"Manchmal wird davon zu früh gesprochen"

Nkunku für Lahm kein Weltklassespieler

Von Thomas Fritz Aktualisiert: 08.08.2022, 13:57
Philipp Lahm war früher weltklasse auf der Rechtsverteidiger-Position.
Philipp Lahm war früher weltklasse auf der Rechtsverteidiger-Position. IMAGO / Revierfoto

Er ist Deutschlands Fußballer des Jahres und war in der vergangenen Saison europaweit hinter Kylian Mbappé, Karim Benzema und Robert Lewandowski der viertbeste Scorer Europas. Doch das Prädikat "weltklasse" hat RB Leipzigs Christopher Nkunku in den Augen von Weltmeister Philipp Lahm noch nicht verdient.

"Grundsätzlich hat er Tolles geleistet. Ihm hat man gerne zugeschaut", sagte der Orga-Chef der Euro 2024 dem Kicker (Montagsausgabe). "Und man kann nach meiner Definition ja eine Weltklasse-Saison spielen, ohne gleich ein Weltklassespieler zu sein. Ich verstehe Nkunkus Wahl (zum Fußballer des Jahres - d. Red.)."

Lahm: "Weltklasse" nur beim FC Bayern

Für Lahm kommt es auf die Definition von Weltklasse an. "Manchmal wird davon zu früh gesprochen", sagte er. In seinen Augen müsse ein Spieler "mit Anfang 20 in einem großen Verein spielen und über zehn Jahre Großes leisten. Oder eine Periode in einer Nationalmannschaft oder eine Position prägen wie Messi, Cristiano Ronaldo, Zidane, Toni Kroos oder Sergio Ramos. Deshalb tue ich mich schwer, in der Bundesliga Weltklasse zu finden außer in München."

Bei Jamal Musiala vom FC Bayern oder Leverkusens Florian Wirtz sieht Lahm das Potenzial für Weltklasse. Bei Wirtz stelle sich aber die Frage, "ob er bei einem anderen Verein auf Dauer große Leistungen abrufen kann". Im Falle von Christopher Nkunku komme es daher auch darauf an, welche weiteren Schritte sein Klub in Zukunft gehe. "Für ihn stellt sich ebenso die Frage nach der weiteren Entwicklung bei RB, auch international. Ich weiß nicht, wie alt Nkunku bei Leipzig wird, wenn er sein Niveau hält."

Lahm: Investoren wie in Berlin, Hoffenheim oder RB Leipzig müssen "unsere europäischen Werte vertreten"

Auch zur Frage, ob das 50+1-Modell in Deutschland bestehen bleiben sollte, äußerte sich Lahm. "Zunächst kann man festhalten, dass auch unter den aktuellen Umständen sehr große Investitionen möglich sind: Wenn ich nach Leipzig schaue, nach Hoffenheim oder zu Hertha. Entscheidend ist beim Thema Investoren für mich: dass sie einen demokratischen Ansatz haben, dass sie unsere europäischen Werte vertreten."

Ob auch ein saudi-arabischer Staatsfonds mit einem deutschen Verein ins Geschäft kommen sollen dürfte? "Ganz generell sage ich: Wer mit seinen Investitionen in den Fußball politische Ziele oder Zwecke verfolgt, den Sport also nur benutzt oder gar missbraucht, ist sowieso der falsche Partner", sagte Lahm, der der WM in Katar fern bleiben wird.

Der Gedanke hinter einem hohen Investment sei "sicher kein schlechter", so Lahm. "Genau wie in Hoffenheim oder Leipzig. Aber man muss halt das Richtige daraus machen."

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