Julian Nagelsmann und die Bayern

"Nachts rufe ich die Namen meiner Spieler"

Trainer des FC Bayern hat sich sehr zum Erstaunen der Klub-Granden schnell beim ehemaligen FC Hollywood eingewöhnt. Was treibt den ehemaligen Leipziger Coach um?

Von RBlive/hen, sid 04.02.2022, 11:00
Bayern-Krieger Julian Nagelsmann
Bayern-Krieger Julian Nagelsmann (imago/lackovic)

Julian Nagelsmann schlägt sich zur Zeit viele Nächte um die Ohren. Zum einen verfolgt er die NFL, dann schaut er die Serie "Der Pass". Diese habe "leichtes Suchtpotenzial". Und ab Freitag steht auch noch Olympia auf seinem TV-Programm. Aber als junger Mensch brauche er ja "wenig Schlaf, fünf Stunden reichen", sagte er mit einem Schmunzeln gestern.

Und wenn der Trainer von Bayern München dann doch mal schläft, verfolgen ihn Thomas Müller oder Manuel Neuer in seinen Träumen. "Manchmal, wenn ich nach einem Spiel schlafe, rufe ich die Namen meiner Spieler. Das hat mir meine Frau mal erzählt. Manchmal wacht sie davon in der Nacht auf", erzählte Nagelsmann unlängst.

Fußstapfen zu groß?

Der 34-Jährige, der am Samstag (18.30 Uhr/Sky) vor dem zweiten Duell gegen seinen Ex-Klub Leipzig steht, hat sich dem Rekordmeister, in dessen rot-weißer Bettwäsche er schon als kleiner Junge schlief, mittlerweile mit Herz und Seele verschrieben. Es sei "erstaunlich", betonte Vorstandschef Oliver Kahn, "wie schnell er angekommen ist, wie schnell er die Mannschaft von seiner Philosophie überzeugt hat".

Dabei hatten den jungen Coach bei seinem Wechsel im Sommer für die Weltrekordablöse von bis zu 25 Millionen Euro einige Zweifel begleitet. Ist er nicht zu jung für den großen FC Bayern? Findet er einen Zugang zu den zahlreichen Stars, die wie Neuer (35) sogar älter sind als er? Und überhaupt: Sind die Fußstapfen, die Hansi Flick in seiner historischen Ära mit sieben Titeln in 18 Monaten hinterlassen hat, nicht viel zu groß?

Von wegen! Selbst Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist längst voll des Lobes. "Julian legt hier trotz seines jungen Alters eine ausgezeichnete Performance hin", sagte er dem sid, "es sieht fast so aus, als wäre er schon zehn Jahre bei uns. Er hat viele Spieler noch verbessert."

Nagelsmann hat die Bayern mit Akribie, Empathie und viel Leidenschaft in der Erfolgsspur gehalten. Selbst in schwierigen Phasen, als bis zu 13 Profis ausfielen, beschwerte er sich nicht groß. "Scheiß auf die Umstände", sagte er vielmehr kämpferisch. Der Trainer forderte auch keine neuen Spieler. Dies rechne er ihm "hoch an", unterstrich Hoeneß.

"Riesiges Potenzial"

Doch Nagelsmann kennt die Mechanismen. Er weiß genau, wie schnell die Stimmung kippen kann - gerade in München. "Wenn du Cheftrainer beim FC Bayern bist, musst du immer gewinnen, jedes Spiel. Und du musst Titel holen", sagte er dem Vereinsmagazin 51.

Großartig belastet dies den früheren Hoffenheimer aber offenbar nicht. "Ich liebe das Gefühl des gesunden Drucks. Ich liebe es, Spiele unter Druck zu coachen", betonte er. Und bei den seltenen Niederlagen? Da sei "bei mir schämen das richtige Wort: Ja, ich schäme mich dann. Es ist ein wirklich unangenehmes Gefühl."

Nach dem 4:1 im Hinspiel in Leipzig soll deshalb auch am Samstag gegen seinen "Ex" kein Schamgefühl aufkommen. "Es ist ein Stück besonderer als andere Spiele. Wir sind extrem gefordert", sagte Nagelsmann vor dem Duell gegen seinen Kumpel Domenico Tedesco. RB habe "riesiges Potenzial und ist mit eine der interessantesten Mannschaften Europas".