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Scouting-Datenklau: Firmenchef hat „Restzweifel“ am Einzeltäter – Frankfurt widerspricht

Eintracht-Chefscout Ben Manga brachte den Stein um den Skandal um geklaute Scouting-Daten von RB Leipzig angeblich ins Rollen. (Foto: imago images / Hartenfelser)

Eintracht-Chefscout Ben Manga brachte den Stein um den Skandal um geklaute Scouting-Daten von RB Leipzig angeblich ins Rollen. (Foto: imago images / Hartenfelser)

Ende Mai wurde bekannt, dass sensible Scouting-Daten von RB Leipzig durch mindestens einen Mitarbeiter von Eintracht Frankfurt gehackt wurden. Dabei handelte es sich um einen Zugang zum Scoutingsystem der Firma ISB. Diese kündigte daraufhin als geschädigte Partei eine Klage an.

Laut Sportbild (Print) wurde diese Klage nun beim Landgericht Frankfurt eingereicht. Dabei geht es um Schadensersatzforderungen von ISB gegenüber Eintracht Frankfurt in mittlerer fünfstelliger Höhe. Es geht um fast 6.000 Zugriffe auf die Datenbank über einen RB-Account von einem Server von Eintracht Frankfurt aus. Bis zum 15. Juli müsse die Eintracht gegenüber dem Gericht erklären, ob man sich gegen die Klage verteidigen wolle.

ISB weist Einzeltätertheorie zurück

Streitpunkt ist, ob bei der Frankfurter Eintracht lediglich ein Mitarbeiter auf den RB-Scoutingaccount zugriff oder ob mehrere Mitarbeiter beteiligt waren. Auch in Zweifel steht, ob der illegale Zugriff tatsächlich lediglich Daten aus dem Nachwuchsbereich galt, wie die Eintracht bisher behauptete.

„Die Häufigkeit und intensive Nutzung über 22 Monate lässt den Rückschluss zu, dass es sich nicht nur um eine Einzelperson handelt – speziell, wenn man weiß, was Trainer zu leisten haben, welches Arbeitspensum sie bewältigen müssen. Es bleibt zumindest ein Restzweifel, ob es sich um nur eine Person handelt“, weist Jürgen Kost erneut die Einzeltätertheorie zurück.

Frankfurt-Präsident Burkert: „Kein Systemfehler im Verein“

In Frankfurt widerspricht man dieser aber nach wie vor. „Es wird der Eindruck erweckt, es wäre eine ganze Schar über die Datenbank hergefallen, das stimmt aber nicht“, sagt Frankfurts Präsidiumsmitglied Dieter Burkert beim Kicker. „Aus der Anzahl der Zugriffe zu schließen, dass es mehrere Leute waren, ist schlicht falsch.“ Die Eintracht habe in einer aufwendigen Untersuchung seit dem Bekanntwerden des Vorfalls ermittelt, dass der Mitarbeiter der Einzige Nutzer des illegalen Zugangs war. „Unser IT-Leiter hat keine weiteren Zugriffe aus dem Haus auf die Datenbank erkannt.“ Dementsprechend gebe es keinen auch keinen „Systemfehler“ im Verein.

Prahlt Eintracht-Chefscout gegenüber RB-Sportkoordinator mit kostenlosem Datenbank-Zugriff?

Den illegalen Zugang zur Datenbank hatte sich ein damaliger Eintracht- und vormaliger RB-Nachwuchstrainer angeblich über den inzwischen entlassenen Chefscout von Red Bull New York, besorgt. Herausgekommen war der Zugriff auf die RB-Daten offenbar, weil Eintracht-Chefscout Ben Manga dies gegenüber einem RB-Mitarbeiter ausplauderte.

Laut ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost habe Manga „mit dem kostenlosen Zugang geprahlt“, wie Sportbild berichtet. Beim Leipziger Mitarbeiter soll es sich um den ehemaligen Sportkoordinator Jochen Schneider gehandelt haben. Dem Bericht zufolge sieht Eintracht Manga nicht als Teil der Klage, weil der nicht für den beklagten e.V., sondern für die ausgegliederte GmbH arbeitet.

Eintracht Frankfurt mit komplettem Einblick in das ISB-Scouting von RB Leipzig

Zudem sei „eindeutig belegbar, dass nicht nur Jugendspieler aus der Datenbank gezogen wurden. Der Blick geht nicht Richtung Eintracht Frankfurt U17, sondern eher in Richtung Profibereich.“ So sei beispielsweise auch Sebastian Polter von Union Berlin über die Scouting-Software beobachtet worden. Zuletzt habe Frankfurt mit Rodrigo Zalazar einen 19-jährigen Uruguayer verpflichtet und nach Polen weiterverliehen, den man vor einem Jahr über die ISB-Datenbank gescoutet hatte. Auch Nachwuchsspieler, die letztlich zur Eintracht kamen, beobachtete Frankfurt demnach über den RB-Zugang.

Dank des illegalen Zugriffs auf den RB-Account war Eintracht Frankfurt zudem immer davon informiert, was und wen die Leipziger selbst scouteten. „Frankfurt wusste über das Portal definitiv, was in Leipzig abgeht, wer gescoutet wurde.“ RB hatte sich nach Bekanntwerden des Skandals dagegen vergleichsweise zurückhaltend geäußert und ging nicht davon aus, dass der Datenklau auch bei den Spielerverpflichtungen der Eintracht eine Rolle spielte.

(RBlive/ mki)