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"Dann kackst du ab, wie es überall geschrieben steht" Nagelsmann lehnt Bundestrainerposten ab und stellt sich vor Löw und das DFB-Team

Klare Kante von RB-Trainer Julian Nagelsmann

Klare Kante von RB-Trainer Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann, Trainer von RB Leipzig, hat sich nach dem 0:6 der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien klar vor das Team und Bundestrainer Joachim Löw gestellt und mit deutlichen Worten mehr Sachverstand und Neutralität in der Debatte um die Zukunft von Trainer und Spielern gefordert.

Der 33 Jahre alte Coach des sächsischen Bundesligisten sagte: "Alles sollte neutraler und etwas mehr fußballspezifisch betrachtet werden und nicht so abwertend. Wir tun gut daran, dem Trainer und den Spielern ein bißchen mehr Zeit für die Entwicklung zu geben."

Nagelsmann will Löws Job nicht

Die DFB-Elf hatte im abschließenden Gruppenspiel der Nations League gegen den Weltmeister von 2010 eine herbe Niederlage einstecken müssen, die höchste in der Geschichte der Nationalmannschaft seit 1931. Im Anschluss war die Kritik teils ausgeufert und gipfelt in der Forderung nach einem Neuanfang mit einem anderen Trainer als Löw, der seit 14 Jahren das Team betreut und 2014 Weltmeister wurde. Auf die Frage, ob er den Job übernehmen wolle, sagte Nagelsmann ironisch: "Bis zum Sommer nicht!"

Was zu der Niederlage geführt habe, waren für den Trainer des Ligazweiten vor allem weiche Faktoren. Sprich, weniger substanzielle Unterlegenheit. "Es gibt so Tage, da gelingt dem Gegner alles und einem selbst wenig", sagte er. "Deutschland hat nicht gut gespielt, hat nicht viel Druck gemacht in vielen Situationen und dann ist Spanien einfach sehr, sehr gut gewesen an dem Tag. Sie hatten acht Chancen, sechs davon sind reingegangen", da habe einfach alles gepasst.

"Das letzte positive Wort? 2014!"

Nagelsmann erinnerte an den eigenen Auftritt in der Champions League, als RB gegen Manchester United in zwölf Minuten drei Gegentore kassierte und anschließend in der Summe 0:5 verlor. Shit happens?

Laut Nagelsmann: ja! Zum anderen ist vieles, was die DFB-Elf gerade durchlebt, in seinen Augen "hausgemacht", vor allem durch die zum Teil harte und harsche Kritik aus Reihen von wie persönlich gekränkten Medien und Experten wie dem in seiner eigenen Karriere durchweg erfolglosen Trainer Lothar Matthäus oder Löws ehemaligem Führungsspieler Sebastian Schweinsteiger.  "Das letzte positive Wort", so Nagelsmann, "habe ich gefühlt nach dem WM-Sieg 2014 gelesen."

Er verwies auf den Umbruch, den das Trainerteam nach der verpatzten WM 2018 eingeleitet habe - mit größtenteils jungen Spielern, wie u.a. Robin Koch, der gegen Spanien in der Innenverteidigung erst seinen siebten Einsatz hatte. "Das aktuelle Team ist sehr jung, das ein paar Führungsspieler nicht mehr dabei hat, die jetzt Experten sind oder nur noch bei ihren Vereinen spielen", so Nagelsmann weiter. "Damit muss eine junge Mannschaft erst mal umgehen lernen muss. Das ist nicht ganz einfach."

Tatort "ist auch nicht schlecht"

Vor allem aber: "Die Spieler werden nur schlecht geschrieben, der Bundestrainer wird nur schlecht geschrieben und der Tatort hat mehr Einschaltquote, was ja mal sein darf, der ist ja auch nicht schlecht. Und so gehst du in ein Spiel, es gelingt am Anfang wenig, der Gegner macht aus seinen ersten zwei Chancen zwei Tore und dann ist dein Unterbewußtsein darauf getriggert, die selbsterfüllende Prophezeiung zu erledigen. Nämlich abzukacken, wie es überall steht. Und das ist dann passiert!"

Aus der Niederlage zu lernen, das ist für Nagelsmann auch die Aufforderung an die Öffentlichkeit, ihren Umgang mit dem DFB-Team zu überdenken. "Ich bin kein Weltverbesserer", sagte er. "Aber ich bin ein großer Freund davon, dass sich die Beteiligten offen und ehrlich äußern und alle anderen etwas neutraler. Man sollte mit dem Prunkstück des deutschen Fußballs etwas menschlicher umgehen."

Denn nicht zu vergessen: Nach 2018 wurde von überall her ein Neustart gefordert. Jetzt bedarf es Geduld, so Leipzigs Trainer. "Dass es ein großer Umbruch war und gewisse Dinge aktuell nicht so funktionieren ist logisch", sagte Nagelsmann. Das sehe ja "auch jeder. Auch Joachim Löw, der als einziger tief drin steckt, alle anderen schauen nur von außen drauf." Ergo: "Wir tun gut daran, dem Trainer und den Spielern ein bißchen mehr Zeit für die Entwicklung zu geben. Allzu viel Training hat der Jogi Löw zuletzt auch nicht gehabt." (RBlive/hen)