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RB-Spieler des Spiels bei Bayern München: Kein Abend für Offensivspieler

Von Matthias Kießling
Diesen Ball lenkt Robert Lewandowski noch an den Pfosten. Gegen Franck Ribery ist er später machtlos. (Foto: Imago)

Diesen Ball lenkt Robert Lewandowski noch an den Pfosten. Gegen Franck Ribery ist er später machtlos. (Foto: Imago)

Das Spiel zwischen Bayern München und RB Leipzig war geprägt von beiderseitiger Vorsicht. Die Defensivreihen der Mannschaften prägten das Aufeinandertreffen. Dabei ging den Gästen nach sehr gut aufgegangenem Matchplan ab der 70. Minute etwas die Puste aus, sodass Franck Ribery noch den Siegtreffer erzielen konnte.

Peter Gulacsi ist beim Vereiteln von Großchancen Extraklasse

Viele Chancen sich auszuzeichnen, bekam Keeper Peter Gulacsi in einer chancenarmen Partie eigentlich nicht. Lediglich zehn Torschüsse gaben die Bayern ab. Auf Seiten von RB Leipzig waren es acht. Aber wenn es drauf ankam war der Ungar in gewohnt starker Manier da. Vor allem bei Großchancen von Robert Lewandoski und Joshua Kimmich bewahrte er RB Leipzig vor einem früheren Rückstand. Wenn gegnerische Spieler allein vor ihm auftauchen, hält Gulacsi diese Saison bisher 57 Prozent aller Bälle, so viel wie kein anderer Torwart der Bundesliga. Beim deutschen Nationalkeeper Manuel Neuer sind es gerade mal 13 Prozent.

Trotz Niederlage war Gulacsi für den Kicker (Print) Mann des Abends beim Spiel zwischen Bayern und RB Leipzig. „Bevor er überwunden wurde, rettete Peter Gulacsi zweimal klasse. Er lenkte Lewandowskis Schuss an den Pfosten (24.) und parierte auch gegen Kimmich (79.) ganz stark“, stellte das Blatt Gulacsi Reaktionen bei zwei Großchancen in den Mittelpunkt. Aus dem Gästeblock wurde er dafür mit den schon bekannten „Gulacsi“-Rufen lautstark bejubelt. Erst bei der dritten Großchance war er dann gegen Ribery machtlos.

Innenverteidiger von RB Leipzig und Bayern München als beste Feldspieler

Auf Leipziger Seite sah der Kicker mit Dayot Upamecano einen Innenverteidiger als besten Feldspieler. Genauso wie auf der Bayern-Seite. Dort ragte Niklas Süle aus der Mannschaft heraus. Upamecano rettete in vielen Situationen und hatte in der ersten Halbzeit nach einer Ecke die Führung auf dem Kopf, patzte allerdings auch vor dem Gegentreffer. Süle seinerseits lieferte sich viele Duelle mit Poulsen oder Werner und löste fast alle Situationen mit beeindruckender Sicherheit und Zweikampfstärke.

Die Stürmer mühten sich derweil über 90 Minuten um Torgefahr, waren dabei aber kaum erfolgreich. Yussuf Poulsen und Timo Werner hatten zusammen lediglich zwei Torschüsse. Poulsen hatte dabei kurz nach dem Rückstand nach einer Ecke aus Nahdistanz den Ausgleich auf dem Kopf, verfehlte aber das Tor knapp. Es war einer von nur zwei RB-Torschüssen von innerhalb des Strafraums. Beide Aktionen folgten Standards. Aus dem Spiel heraus konnte sich RB Leipzig in 90 Minuten nicht ein einziges Mal in den Strafraum spielen, um dort zum Abschluss zu kommen.

Wer war euer Spieler des Spiels?

Kevin Kampl als Most Involved Player (MIP)

Getragen wurde das eher unruhige Spiel von RB Leipzig gegen Bayern München vor allem von Kevin Kampl. Der Mittelfeldmann war an 13% aller sogenannten Episoden (Ballbesitzphasen) und an sechs von acht Torschüssen beteiligt. Das zeigt eine Analyse von read-the-game.com.

Auch Bruma und Timo Werner waren an überdurchschnittlich vielen Torschüssen beteiligt. Während Werner abgesehen von einem Versuch aus der Distanz vor allem in die Entstehung eingebunden war, versuchte es der engagierte, aber glücklose Bruma dreimal selbst. Diego Demme und die Außenverteidiger Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann waren in München besonders häufig an Ballbesitzphasen ihres Teams beteiligt.

Timo Werner, Kevin Kampl und Diego Demme dominieren die Offensive von RB Leipzig

Über die Saison gesehen dominieren weiter Timo Werner und Kevin Kampl gemeinsam die Offensive von RB Leipzig. Der Stürmer und der Mittelfeldmann waren an 95 bzw. 91 Torschüssen beteiligt, mit großem Abstand die Topwerte bei RB Leipzig. Im Bundesligavergleich liegt Werner damit hinter Max Kruse (118), Thorgan Hazard (116) und Joshua Kimmich (98) auf Platz 4. Kampl liegt auf Platz 5.

Was die Beteiligung an Spielstrukturen angeht, rückt Diego Demme in den Mittelpunkt. An insgesamt 18% aller RB-Episoden war er bisher schon beteiligt, der zehnthöchste prozentuale Anteil aller Bundesligaspieler. Kevin Kampl, der zweite große Spielgestalter bei RB Leipzig folgt mit 13% bereits mit deutlichem Abstand.

Wann immer der Ball von einem Team kontrolliert wird, nennen die Experten des Instituts für Spielanalyse (read-the-game.com) diese Phase Episode. Aneinander gereiht und ergänzt mit den Episoden des Gegners sowie der Chaos-Phasen, in denen keine Mannschaft den Ball unter Kontrolle hat, ergibt sich ein detailliertes Bild eines Spiels. Betrachtet und vergleicht man diese Episoden einer Partie mit denen einer ganzen Saison, erhält man ein Profil davon, wie Mannschaften Fußball spielen und zu Torerfolgen kommen.