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Von Martin Henkel

Löwe mit Gottes Segen: Luan Candido stellt sich vor

Gläubiger Löwe: Luan Candido.

Gläubiger Löwe: Luan Candido.

Luan Candido hat sich seinen Glauben auf den rechten Arm tätowieren lassen: einen großflächigen Jesus-Kopf, dazu ein Herz, eine Taube und gefaltete Hände. Das portugiesiche Wort für Glaube „fé“ ziert zudem seinen einen Handrücken, den anderen ein Löwe. Gott, soviel steht fest, spielt keine kleine Rolle im Leben des Brasilianers

Luan Candido: „Ich danke Gott“

Geht es nach dem Leipziger Sommer-Zugang von Palmeiras Sao Paulo, dann hat der Herr im Himmel massiven Anteil am Transfer des Linksfußes in die Bundesliga, der zu Beginn des Trainingslagers der Sachsen in Tirol „Gott“ dankte, „dass ich hier bin und das alles erleben darf.“ Der Anblick, den der 18-Jährige von seinem Balkon aus genießt, muss deshalb mehr als erhaben sein, denn er schaut von oben herab über das Inn-Tal – und es war das Erste, was der Seefeld-Debütant getan hat, als RB am Sonntag frühen Abend in der Luxus-Herberge ankam. Er prüfte den Austritt vor seinem Fenster.

„Es ist das erste Mal, dass ich hier bin. Das Panorama ist sehr schön“, verriet er am Montag in kleiner Runde. Aber nichts da, dass er sich als Brasilianer beim Anblick der schneebedeckten Gipfel die Augen gerieben habe. „Schnee“, so Luan Candido, kenne er schon. Es ist ja nicht so, dass er nicht herumgekommen ist. Candido ist seit der U17 Nationalspieler und damit auf dem gesamten Kontinent unterwegs. Und Berge gibt es in Südamerika zur Genüge.

Hoher Druck auf Ball und Persönlichkeit

Dennoch, dem Teenager war der Respekt deutlich anzumerken, als er sich das erste Mal persönlich vorstellte. Acht Millionen Euro soll RB für den jungen Mann angeblich an Palmeiras überwiesen, wo man ihn ein halbes Jahr lang beobachtet hat – und danach überzeugt war, dass er die nötige Klasse und Reife besitzt, beim Champions-League-Klub zu bestehen. Vielleicht nicht gleich von Beginn an, aber seine Qualitäten ließ er in den ersten Trainingseinheiten und beim Test gegen Zürich bereits aufblitzen.

Das hat nicht nur etwas mit Glauben zu tun, sondern auch mit Selbstbewußtsein. „Es ist wichtig, Persönlichkeit zu haben und mutig zu spielen. Das ist die Basis dafür, herauszustechen.“ Das gilt vor allem für die Anpassungsleistung, die er zu bewältigen hat. Und die ist für einen Brasilianer naturgemäß nicht klein.

Er wolle sich deshalb „schnellstmöglich integrieren“, genauso schnell die Sprache lernen, „damit ich meine Kollegen und den Trainer verstehen kann“, sich den Spielstil einverleiben, den er zuvorderst als „sehr hohen Druck auf den Ball“ wahrnimmt. Und das Training sei eine Spur „härter als in der Heimat“.

Candido will bei RB Leipzig bereit sein, wenn er gebraucht wird

Ansonsten gilt: Da zu sein, wenn Trainer Julian Nagelsmann ihn braucht. Eine bevorzugte Position hat er nicht, er kann hinten spielen oder in der Mitte. „Wichtig ist, dass ich bereit bin, wenn ich gebraucht werde.“ Und alles weitere: Ist Schicksal. So wie sein Wechsel nach Leipzig. Als er vom Interesse gehört habe, sei er „sehr glücklich“ gewesen. „Ich hatte gehört, dass dieser Klub auf junge Spieler setzt.“ Das war überzeugend und ganz anders, als das, was der amtierende brasilianische Meister praktiziert, der vom 2002er Weltmeistercoach Luiz Felipe Scolari trainiert wird. „Felipao“ konnte noch nie gut mit jungen Spieler, so kam auch Luan Candido zu keinem einzigen Profispiel. Und als er sein erstes bestreiten sollte, konnte er nicht. Es war der Tag, an dem er den Vertrag mit RB Leipzig unterschrieb. Die Wege des Herrn eben.