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Dritte Halbzeit in Augsburg: Wer hat Schuld am Handgemenge?

Aus dem Stadion berichtet Martin Henkel

Beste Freunde? Leipzig und Augsburg im regen Austausch von Gedanken. Foto: Imago/Huebner

Wer hat da wen angestänkert? Und was führte zu dem Handgemenge auf dem Platz der Augsburger Arena, in der sich Dienstagabend der FCA und RB Leipzig einen 120-Minuten-Krimi lieferten? Mit dem besseren Ende für die Sachsen. 2:1 gewann der Tabellendritte den Pokalfight nach Verlängerung.

Handgemenge nach Abpfiff: FC Augsburg flippt aus

Mit dem Schlußpfiff aber ging es rund. 120 Minuten mit dem 1:0 durch Werner in der 74., dem 1:1 durch Finnbogason in der 94., und dem Siegtreffer von Halstenberg hatten die Nerven auf beiden Seiten merklich aufgerauht. Der letzte Treffer war ein Strafstoß nach Handspiel von Gregoritsch, Sekunden vor dem Ende der Verlängerung.

Augsburg flippte aus, RB auch. An der Seitenlinie bekamen sich FCA-Manager Stefan Reuter und RB-Chef Oliver Mintzlaff in die Wolle, auf dem Rasen geriet RB-Coach Ralf Rangnick in ein Handgemenge zwischen Spielern und Betreuern. Pokal eben, wie Leipzigs Kapitän Willi Orban die Erregung nach der Partie herunterkochte. „Da waren Emotionen auf beiden Seiten. Ich hatte nicht mehr den richtigen Überblick, aber es war noch alles im Rahmen, denke ich. Das gehört dazu.“

Was war passiert? Nach Ansicht der Leipziger hatte FCA-Co-Trainer Jens Lehmann das Spiel über immer wieder in die RB-Coaching-Zone gestänkert. Also schritt Mintzlaff nach Schlußpfiff zum Gegner hinüber, um sich zu beschweren. Derweil wurde Rangnick auf dem Platz von Jeffrey Gouweleeuw angerempelt, während er Schiri Stieler gerade die Hand schüttelte. Ein Handgemenge folgte, Spieler und Funktionäre gingen sich an die Reverse.

Reuter sagte: „Eine bodenlose Frechheit, wie er (Mintzlaff, Anm. Red.) sich nach dem Schlusspfiff verhalten hat. Anstatt sich mit seiner Mannschaft über das Weiterkommen zu freuen, stürmt er in unsere Coaching-Zone direkt zu unserer Bank. Man sollte mit Anstand verlieren, aber heute hat man gesehen, dass man mit extremer Arroganz offensichtlich gewinnt.“ Mintzlaff brauche gar nicht mehr zu kommen und sich zu entschuldigen. „Das kann er sich sparen, so verhält man sich nicht.“

Mintzlaff hielt dagegen. Bei Sky sagte er: „Ich war bei Jens Lehmann und habe gesagt, dass es nicht fair ist, permanent bei uns in der Coaching-Zone zu stehen. Da sind die Gemüter hochgekocht. Das ist okay, das kann ich verstehen. Aber alles halb so wild. In der Mixed-Zone meinte er dann: „Das ist eine neverending Story“. Augsburg und RB sind sich seit geraumer Weile nicht mehr grün.

RB Leipzig wohl nicht ganz so sauber wie dargestellt

Rangnick sprang seinem Vereinskollegen natürlich bei: „Derjenige, der die Coaching-Zone am häufigsten verlassen hat, war sicherlich Stefan Reuter und keiner der beiden Trainer, da können sie mal Gift drauf nehmen. Das ist nichts Außergewöhnliches, wenn man in Augsburg oder auch in Leipzig spielt. Ich habe damit kein Problem, aber jetzt so zu tun, als ob wir diejenigen sind, die sich nicht richtig verhalten haben… Der vierte Offizielle ist nach dem Spiel auf uns zugekommen und hat uns ausdrücklich gelobt für die Art und Weise, wie sich unsere Bank verhalten hat.“

Ganz so sauber wie dargestellt, verhielten sich aber auch nicht alle Leipziger. Rangnick etwa verweigerte seinem Kollegen Manuel Baum nach der gemeinsamen Pressekonfernz mal wieder den Handschlag – so wie schon nach dem 0:0 unlängst in Leipzig. Zuvor hatte er sich um Deeskalation bemüht. „Ich wollte dem Schiedsrichter nach dem Spiel die Hand geben, da habe ich einen leichten Rempler bekommen. Danach gab es Rudelbildung. Dass die Emotionen nach so einem Spiel hochgehen, kann ich verstehen. Das ist alles okay“, sagte der 60-Jährige, der damit aussprach, was vor allem die Spieler dachten: alles halb so wild!

Peter Gulacsi meinte: „Es ist völlig normal, dass ein solches Spiel solche Emotionen erzeugt. Das ist Teil des Fußballs.“ Marcel Halstenberg erklärte: „Ich wollte eigentlich zu unseren Fans ein bisschen jubeln. Dann sind aber Leute aneinander geraten, ich weiß nicht, wer. Aber es ist klar, dass in einem Pokalspiel Emotionen eine große Rolle spielen.“