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von Martin Henkel ,  Ullrich Kroemer

Kevin Kampl exklusiv: „Gegen die Bayern muss man über seine Grenzen gehen”

Kevin Kampl.

Kevin Kampl.
Copyright: RBlive

Er ist mittlerweile das Herzstück im Spiel von RB Leipzig: Kevin Kampl. Der 28-Jährige hat unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann noch einmal einen Schritt nach oben in der Hierarchie des Tabellenführers gemacht, in der er nicht nur als Taktgeber des Spiels der Sachsen auf der „Sechs“ zentral vor der Abwehr fungiert, sondern mit bald 29 Jahren auch als Führungsspieler. Umso schwerer würde ein möglicher Ausfall wiegen.

Vor dem Topspiel gegen den FC Bayern München an diesem Samstag (18.30 Uhr) sprach der gebürtige Solinger mit slowenischem Pass mit der Mitteldeutschen Zeitung/RBlive über das Duell gegen den Rekordmeister, seinen Reifegrad, seine nervenden Verletzungen an Achillessehne und Sprunggelenk – und was Elektro-Musik mit seinem Karriereende zu tun hat.

Kevin Kampl, RB Leipzig geht erstmals als Tabellenführer in die Partie gegen Bayern München. Ändert das etwas für Sie?
Kevin Kampl: Es ist erst der vierte Spieltag, da muss man die Situation an der Tabellenspitze noch nicht zu ernst nehmen. Wir sind aber natürlich gern da oben und werden versuchen, auch an der Spitze zu bleiben. Wir wissen aber auch genau, was die Bayern können. Es wird extrem schwer werden, gegen sie zu gewinnen. Aber wir werden unsere Gelegenheiten haben.

Gegen die Bayern braucht man in der Regel einen perfekten Tag. Auf welche Details wird es ankommen?
Man muss über seine Grenzen gehen, alles, was man hat, investieren. Viel sprinten, laufen, konzentriert verteidigen und in allen Aktionen sehr schnell sein. Man muss im besten Fall immer schon eine Sekunde im Voraus wissen, was man als nächstes machen will, wenn man den Ball erobert hat. Aber der Schlüssel wird sein, dass wir sehr, sehr gut stehen, kein frühes Tor kassieren und unsere Torchancen eiskalt nutzen.

Kevin Kampl: „Timo Werner freut sich besonders auf das Spiel gegen die Bayern”

Sie haben alle vier Pflichtspiele dieser Saison gewonnen. Wie wirkt sich das auf das Klima in der Kabine aus?
Es fühlt sich sehr, sehr gut an. Wir spielen tollen Fußball nach vorn und stehen hinten sehr kompakt. Wir hätten sogar noch ein paar mehr Tore schießen können. Das zeigt, dass wir im Vergleich zum Vorjahr gerade dabei sind, noch ein paar Schippen draufzupacken. Aber gegen die Bayern ist es nie einfach. Gerade, wenn es um was geht, wie die Tabellenführung, sind sie immer da.

Machen Sie sich Sorgen um Timo Werner? In der Liga hat er fünf Mal getroffen, jetzt aber in den zwei Länderspielen keinmal.
(lacht) Gar nicht. Timo ist in überragender Form. Es war gut, dass in das Wechselthema Ruhe eingekehrt und das nun abgehakt ist. Das merkt man ihm an. Ich denke, dass Timo sich besonders auf das Spiel gegen die Bayern freut.

Werner hat nach dem jüngsten Sieg in Gladbach gesagt, dass Punkte gegen die Bayern durch die ganze Saison tragen könnten. Wie groß ist Ihre Gier, die Liga weiter anzuführen?
Wenn du da oben stehst, dann willst du da auch nicht mehr weg. Und unsere Ausgangslage ist nicht schlecht: Wir haben ein Heimspiel, die Kulisse wird wieder fantastisch sein, und auch die Bayern wissen, dass wir gut drauf sind.

„Das Duell wird auf Augenhöhe stattfinden”

Ihr letztes Duell gegen München war das Pokalfinale, das RB deutlich 0:3 verloren hat. Haben Sie dieses Spiel bereits verdaut?
Die Partie spielt bei uns überhaupt keine Rolle. Das war ein ganz anderes Spiel, ein Endspiel eben. Jetzt ist Bundesliga, die Bayern haben ein paar neue Spieler, wir auch. Das Duell wird auf Augenhöhe stattfinden, wenn wir eine Topleistung zeigen.

