei Siegen Tabellenführer, die Bayern folgen mit zwei Punkten weniger auf Zwei, was die Partie in Leipzig in den Rang eines Spitzenspiels erhebt, obwohl der Bilanz zufolge die Sache eigentlich weniger ausgeglichen scheint: RB ist der Underdog. Von acht Begegnungen haben die Sachsen eine remis gespielt, eine gewonnen und sechs verloren – zuletzt das Pokalfinale im Mai 0:3.

Aus Landsberg am Lech

Allerdings ist Nagelsmann jetzt der Cheftrainer bei den „Roten Bullen“. Der Neue gilt als x-Faktor in der Partie gegen den großen FCB, und das nicht nur seiner Kennziffern wegen, die besser ausfallen als die seines Arbeitgebers. Drei Niederlagen als Trainer der TSG 1899 Hoffenheim stehen zwei Siege und ein Unentschieden entgegen. Er hat vor allem ein besonderes Faible für Spiele gegen den Branchenprimus.

Nagelsmann stammt aus Landsberg am Lech, das liegt 60 Kilometer westlich von München. Als Kind, erzählte er am Donnerstag, sei er wie alle anderen Kinder auch „Bayern-Fan“ gewesen. „Nur die Mutigen haben zu 1860 gehalten“, dem zweiten Münchener Klub, für den er in der Jugend gespielt hat. Dennoch blieb der Klub von der Säbener Straße die heimliche Number one,, auch wenn er das gestern herunterspielte.

Vor zwei Jahren, als es um die Nachfolge des glücklosen Carlo Ancelotti ging, verriet der Jungtrainer, dass die Bayern in seinen „Träumen eine etwas größere Rolle“ spielen. Er komme schließlich aus der Nähe, habe in München gewohnt und dort sein Haus stehen. Als würde er diese Zuneigung untermalen wollen, zeigte er sich in der Bewerbungsphase bei einem Spiel der Bayern in einen knallroten Dufflecoat – was allerdings nicht dazu führte, dass er aus Hoffenheim zum Klub seiner Träume wechselte, sondern sich plötzlich weiter davon entfernte. Im Mantel wirkte es, als würde er sich heranschmeißen.

Mantel des Anstoßes: Nagelsmann im roten Dufflecoat. Foto: Imago/MIS image

Seither geht Nagelsmann merklich auf Distanz. „Aus dem Zusammenhang“ seien seine Aussagen damals gerissen worden“, versicherte er gestern. Von einer persönlichen Beziehung zu den Bayern wisse er sowieso nichts, erklärte er darüber hinaus. Sein Interesse am Gegner: rein sportlich. Der Mantel: Bei Ebay für 1560 Euro gekauft. Der Erlös: gestiftet. Und sollte er niemals nie Trainer bei den Bayern werden: „Werde ich trotzdem sehr glücklich sein.“

So hat es sich für den Moment zwischen dem jungen Coach und dem altehrwürdigen Klub. Nagelsmann machte deshalb kein großes Ding aus dem Topspiel. Nach vier Spieltagen ist ja weder was gewonnen noch verlorent. „Gegen die Bayern zu spielen“, sagte er, „ist eine besondere Herausforderung. Du kannst 2:0, 3:0 führen – und trotzdem hast du sie nicht besiegt, wenn du nicht bis zum Schluss Vollgas gibst. Man muss sich unbedingt zutrauen, zu gewinnen.“ Das aber ist bei ihm kein Thema, denn dafür sind heimliche Romanzen ja da. Ob mit oder ohne neue Frisur: „Ich will gewinnen!“ (RBlive)