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Hausverbote wegen Pyrotechnik: RB-Ultras erklären Boykott bei Mainz-Spiel

Verließen erst kurz vor Anpfiff ihre Plätze: Die aktiven Fans (schwarz gekleidet) im Zentrum des Sektor B (Foto: imago).

Verließen erst kurz vor Anpfiff ihre Plätze: Die aktiven Fans (schwarz gekleidet) im Zentrum des Sektor B (Foto: imago).

Im Zentrum von Fansektor B klaffte beim 4:1 gegen Mainz ein großes Loch. Teile der aktiven Fanszene haben die Partie boykottiert, weil zuvor vom Verein Stadionverbote wegen Pyrotechnik-Vergehen ausgesprochen worden waren. Aus dem Stadion berichtet Ullrich Kroemer.

Teile der aktiven Fanszene von RB Leipzig hat das Bundesligaspiel gegen Mainz 05 am Sonntagnachmittag boykottiert. Kurz vor Anpfiff verließen die Anhänger ihre Plätze. Der Bereich mitten im Fanblock, aus dem sonst die meiste Stimmung im Stadion kommt, war leer. Das wirkte sich auch auf die Atmosphäre im Stadion aus, die Unterstützung fiel deutlich leiser als üblich aus.

Nach der Partie wurde bekannt, dass die ultraaffinen Fans dem Spiel aus Solidarität fernblieben, weil zwei Anhänger mit Stadionverboten wegen Pyrotechnik-Vergehen belegt worden waren. Dabei handelt es sich um das Landesklassespiel der zweiten Frauenmannschaft von RB Leipzig gegen Roter Stern Leipzig am 9. Dezember auf dem Platz an der Teichstraße vor 360 Zuschauern. Auf Fotos von dem Spiel sind Nebelschwaden zu sehen.

Oliver Mintzlaff: „Gegen Pyrotechnik rigoros durchgreifen”

„Wir haben immer gesagt, dass wir gegen Pyrotechnik rigoros durchgreifen. Es wurde gefährliche Pyro gezündet, und das hat bei uns gar nichts verloren”, erklärte Klubboss Oliver Mintzlaff. „Wir wollen ein friedliches Miteinander haben. Es gibt klare Grenzen. Wenn die Fans daraufhin gehen und ihre Mannschaft nicht anfeuern wollen, ist das ihre Entscheidung.”


Mintzlaff sprach von etwa 50, 60 Personen, die das Spiel boykottierten. Tatsächlich dürften es aber deutlich mehr gewesen sein. „Der Rest des Fanblocks hat aber gute Stimmung gemacht, die Mannschaft umso mehr angefeuert”, beobachtete Mintzlaff.

In der Fanszene und den sozialen Netzwerken wurde danach diskutiert, ob das Verhalten des Vereins überzogen oder angemessen ist:


Auch beim Europa-League-Spiel in Salzburg war Pyrotechnik im Block von RB Leipzig gezündet worden. „Wenn wir die Namen bekommen, werden wir das selbstverständlich auch sanktionieren”, kündigte Mintzlaff an. Noch sei das aber nicht gelungen. In den sozialen Netzwerken bekamen der Verein neben Kritik auch Unterstützung für sein rigoroses Vorgehen.

Red Aces kritisieren perfide Methoden

Nach dem Spiel gegen Mainz äußerten sich die Red Aces zum Boykott und den Gründen. In dem Beitrag beschreiben sie die Pyroaktion im Spiel beim Roten Stern als „mit allen Parteien abgesprochen“. Weder für den Schiedsrichter, noch für den gastgebenden Verein sei es ein Problem gewesen.

Die Methoden mit denen RB nach der Partie versucht habe, Verantwortliche für den Einsatz von Pyrotechnik zu ermitteln, bezeichnen die Red Aces als „perfide“. Mit Fotos habe man in RB-Fankreisen versucht, Namen und dazugehörige Gruppen zu ermitteln. Trotz ausbleibender Aussagen von Zeugen habe der Verein zwei Fans ein Hausverbot per Post übermittelt und sie am Spieltag vor dem Stadion auch mündlich informiert.

Oliver Mintzlaff hatte zuvor noch von Stadionverboten gesprochen. Diese können je nach Vergehen auch bundesweit gelten, sind aber zeitlich befristet. Hausverbote gelten nur für die Räumlichkeiten von RB Leipzig und sind nicht zwangsläufig zeitlich befristet.

Gestörtes Vertrauensverhältnis zur Fanbetreuung von RB Leipzig

Kritisch sieht die Fangruppe, dass der Verein die Hausverbote unter Umgehung der bestehenden Stadionverbotskommission bei RB Leipzig ausgesprochen hat. Auch hinsichtlich des Datenschutzes bleiben den Betroffenen Fragen. Aus Solidarität mit den von den Hausverboten belegten Personen habe man sich entschieden, das Stadion direkt nach dem Anpfiff des Spiels gegen Mainz 05 zu verlassen.

„Wir sind alle Freundinnen und Freunde, die sich nicht spalten lassen. Gerade der extreme Vertrauensverlust zu zwei Personen der Fanbetreuung hat uns hart getroffen und geht nicht ohne Spuren an uns vorbei“, richtet man direkte Vorwürfe an Fanbetreuer des Vereins. Man habe gegenüber „anderen Personen des Vereins“ aber Bereitschaft zum Dialog ausgedrückt.

Kritik am RB-Vorgehen aus dem Umfeld des Roten Stern

Kritik am Vorgehen von RB Leipzig kam auch aus dem Umfeld des Roten Stern Leipzig. „Das Vorgehen, das aktuell im Raum steht, ist unglaublich und kann gewiss nur ein Irrtum sein, oder?“, fragt beispielsweise Sterne- und Stadtratsmitglied Adam Bednarsky bei Twitter. In Frage steht auch noch die Rechtsgrundlage für die Hausverbote anlässlich eines Spiels, bei dem RB nicht das Hausrecht hatte.

Gespalten sind bisher die LeserInnen von RBlive. In einer Umfrage hier unter diesem Artikel steht es ungefähr 50:50 zwischen Menschen, die das Vorgehen des Vereins richtig finden und jenen, die es für übertrieben halten.