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„Düsterer Vorgeschmack und bestürzende Szenen” So wird der Restart im Ausland kommentiert

Keiner da: Angelino mit Blick von der Eckfahne auf das leere Stadion.

Keiner da: Angelino mit Blick von der Eckfahne auf das leere Stadion.

Sport (Spanien): „Die Bundesliga stand gestern zum ersten Mal in ihrer Geschichte im Zentrum der Welt. Und wer weiß, vielleicht auch zum letzten Mal. Die Spiele erlaubten einen Vorgeschmack auf die düstere Zukunft, die dem Fußball auch bei uns und im Rest Europas bevorsteht, wenn es wieder losgeht. Es waren bestürzende Szenen zu beobachten: leere Tribünen, die Rufe der Spieler, die in der Stille der Stadien widerhallten, nach merkwürdigen Toren der Jubel ohne Umarmungen und unter Wahrung der Abstandsregeln, auf der Ersatzbank Spieler mit Masken und zwei Metern Abstand zwischen sich und Interviews mit Mikrofonen an meterlangen Stangen.

Sportlich betrachtet gab es Mannschaften mit sehr unterschiedlichem Leistungsniveau zu sehen. Einige der Begegnungen erinnerten mehr an Trainingsspiele vor Saisonbeginn. Der strahlende Sieger des Tages war ohne Zweifel der Norweger Haaland, der derzeit aufsehenerregendste Spieler im Weltfußball. (..) Doch Haaland mal außen vor gelassen, hat die Rückkehr einer der großen Ligen uns die großen Schwierigkeiten vor Augen geführt, die vor allen Ländern liegen. Fußball ohne Publikum ist kalt, unnatürlich und wirkt gekünstelt. Ohne Heimspiele ähneln die Begegnungen mehr einer Trainingsrunde als dem herrlichen Spektakel, das sie sein sollten. Ist das eine ideale Lösung? Ohne Zweifel ist sie das nicht, aber schlimmer wäre, es gar nicht erst zu versuchen.”

AS (Spanien): „Der Fußball wirkte gezwungen affektiert, ohne Begeisterung und ohne den Beitrag des Publikums, nach dem sich die Fans, die Spieler und das Fernsehen sehnen. Fußball sehen wir jetzt mit den Augen des Fernsehens, aber die Schlachtenbummler sind unverzichtbar. (..) Es ist viel über die ganz praktischen, handfesten Folgen der Ausgangsbeschränkungen gesprochen worden. Viel weniger ist darüber gesprochen worden, welche seelischen Folgen das für die Spieler hat. Sie finden sich mit dem Widerspruch konfrontiert, an einem auf Kontakt angelegten Spiel teilzunehmen, während nun Distanz das Gebot der Stunde ist.”

„Die Bundesliga hat gezeigt, wie es geht”

The Independent (England): „Es mag nicht Fußball gewesen sein, wie wir ihn kennen. Aber es war Fußball. Und irgendwie war es wohl passend, dass Erling Haaland, der weithin als die Zukunft dieses Spiels gesehen wird, das erste Tor der neuen Post-Covid-Ära geschossen hat. Dass Dortmund vor diesem Hintergrund exquisiten Fußball geboten hat, war umso passender und erfreulicher. (...) Die Bundesliga hat gezeigt, wie es geht. Sie hat für diesen Sport einen Präzedenzfall geschaffen. Das wird helfen, das Denken zu verändern. Sicher war dies nicht die Art und Weise, die wir uns für das Comeback des Fußballs gewünscht hätten. Ganz bestimmt war das keine Derby-Atmosphäre, insbesondere keine Revierderby-Atmosphäre. Es hatte überhaupt keine Atmosphäre. Das ist natürlich nicht zu bevorzugen, denn es ist einfach nicht dasselbe ohne die Fans. Aber es ist immer noch besser, als gar kein Fußball. Und sicherlich besser, als keine Fußballklubs mehr zu haben.”

Sonntagszeitung (Schweiz): „Als der 26. Spieltag beginnt, passiert zuerst vor allem eines. Die Schreie der Trainer und Spieler prallen an den Tribünen ab. Es hallt durch die Stadien, als ob in Höhlen gespielt würde. (...) Wie war's an diesem Geisterspiel-Premierentag? Schon sonderbar immer wieder. Dortmund stürmt aufs Schalker Tor – im Stadion bleibt's still. Freiburgs vermeintliches 2:1 gegen Leipzig Sekunden vor Schluss wird vom Videoschiedsrichter aberkannt – null Aufregung. Vergebene Großchance? Irgendwie auch nicht so schlimm wie sonst. Ist das der Fußball, den die Welt sich wünscht? Nicht unbedingt. Doch besser als nichts ist es. Im Moment zumindest. Wie es in drei, vier Wochen aussieht, ist eine andere Frage.”

„Ein surrealer Fußballnachmittag”

Gazzetto dello Sport (Italien): „Hätten wir für die Menschheit einen Fußballer wählen müssen, nur um diesem Bastard eines Virus ins Gesicht zu schlagen, hätten wir uns für Erling Haaland entschieden. (...) Er ist es, der herabsteigt und den ersten Schritt auf diesem unbekannten Planeten tut, die Augen der Welt auf ihm, und sein Hemd so gelb wie der Mond. Borussia Dortmund-Schalke 04, er schießt in der 29. Minute ins Netz. (...). So sieht ein Tor in Zeiten des Coronavirus aus. Der erste Schritt von Neil Armstrong ist noch mal etwas anderes, aber das Tor des Norwegers ist Geschichte. Die Bundesliga hat den Fußball nach Monaten des Todes und der Angst wieder zum Leben erweckt, hat die Weichen für die anderen gestellt, die immer noch nach Mut und Protokollen suchen.”

De Telegraaf (Niederlande): „Es ist ein surrealer Fußballnachmittag im Signal Iduna Park und den fünf anderen Bundesliga-Stadien, wo am Samstagnachmittag um halb vier der Startschuss zur Wiederaufnahme der Bundesliga fiel. Ganz Europa schaut zu, wie Deutschland als Vorreiter den Profifußball in der Coronazeit wieder aufnimmt. Mit einem sehr strengen und umfangreichen Maßnahmenpaket meinen der Deutsche Fußballbund und die Behörden genügend Garantien für einen verantwortungsvollen Liga-Abschluss eingebaut zu haben. Angesichts der Gefahr möglicher neuer Infektionsausbrüche ist das disziplinierte Verhalten der Fans bei der Wiederaufnahme der Bundesliga ein großer Glücksfall. Die deutschen Fußballfans zeigen fast alle sehr viel Disziplin und bleiben zu Hause, um die Spiele am Fernseher zu verfolgen.” (RBlive/dpa/ukr)

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