Ihr Trainer Julian Nagelsmann hat in den ersten Spielen auf die Formation aus dem Vorjahr gesetzt. Weil Sie es besser können als die Neuen?
Der Trainer hat uns die vergangenen Jahre ja beobachtet und weiß, was wir können. Dazu gehört, dass wir oft mit derselben Formation gespielt haben. Das heißt, es gibt Automatismen, auf die er zurückgreifen kann. Wir kennen uns und sind eingespielt. Aber ein paar Neue hat er ja bereits eingesetzt – und die machen sich immer vertrauter mit unserer Spielweise. Kommende Woche geht die Champions League los, im Pokal sind wir auch noch dabei. Wir werden also jeden Spieler brauchen.

Der Coach hat bei seinem Jobantritt gesagt, dass er das Spiel von RB Leipzig nur um Nuancen verändern will. Welche sind zu Ihrem Spiel dazu gekommen?
Für mich hat sich nichts großartig geändert. Ich kenne meine Position, ich weiß, was ich zu tun habe und der Trainer weiß, dass ich meine Leistung bringe.

Nagelsmann agiert unter anderem mit Lockbällen, um den Gegner aus seiner Struktur herauszuholen. Sind Sie beteiligt an diesen Verführungstricks?
Ja, bin ich. Mit solchen Bällen versuchen wir, den Gegner in unsere Hälfte zu locken, um Räume für unser Konterspiel zu bekommen.

Gegen Union und Gladbach, als Sie mitwirken konnten, war das RB-Spiel deutlich kreativer und attraktiver als gegen Frankfurt. Sind Sie mittlerweile unverzichtbar als Herz des Teams?
Ich denke schon, dass meine Rolle auf der Sechs vor der Abwehr mittlerweile entscheidend ist. Das liegt an der Position selbst und ich denke, ich bin in den letzten Jahren so gereift, dass ich sie gut ausfüllen kann. Ich bin vom Spielertyp her jemand, der andere durch Anspiele füttert, sie in gute Positionen bringt oder unser Spiel beruhigt, wenn der Druck groß wird. Ich weiß, was ich zu tun habe.

Können Sie gegen Bayern spielen, Kevin Kampl?

Seit dem Testspiel gegen Stade Rennes setzt Sie Ihre Achillessehne immer mal außer Gefecht. Wir groß ist das Problem, Sie haben auch schon vergangene Saison immer mal pausieren müssen?
Vergangene Saison war es mein linker Zeh, den ich mir gebrochen hatte. Ich habe damit lange gespielt, irgendwann aber ist es aufs Sprunggelenk umgeschlagen. Das habe ich dann ausheilen müssen. Jetzt ist es der rechte Fuß. Gegen Rennes habe ich gemerkt, dass es in die Achillessehne reinsticht. Irgendwas hat sich wohl gelöst, das reizt dann die Sehnen. Das ist sehr unangenehm und man kann nicht viel machen. Deshalb müssen wir die Belastung gezielt steuern, sodass ich immer wieder Trainingseinheiten verpasse. Das ist schon blöd, denn davon abgesehen fühle ich mich körperlich topfit.

Können Sie gegen die Bayern spielen?
Das ist noch offen, wird aber eng.

Sie haben Ihren Reifegrad angesprochen. Welches Prädikat hat der im Alter von 28 Jahren: perfekt, kurz vor perfekt oder schon ein wenig drüber?
Ich komme gerade in meine besten Jahre. Als Sechser brauchst du viele Spiele, viel Erfahrung und der Fußball zeigt, dass man dieses Level rund um die 30 erreicht hat. Ich habe viel gespielt, ich hatte an allen Stationen – ob in Salzburg, Leverkusen, Dortmund und jetzt in Leipzig – immer Toptrainer, die mir sehr viel beigebracht haben. Körperlich fühle ich mich viel jünger als 28, vom Kopf her werde ich immer reifer. Aber die wirklich guten Jahre habe ich noch vor mir.

Was ist der größte Unterschied zu dem Kevin Kampl vor fünf Jahren?
Ich bin durch meine beiden Kinder viel ruhiger geworden. Man blickt anders auf das Leben. Ich mache mir auch auf dem Platz nicht mehr zu viele Gedanken und übernehme immer mehr Verantwortung.

Sie spielen zudem auf der Sechs eine andere Position als in den Vorjahren.
Das kommt dazu. Ich fühle mich mittlerweile auf der zentralen Position vor der Abwehr am wohlsten, also nicht mehr auf der Spielmacherposition wie in Salzburg oder rechter Stürmer wie in Dortmund. Das war von allen Rollen die, die mir am wenigsten liegt. Ich mag es, das Spiel von hinten heraus zu lenken und nach vorn zu transportieren.

Wenn Sie diese Stationen miteinander vergleichen, welchen Stellenwert nimmt Leipzig gerade ein?
Wenn ich das im Zusammenhang betrachte, dann habe ich bis auf die Bayern in der Bundesliga für die Top Drei gespielt. Darauf bin ich generell stolz. Ich hatte eine sehr gute Zeit in Leverkusen, keine ganz so gelungene in Dortmund, und jetzt bei RB gehe ich in die dritte Saison. Das sagt viel aus, denn länger als zwei Jahre war ich zuvor nirgendwo. Ich fühle mich sehr wohl hier, meine Familie auch. Ich komme mit den Leuten im Verein, meinen Mitspielern und den Fans bestens aus. Ich spüre enormes Vertrauen, was mir schon immer wichtig gewesen ist. Es macht einfach unheimlich Spaß. Gerade mit so vielen extrem jungen Spielern, die, wenn sie klug sind, große Karrieren vor sich haben. Ich genieße gerade jeden Tag.

Vorzeitige Vertragsverlängerung? – Kampl: „Wir werden das in Kürze besprechen”

Das klingt, als würden Sie ihren bis 2021 laufenden Vertrag auf der Stelle verlängern wollen.
(lacht) Ich denke, dass wir uns in Kürze zusammensetzen und das mal besprechen werden. Im Fußball kann man nie sagen, wie es weitergeht.

Das sagen alle.
Na ja, es ist so. In dem einen Jahr läuft es blendend, in dem anderen plötzlich nicht mehr. Das geht so schnell. Ich werde bald 29 und habe noch einen großen Karriereschritt vor mir. Im Moment fühle ich mich extrem wohl hier, das wissen alle. Aber ich habe außer in Salzburg noch nie im Ausland gespielt. Das beschäftigt mich manchmal. Auf der anderen Seite habe ich zwei kleine Kinder. Da packt man nicht einfach seine Koffer und sagt: Ich mache was Neues. Grundsätzlich muss ich mich extrem wohlfühlen an dem Ort, wo ich bin. Und das ist in Leipzig definitiv gegeben. Wenn die Zeit reif ist, werden der Verein und ich ganz offen darüber sprechen.

Welche Liga würde Sie denn reizen? Als Berater würden wir Ihnen Spanien nahelegen.
(lacht). Spanien ist sehr interessant. Der Fußball dort würde gut zu mir passen. Ich habe gern viel Ballbesitz. Genauso finde ich auch Italien reizvoll, England auch. Erste Wahl aber wäre die Primera División.

Vor einer Weile hieß es, Sie wollen die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Schon erledigt?
Bald. Ich bin hier aufgewachsen, ich lebe hier, werde hier auch bleiben, ein Großteil meiner Familie ist mittlerweile ebenfalls eingebürgert. Das ergibt für mich Sinn, auch wenn ich als gebürtiger Slowene immer genauso auch ein Slowene sein werde.

Mit den Jungs aus dem Solinger Block nach Ibiza

Sie mögen elektronische Musik. Tanzen Sie gern dazu oder mischen sie selber Platten?
Beides. Ich fahre einmal im Jahr mit sehr engen Freunden aus meinem alten Solinger Block, wo ich aufgewachsen bin, nach Ibiza. Dort bin ich mit Elektro in Berührung gekommen und hab das dann nur noch gehört. Zu Hause habe ich mir dann ein kleines Studio eingerichtet, wo ich ein bisschen am DJ-Pult trainiere. Mal sehen, was daraus wird.

Ein Leben nach dem Karriereende?
(lacht) Vielleicht bin ich dann soweit, dass ich zum Ende meiner Zeit als Fußballer eine kleine Elektro-Party schmeißen kann. (RBlive/ukr)

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